WEIHNACHTEN VERSAUT!

Donnerstag 26.12.2019・18:30 Uhr
Ravensburg Towerstars - Lausitzer Füchse
7:1
0:0, 5:0, 2:1

FÜCHSE BRECHEN WIEDER IM ZWEITEN DRITTEL EIN

DER BERICHT

Seltsam leidenschaftslos präsentierten sich unsere Lausitzer Füchse am zweiten Weihnachtsfeiertag bei den Ravensburg Towerstars, deren Ausfallliste lang und mit vielen prominenten Namen besetzt war. Dagegen kehrte bei den Blau-Gelben Mac Carruth ins Gehäuse und Tomas Andres in den dritten Sturm zurück. Das, was die Weißwasseraner beim 1:0 über Spitzenreiter Kassel stark gemacht hatte, nämlich Teamgeist, bedingungsloser Einsatz und eine stabile Defensive, das zeichnete heute nur die Gastgeber aus. Vier Tage nach dem 3:6-Debakel beim Schlusslicht in Bayreuth holten sich die Angereisten diesmal ein 1:7 ab. Dabei kam die Torfolge einem Déjà-vu gleich: Kassierten die Neilson-Schützlinge im Tigerkäfig binnen 3:31 min. zwischen der 26. und 29. Spielminute vier Gegentreffer, so dauerte es bei den Oberschwaben nur 3:13 min. – und es hatte viermal gescheppert. Die neuerliche Schlappe wirkt sich auch direkt auf die Tabelle aus. Denn der EHC ist nur noch Zehnter mit gerade einmal zwei Punkten Vorsprung auf den ersten Playdown-Rang.

Spielverlauf

Die Partie begann weihnachtlich-besinnlich mit einem Geschenk von Ex-Fuchs Olafr Schmidt, der aus dem Tor gefahren war, den Puck zu Clarke Breitkreuz spielte und mit anschauen musste, wie Jordan George, den unser Kapitän bedient hatte, das Spielgerät am leeren Gehäuse vorbei semmelte. Da waren 25 Sekunden um. Die Gastgeber hatten zunächst damit zu tun, sich in den neu formierten Reihen zu finden. Nach drei Minuten fuhr Andreas Driendl in Mac Carruth. Sehr viel Bemerkenswertes gab es sonst nicht. Beide Mannschaften neutralisierten sich, die Mittelzone war ziemlich eng und nur vereinzelte Schüsse von den Seiten beschäftigten die Goalies. Ab der Mitte der ersten Periode hatten die Füchse leichte Chancenvorteile. Feodor Boiarchinov scheiterte frei aus fünf Metern an Olafr Schmidt (10.). Daniel Schwamberger fuhr schräg von links in die Angriffszone, hob mit der Rückhand aber über das kurze Eck (14.). Chancen für die Hausherren ergaben sich dann, wenn diese die Scheibe einfach mal so in unseren Slot schickten. Dann entwickelte sich fast immer ein gewisses Durcheinander. Oder aber nach Lausitzer Fehlabspielen kamen die Puzzlestädter zu Abschlussmöglichkeiten – so bei einem drei gegen zwei durch Shawn O’Donnell (16.), der an Mac Carruth nicht vorbei kam, oder durch Myles Fitzgerald, der frei verzog (19.).

