TOTGEPASST

Sonntag 13.10.2019・17:00 Uhr
Lausitzer Füchse - EC Bad Nauheim
1:2
0:0, 0:1, 1:1

EFFIZIENTERE NAUHEIMER GEWINNEN DANK BICK

DER BERICHT

Es war „Eishockey paradox“, das den 2.803 Besuchern am Sonntag beim Heimspiel gegen Bad Nauheim geboten wurde. „Nur der ESW“ war von der Riesenchoreografie zu lesen, die vor Block D und Spielbeginn entrollt worden war. Und danach spielte auch fast nur der ESW. Und der ESW schoss auch, 45:21 mal –aber dennoch viel zu wenig. Am Ende bejubelten die Gäste einen 2:1-Erfolg, den sie mit fast ausschließlich, aber gut geordnetem Defensivverhalten und ganz viel Verteidigungsleidenschaft erzwangen. Was dennoch auf das Gehäuse der Mittelhessen kam, das entschärfte Felix Bick. Der Hüter der Bad Nauheimer machte eine richtig starke Partie.

Spielverlauf

Wollte man alle Top-Chancen des Matches beschreiben, dann würde das den Rahmen des zur Verfügung stehenden Platzes sprengen. Denn die Partie war höchst unterhaltsam, spannend und bot viel für’s Auge. Zum Beispiel den Hechtsprung von Goalie Bick, der nach einem Thomas-Reichel-Schuss den Rebound von Nicolas Strodel „fliegend“ entschärfte (5.). Es schien, als wollte der EHC die Gäste mit dem Schwung vom Eislöwen-Sieg überrennen. Als Mike Hammond zum Sololauf ansetzte, wurde er von Huba Sekesi unfair gestoppt. Lange blieb unser Top-Scorer auf dem Eis liegen. Kaum war er wieder einigermaßen auf den Beinen, da trat er zum fälligen Penalty an – und scheiterte an Bick (7.). Bis zur ersten Pause kam unsere Nummer 90 nicht mehr zurück. Und der Spielfaden war auch irgendwie weg. Drei Strafen – zwei gegen die Füchse und eine gegen Bad Nauheim – brachten zwar mal Gefahr, aber nichts Zählbares. Das hatte zunächst Dani Bindels auf der Kelle, musste aber die Klasse unseres Schlussmanns Mac Carruth anerkennen (13.). Etwa eine Zeigerumdrehung später wurde eines unserer wiederkehrenden Probleme offenkundig: Dreimal hatten die Blau-Gelben die Scheibe sicher und hätten sie aus dem Verteidigungsdrittel bringen sollen. Doch statt sie kompromisslos über die Blaue Linie zu befördern, sollte es spielerisch gelöst werden – und brachte uns schwer unter Druck. Nach 16 Minuten hatten die Fans den Torschrei schon auf den Lippen. Robert Farmer umkurvte auch noch Torhüter Bick, legte den Puck aber um Zentimeter am Pfosten vorbei. Kurz vor der Pause und in Unterzahl bewahrte uns Mac Carruth gegen Tyler Fiddler und zweimal Andreas Pauli (19.) vor einem Rückstand. So blieb es torlos.

Der Mittelabschnitt bot Einbahnstraßen-Eishockey. Kaum war die frühe Strafe gegen Jordan George recht souverän gekillt, da schalteten die Ostsachsen auf Angriff, erkämpften sich auch dreieinhalb Überzahlspiele. Da lief die Scheibe durchaus flott. Aber es gab viel zu wenig Abschlüsse. Und wer bisher mit dem Begriff „Scheibenglück“ nicht so viel anfangen konnte, der bekam ihn in Minute 30 erklärt. An unserer Blauen Linie angelten Andrej Bires und Oliver Granz nach dem Spielgerät, das nach einem Pressschlag direkt vor den Schläger des Gäste-Angreifers fiel. Bires stiefelte los, schoss, scheiterte an Mac Carruth und bekam maßgenau den eigenen Rebound. Statt 3:1 oder 4:1 hieß es plötzlich 0:1. Die Weißwasseraner legten noch eine Schippe drauf. Jakub Kania zielte am leeren Tor vorbei (31.), George zog schön direkt ab, doch Bick war da (35.). Wenig später feuerten George, Darcy Murphy und Joel Keussen im Sekundentakt. Aber irgendwie hieß der Sieger immer Bick (36.). Als der mal geschlagen war, verfehlte Nicolas Strodel das freie lange Eck (37.) – es war zum Haareausraufen und wurde nicht besser. Einen abgefälschten Kania-Schuss kratzte Marcel Kahle von der Linie. Die Referees bemühten zwar den Videobeweis. Aber das Spielgerät hatte einfach keinen Bock, ins Tor der Angereisten zu rutschen (39.). Der letzte Aufreger vor der zweiten Sirene war ein Foul von Tyler Fiddler an Mac Carruth. Bei angezeigter Strafe attackierte ein weiterer „Roter Teufel“ unseren Schlussmann, dem die Maske vom Kopf fiel. Der „Macker“ stand kurz vor der Selbstjustiz, behielt aber die Nerven (40.).

