SACHSENMEISTER!

Montag 05.04.2021・20:00 Uhr
Eispiraten Crimmitschau - Lausitzer Füchse
3:4
1:0, 2:3, 0:1

FÜCHSE GEWINNEN BEIM "ASK VORWÄRTS CRIMMITSCHAU"

DER BERICHT

Das Spiel unserer Lausitzer Füchse bei den Eispiraten Crimmitschau war für die Westsachsen ein „Motto-Spieltag“. Zum zweiten Mal wurde der „Veteranen-Tag“ zelebriert unter der Devise „Danke für deinen Einsatz!“ Das Event war Versehrten aus Polizei und Militär gewidmet, die im Einsatz für unser Land mit ihrer Gesundheit bezahlten. Das sah dann so aus, dass die Gastgeber im „Military-look“ aufliefen, derweil unsere Mannschaft das Heim-Blau trug. Und bei aller Sympathie für den hinter dieser Aktion stehenden Gedanken: ETC-Coach Mario Richer stand in Kampfuniform hinter der Bande. Es war ein durchaus gewöhnungsbedürftiger Anblick. Der aber irritierte unsere Jungs mitnichten. Die liefen im Feld in exakt der gleichen Besetzung wie Samstag gegen Kaufbeuren auf. Einziger Unterschied: Das Tor hütete heuer wieder Mac Carruth. Brad Ross fehlte also auch diesmal. Nach seiner Degradierung als Kapitän meldete er sich für das Match krank. Für die Füchse ging es ja um nicht mehr so viel. Ein Dreier hätte den Gewinn der inoffiziellen Sachsenmeisterschaft bedeutet. Die Eispiraten dagegen ringen noch um die Teilnahme an der Meisterrunde. Durch den 4:3-Auswärtserfolg gegen die „militärischen“ Westsachsen, die Erinnerungen an alte „Vorwärts-Zeiten“ aufkommen ließen, steht fest, dass unsere Jungs die Hauptrunde nicht als Schlusslicht beenden werden. Und Sachsenmeister sind sie nach der so komischen Saison nun auch.

Im Tor der Gastgeber fing heute Ilya Andryukhov die Pucks, während Urgestein André Schietzold verletzungsbedingt passen musste. Die erste gute Möglichkeit des Matches hatte Thomas Reichel, der bei EHC-Unterzahl über links startete, aber am rot-weißen Goalie scheiterte (4.). Auch die Hausherren drängten nach vorn. Gegen Kelly Summers und den Nachschuss von Marius Demmler war Mac Carruth zur Stelle (6.). Diese Szene leitete eine kleinere Druckphase des ETC ein. Doch die Schüsse von Patrick Pohl und Dominic Walsh verfehlten ihr Ziel. Danach hatten unsere Männer die besseren Abschlüsse. Doch Reichel aus acht Metern (10.) kam ebenso wenig an Andryukhov vorbei, wie Rylan Schwartz recht frei im Slot (11.) oder Tim Detig (12.), der noch attackiert wurde. Das rief die Gastgeber auf den Plan. Travis Ewanyk fuhr bis vor Carruth, der die Scheibe sicherte. Crimmitschaus Angreifer schlug nach, Tomas Andres räumte ihn mit „klaren Argumenten“ weg (13.). Je vier Strafminuten eliminierten die Kampfhähne. Der ETC blieb am Drücker. Kelly Summers nahm den Distanzschuss. Aber der „Maccer“ parierte und einen Rebound gab unsere Defensive nicht her (14.). Wenig später gingen die aus dem Sahnpark in Führung. Carl Hudson hatte viel zu viel Platz, zog aus zehn Metern ab und das Hartgummiteil schlug ein. Klar kann man streiten, ob die Führung verdient war. Zumindest in den ersten 20 Minuten brachten die Militärischen mehr Scheiben auf unser Tor. Auch nach dem 1:0 hatten Demmler (15.) und Samuel Vigneault (17.) die besseren Gelegenheiten. Aber Carruth gab den Spielverderber.