Im Mittelabschnitt blieb es zunächst unaufregend. Derweil Philip Kuschel mal für zwei Minuten auf der Strafbank saß, ließ unsere Mannschaft fast gar nichts zu. Und plötzlich brach es über die Ostsachsen herein. O’Donnell passte mit der Rückhand von hinter dem Tor vor dieses und Robin Just stand mutterseelenallein am langen Pfosten. Einzuschieben war dann eine leichte Übung. Nur 79 Sekunden später klingelte es wieder. Nach einem EHC-Puckverlust im gegnerischen Drittel fuhren die Heimischen einen Zwei-gegen-eins-Konter. Den Schuss von Michael Fomin parierte Mac Carruth noch, den Nachschuss verhinderte niemand und Ravensburgs Neuzugang Timo Gams nutzte ihn zum 2:0. Bis zum nächsten Tornetztest dauerte es ganze 26 Sekunden. Diesmal brachte Darcy Murphy die Scheibe über die Linie – leider auf der falschen Spielfeldseite. Vorausgegangen war einmal mehr Chaos vor unserem Kasten. Trainer Corey Neilson nahm jetzt seine Auszeit. Wer glaubte, nun kehre mehr Ordnung in unserem Spiel ein, sah sich weitere 88 Sekunden später eines schlechteren belehrt. Timo Gams durfte marschieren und ganz einfach ins lange Eck einschießen. Dann gab es auch mal wieder Erwähnenswertes von unserer Mannschaft. Nicolas Strodel bekam bei eigener Unterzahl ein Solo, vergab aber vor Ollie Schmidt (35.). Dafür klingelte es auf der anderen Seite. Oliver Granz, Jakub Kania und Mike Hammond konnten vor Mac Carruth nicht klären. Timo Gams kam an das Spielgerät und schob aus der Drehung mit der Rückhand ein. Da hatte der Bedauernswerte Mac Carruth dann genug und machte Platz für Niklas Zoschke. Bis zur zweiten Sirene verzeichnete der Chronist noch ein Schüsschen von Luis Rentsch (37.) und einen hohen Stock von Gams gegen Darcy Murphy (40.), der den Weißwasseranern zu Beginn der letzten 20 Minuten zwei Minuten Überzahl bescherte.

Und da passierte – NICHTS! Statt flotten Pässen gab es uninspiriertes Puckgeschiebe. Ein Aufbäumen war nicht wirklich zu erkennen. Im Gegenteil: Die größeren Chancen hatten die Gastgeber. Bei einem Überzahlkonter war Andreas Driendl ganz alleine vor Zoschke, schoss unseren Hüter aber irgendwie an (43.). Gefahr vor Schmidt gab es, als Matias Haaranen einen Puck Richtung eigenes Gehäuse ablenkte. Aber der Towerstars-Keeper war auf dem Posten (45.). Spannung bezog das Match jetzt nur noch aus der Frage, ob es für Olafr Schmidt zum dritten Shutout der Saison reichen würde. Erst recht, nachdem ein von Mychal Monteith verdeckter Handgelenksschuss von Vincenz Mayer den Weg ins lange Eck fand: 0:6 – blamabel! Dann holten sich die Schützlinge von Trainer Rich Chernomaz kurz hintereinander zwei Strafen ab. Damit durften die Füchse 33 Sekunden doppelten Spielervorteil genießen, der für George und zweimal Hammond dicke Gelegenheiten ergab. Doch da war Olafr Schmidt mit big saves zur Stelle. Gerade wieder zu viert, kassierte der EVR-Hüter dann doch noch einen Treffer. Ein Schuss von Mike Hammond rutschte durch, weil Murphy dem Schlussmann jegliche Sicht genommen hatte. Anschließend wurde es tatsächlich nochmals aufregend. Denn nach 58 Minuten lag der Puck schon wieder in unserem Tor. Einen Schuss von Thomas Brandl ließ „Zoschi“ durch die Schoner rutschen. Das Spielgerät blieb aber vor der Linie liegen. Und ehe Brandl den Nachstocherer versenkt hatte, war abgepfiffen. Glück gehabt! Doch es schlug noch sieben. Myles Fitzgerald nagelte aus sehr spitzem Winkel die Scheibe mal einfach so unters Gebälk. Dann hatte das aus Füchse-Sicht „unchristliche Geschehen“ ein Ende. Dass die Towerstars ihren vier nachnominierten DNL-Spielern ab der zweiten Periode ob des klaren Vorsprungs – ohne großes Risiko zu gehen – viel Eiszeit geben konnten,das kam dann schon einer Art Demütigung gleich. Manchmal sagen ja Gesichter mehr als Worte. So bleibt zu hoffen, dass Coach Corey Neilson mit dem, was sein Antlitz auf der Pressekonferenz andeutungsweise erahnen ließ, seine Akteure schnellstmöglich wachrüttelt. Weihnachten haben die Blau-Gelben ihren Anhängern schon versaut. Vielleicht gibt es – auch wegen des anstehenden Hockey Open Airs – wenigstens Silvester etwas zu feiern.