Auch die letzten 20 Minuten kannten fast nur eine Richtung. Ein Distanzschuss von Jakub Kania wurde zur Bogenlampe abgefälscht. Der Puck fiel genau hinter der Querlatte auf das Bick-Tor (42.). Die Ereignisse schienen sich nun zu überschlagen. Bei einem Zwei-gegen-eins-Angriff brachte Thomas Reichel den Querpass zu Murphy nicht durch. Jordan Georges Abfälscher aus dem Slot landete bei Bick (beides 44.). Und dann war es endlich, endlich so weit. Bick konnte einen Keussen-Schuss nicht festhalten, Mike Hammond staubte ab – und der Fuchsbau konnte lostoben. Völlig losgelöst jagten unsere Cracks nun die Kreutzer-Schützlinge durch die Arena. Sebastian Streu scheiterte mit einem Solo (46.). Egal, welche Reihe ran durfte: Der Puck marschierte schnell von Mann zu Mann, hinter dem Tor, an der Blauen Linie, in den Ecken. Aber es fehlten die Schüsse. Und wenn sie kamen, blockten die Hessen, was zu blocken war. Die Nauheimer waren aber auch offensiv noch da. Als Referee Lenhart im Wege stand, kam Zach Hamill frei vor Carruth zum Abschluss. Unser Keeper konnte da noch klären (51.). Auch den Schuss von Jesper Kokilla parierte der Amerikaner, war beim Nachschuss von Marc El-Sayed aber machtlos. Die Gäste führten wieder – und hatten, derweil Weißwasser die Angriffsbemühungen weiter intensivierte, durch Fiddler und Manuel Strodel die Chance zur Entscheidung. Mac Carruth war im Wege (54./ 55.). Zweieinhalb Minuten vor Ultimo holte sich Dani Bindels noch zwei Minuten ab. Die Lausitzer nahmen alsbald den Goalie vom Eis, brachten den sechsten Feldspieler und schossen nun endlich auch, wenn es möglich war. Doch die 160 Gramm Hartgummi verweigerten den Einschlag. So blieb es beim 2:1 der Roten Teufel und langen Gesichtern im Füchse-Lager. Wenn man den Unsrigen überhaupt einen Vorwurf machen kann, dann den, dass aus der zuweilen drückenden Überlegenheit viel zu wenig gemacht wurde.

Aufreger

Erst wurde Mike Hammond beim Abschluss behindert, dann noch direkt neben dem Tor von den Beinen geholt. Es gab aber nur den Strafschuss, zu dem der Gefoulte und offenkundig angeschlagene Top-Scorer selbst anlief, aber scheiterte. „Wir haben Mike Zeit zum Luftholen gegeben. Er hatte den Penalty herausgeholt. Deshalb sollte er auch schießen“, erklärte Corey Neilson nach dem Match. Nach Regel 176 hätte Hammond als Gefoulter nicht zwingend schießen müssen. (Sollte ein Foul gegen einen Feldspieler einen Penaltyschuss zur Folge haben, kann der Coach irgendeinen Feldspieler seines Teams bestimmen, der den Penaltyschuss ausführt, sofern er nicht bestraft ist.)

Schlüsselszene

Vielleicht war es der vergebene Penalty, sehr wahrscheinlich aber das 2:1 der Gäste exakt in jene Phase, als die Füchse drauf und dran waren, die Hessen an die Wand zu spielen.

Beispielhaft

Nach 34 Minuten liefen die Blau-Gelben einen Konter vier gegen einen. Doch statt zu schießen wurde so lange gepasst, bis man hinter dem Tor angekommen war. Schießen – einfach schießen...

Verwechslung

„Warum haben die Fans uns nach diesem Spiel ausgepfiffen, als wir nochmals zu ihnen kamen? Wir haben doch alles gegeben“, wunderte sich Joel Keussen nach Spielschluss. Unserer Nummer sieben war entgangen, dass die Pfiffe dem Quartett der Unparteiischen galten, die da gerade das Eis verließen. Übrigens: Einmal mehr waren Entscheidungen auf beiden Seiten, insbesondere was die Arbeit mit den Schlägern betrifft, schwer nachvollziehbar.

Der Top-Spieler: Felix Bick

Was der DEL2-Torhüter des letzten Jahres hielt, war überragend!

Die Trainerstimmen

Christof Kreuzer: „Ich bin mächtig stolz auf meine Mannschaft. In den letzten drei Spielen hatten wir irgendwie die Gegentor-Grippe. Nun endlich scheint das Medikament dagegen angeschlagen zu haben. Wir haben als Team gekämpft, um jeden Zentimeter Eis gerungen, hinten gut gestanden und uns den Lohn des Tüchtigen geholt.“

Corey Neilson: „Es ist eine sehr unglückliche Niederlage. Wir waren das bessere Team. Bad Nauheim hat verzweifelt gekämpft, viele Schüsse geblockt und einen sehr guten Torwart hinten drin gewusst. Wir haben aber auch zu wenig geschossen. Wenn wir so weitermachen, wie wir heute gerackert haben, dann werden wir schon bald wieder Spiele gewinnen.“

Die Statistik

0:1(30.) Andrej Bires (Huba Sekesi - Marc El-Sayed), 1:1(45.) Mike Hammond (Jordan George – Joel Keussen), 1:2(52.) Marc El-Sayed (Andres Pauli - Daniel Stiefenhofer)

Zuschauer: 2.803

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