Den Mittelabschnitt dominierten zunächst die Heimischen. Zweimal Timo Gams in Minute 24 und Demmler, der nach Hereingabe von Mario Scalzo frei am langen Pfosten stand (27.), fanden in Carruth den Meister. Und plötzlich wurde es „Füchse-Time“. Jonathon Martin knallte aus spitzem Winkel das Spielgerät an Andryukhovs Maske vorbei ins kurze Eck – der Ausgleich! Jetzt ging es hin und her. Als Bennet Roßmy mit Schrägdirektschuss zunächst scheiterte und ihm die Scheibe wieder vor den Schläger fiel, hob er sie mit ganz viel Gefühl ins lange Eck. Was für ein tolles Tor eines – nicht zu vergessen – 17-Jährigen! Es kam noch besser: Nick Ross erschien auf Abstaubertour am langen Pfosten, Stephan Döring passte mustergültig da hin und das 3:1 für die Straube-Cracks war perfekt. Das Momentum war jetzt auf Seiten der Gäste. Clark mit Onetimer nach Schwartz-Zuspiel (34.) und sodann Lars Reuß und Korbinian Geibel (35.) mussten die Übermacht von Andryukhov anerkennen. Spätestens da besannen sich die Eis- und Tennissportler, dass sie ja noch in die Playoffs wollten. Deren Druck nahm zu. Top-Scorer Mathieu Lemay wurde gerade noch so geblockt (37.). Und auch Ewanyk (einmal 37., einmal 38.) zerrte an den Ketten, hatte aber die Rechnung ohne Carruth gemacht. Als man dabei war, aus EHC-Sicht auf die Pause zu hoffen, versagte der Abwehrverbund. Erst überraschte Summers freistehend unseren Schlussmann im kurzen Eck. Und nur 42 Sekunden später kreiselte Walsh um das Tor und schoss unbedrängt ein. Die schöne Führung war doch noch dahin. Mit der letzten Periode begann die Partie sozusagen von vorn.

„Wenn du Achter werden willst, dann musst du heute gewinnen“, verkündete SpradeTV-Reporter Frank Hübschmann mit Beginn der letzten 20 Minuten. Doch es waren die Füchse, die den Takt vorgaben. Bei einem Schwartz-Direktschuss schob Keeper Andryukhov das Tor aus der Verankerung (41.). Dann probierte es Roßmy mit dem Tip-in. Doch der Piraten-Hüter lag auf der Scheibe (42.). Und auch Andres und Martin aus ungünstigem Winkel trafen nicht ins Ziel (43.). Nachdem Gams an Carruth gescheitert war (44.), hielten die Angereisten ihre Gastgeber aus der Gefahrenzone. Dann schleppte Jakub Kania den Puck hinter das Tor, passte in den Slot und stiftete so Verwirrung. Luis Rentsch reagierte am schnellsten und wuchtete das Ding unten rechts in die Maschen. Was da kaum zu ahnen war: Die Oberlausitzer gaben den kostbaren Vorsprung nicht mehr her. Beinahe wäre gar das 5:3 gefallen. Als Andryukhov und Martin im Tor lagen, schlug plötzlich auch die Scheibe dort ein. Aber zuvor hatte ein Schiedsrichterpfiff das Match unterbrochen (49.). So ein echter Sturmlauf der „Soldaten“ blieb aus. Gams probierte es aus sieben Metern, aber Carruth war aufmerksam (51.). Derweil Ludwig Nirschl das Tor machen wollte, hob es Andryukhov wieder aus den Angeln (53.). Walsh zielte frei zu hoch (55.). Wie eigentlich im gesamten Match entsprangen die Chancen der Gastgeber eher aus Einzelaktionen. Spielerisch wirkten die Ostsachsen besser. So folgten die besten Möglichkeiten der Eispiraten in der Crunch-Time aus Situationen, in denen die Füchse den Puck nicht kompromisslos aus dem Drittel brachten. Lemay verfehlte aber das Tor (58.). In den 70 ETC-Sekunden mit dem sechsten Feldspieler hielten die Straube-Jungen alles aus dem Slot, was den Erfolg noch hätte kosten können. Und mit der Schlusssirene konnten unsere Weißwasseraner nach zuvor vier Niederlagen am Stück wieder einen Sieg bejubeln. Der war auch verdient. Und wer nach den positiven Dingen einer doch wenig erbaulichen Spielzeit sucht: Gerade in den Matches seit dem Trainerwechsel haben die zahlreichen Youngster eine derart gute Entwicklung genommen, die für das, was irgendwann kommt, hoffnungsfroh stimmt.