Schlüsselszene

Zwei Treffer binnen 26 Sekunden in Minute 30 brachten die Hausherren mit 3:0 nach vorn und unsere Mannschaft komplett aus der Fassung.

Jubilar

Ravensburgs Sören Sturm wurde vor dem Match für sein 700. Pflichtspiel geehrt, steuerte zwei Assists zum Sieg bei und hatte allen Grund zum Feiern. Herzlichen Glückwunsch!

Weisheit

Der verletzte Stürmer der Towerstars, Thomas Merl, gab am SpradeTV-Mikrofon als Erfolgsrezept für „schwere Zeiten“ aus: „Gas geben und zusammenstehen!“ Gegen Kassel hatte das bei unseren Füchsen auch sehr gut funktioniert…

Alarmglocken

Die wurden diesmal durch die Anhänger der Towerstars „eingeläutet“. Nach 52 Minuten schallte es unüberhörbar laut „Kling, Glöckchen, klingelingeling“ durch die CHG-Arena. Mögen unsere Jungs ob des Tabellenbildes das Bimmeln endlich erhören!

Der Top-Spieler:Timo Gams

Wenn du gegen Weißwasser für die Towerstars debütierst, sind große Eishockeyabende scheinbar garantiert. Im Oktober steuerte Neuzugang Rob Flick vier Tore zum 6:5 nach Penaltyschießen bei. Timo Gams schaffte heuer drei Treffer – alle im Mittelabschnitt. Auch sonst sprühte der Angreifer, der aus Bad Tölz zu den Oberschwaben gewechselt war, vor Tatendrang.

Die Trainerstimmen

Rich Chernomaz: „Im ersten Drittel waren wir zu passiv und haben mit der Scheibe viele Fehler gemacht. Im zweiten Drittel konnten wir das Tempo deutlich erhöhen und fünf Tore erzielen. Das war der Unterschied in diesem Spiel. Ich freue mich für Timo Gams, der in seinem ersten Spiel für uns eine sehr gute Leistung gebracht hat. Im ersten Drittel hat uns Olafr Schmidt gut geholfen. Und dann muss ich ein Kompliment für unsere vier DNL-Spieler loswerden. Ich konnte ihnen viel Einsatzzeit gewähren, sie haben einfach und gut gespielt und der Mannschaft viel Energie gegeben.“

Corey Neilson:„Es war ein großes Spiel der Gastgeber. Das erste Drittel haben wir noch sehr gut gespielt. Im Mittelabschnitt ging dann alles schief, was schief gehen konnte. Wir haben viele Fehler in allen Zonen gemacht, die Ravensburg gnadenlos genutzt hat. Dann haben wir sogar noch ein Eigentor geschossen. Ich bin richtig frustriert. Vor allem tut es mir leid für die vielen Füchse-Fans, die uns hier unterstützt haben.“

Die Statistik

1:0 (28.) Robin Just ( Shawn O'Donnell , Matias Haaranen ), 2:0 (30.) Timo Gams ( Michael Fomin ), 3:0 (30.) Vincenz Mayer ( Robin Just , Sören Sturm ), 4:0 (31.) Timo Gams ( Matias Haaranen , Patrick Seifert ), 5:0 (36.) Timo Gams ( Shawn O'Donnell , Myles Fitzgerald PP-1), 6:0 (47.) Vincenz Mayer ( Jakub Svoboda , Sören Sturm ), 6:1 (56.) Mike Hammond ( Robert Farmer , Darcy Murphy PP-1), 7:1 (59.) Myles Fitzgerald ( Stefan Rodrigues , Leon Dalldush )

Strafen: Ravensburg 6-12 Weißwasser 5-10

Foto: Kim Enderle / DEL2

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