Schlüsselszene

Weil der Doppelschlag vom 1:1 zum 3:1 nicht die Vorentscheidung bedeutete, war es der Gamewinner von Luis Rentsch, der heute den Sieg ausmachte.

Winterlich

Im noch immer „teiloffenen“ Sahnpark war heute wieder Winter befohlen. Die Bäume hinter der Heine-Kurve waren kräftig geweißt. Das pure Eishockey-Feeling kann es auch im April noch geben.

Belächelt

Warum Rylan Schwartz nach 16 Minuten (allein) auf die Strafbank musste, war wirklich schwer auszumachen. Als unsere 13 in der Kühlbox ankam, saß da ja schon Tomas Andres. Dem Schulterzucken folgte das gemeinsame süffisante Lächeln.

Verkannt

Wo das Problem genau lag, ist von hier aus natürlich nicht auszumachen. Aber unser Bennet Roßmy ging heute durchweg als „Romny“ weg. Mit 17 hat man sich halt noch keinen „großen“ Namen gemacht.

Der Top-Spieler: Luis Rentsch

Na klar: Auch Carruth hatte heute großen Anteil am Dreier. Den Gamewinner aber erzielte unsere 27, für den es bereits der siebte Saisontreffer war. Nur mal so: Brad Ross traf bisher auch siebenmal.

Die Trainerstimmen

Mario Richer: „Wir wussten, dass die Füchse ein sehr schnelles Team mit vielen guten jungen Spielern haben. Dennoch sind wir zu unseren Chancen gekommen. Aber Mac Carruth hat gegen uns einmal mehr ein tolles Spiel gemacht. Im zweiten Drittel hatten wir sieben Minuten, da ging es bei uns durcheinander. Diese Phase hat heute den Unterschied gemacht. Auf der Rückfahrt aus Freiburg haben wir über acht Stunden im Bus gesessen. Auch deshalb waren wir heute nicht mehr in der Lage, zum Ausgleich zu kommen.“

Chris Straube: „Es war doch recht knapp. Zum Ende des zweiten Drittels haben wir es fast verspielt. Wir müssen es lernen, die Scheibe aus unserer Defensivzone zu bringen, wenn wir sie haben. Auf beiden Seiten gab es viele Chancen für mehr Tore. Wieder hat uns unser Torhüter gerettet, der immer mehr zu unserem wichtigsten Spieler wird. Aber auch unsere jungen Leute haben es heute sehr gut gemacht.“

Die Statistik

1:0 (13:22) Carl Hudson ( Samuel Vigneault , Mathieu Lemay ), 1:1 (27:10) Jonathon Martin ( Tomas Andres , Bennet Roßmy ), 1:2 (30:17) Bennet Roßmy ( Korbinian Geibel , Jonathon Martin ), 1:3 (31:28) Nicholas Ross ( Stephane Döring , Andrew Clark ), 2:3 (38:53) Kelly Summers ( Marius Demmler , Willy Rudert ), 3:3 (39:35) Dominic Walsh ( Mathieu Lemay , Samuel Vigneault ), 3:4 (47:09) Luis Rentsch ( Jakub Kania , Tomas Andres )

Strafminuten

Crimmitschau 2-4 (4-0-0) Weißwasser 4-8 (8-0-0)

Schiedsrichter

Marcus Brill - Alexander Singer (Michael Zettl - Tobias Züchner)

Kunsteisstadion im Sahnpark

Foto: Thomas Heide / DEL2

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