VERDIENTER DREIER DANK "OLLI"

Sonntag 16.12.2018・17:00 Uhr
Lausitzer Füchse - Wölfe Freiburg
4:1
2:1, 0:0, 2:0

KEEPER SCHMIDT ZWISCHEN GENIE UND WAHNSINN

DER BERICHT

Kenner der Materie haben es schon immer gewusst: Willst du tolles Hockey seh’n, darfste nicht zu Freiburg geh’n… Denn die Partien gegen die Breisgauer boten seltenst Eishockey-Leckerbissen. Vor diesmal beachtlichen 2.334 Besuchern entwickelte sich eine durchweg spannende, aber über weite Strecken auch zerfahrene Begegnung. Das hatte zwei Hauptgründe: Einerseits hatten es unsere Gäste natürlich vordergründig darauf abgesehen, das (Aufbau-)Spiel der Füchse zu (zer-)stören. Andererseits ging ein nicht unbeachtlicher Teil der Blau-Gelben leicht angeschlagen in das Match. Denn die Infekt-Hexe hat es sich in der EHC-Kabine bequem gemacht und zumindest Steve Saviano ins Bett geschickt. Wie zu vernehmen war, hatte sich der eine oder andere Crack sogar gegen den ärztlichen Rat in den Dienst der Mannschaft gestellt.

Die startete deshalb ungewohnt verhalten. Klare Torchancen blieben über die erste Spielhälfte echte Mangelware. Nach fünf Minuten skandierte der Einpeitscher vor Block D konsterniert: „Leute, was ist denn heute mit euch los?“ Ob er damit die etwas schaumgebremste Stimmung auf den Rängen oder die Darbietungen auf dem kühlen Grund meinte, wäre noch zu hinterfragen. Einzig erwähnenswert war eine Gelegenheit für Ex-Fuchs Jannik Herm, dessen Geschoss Olafr Schmidt erst im Nachfassen unter Kontrolle brachte (6.), und eine recht unsaubere Aktion von Radek Havel gegen Marius Schmidt, der den hohen Stock des Tschechen zum Glück ohne größere Blessuren überlebte (9.). Dann kam die 10. Minute und das 1:0 der Heimischen. Chris Owens besann sich auf seine Schussstärke und zog von der Blauen Linie ab, derweil Joel Keussen für Schwarzwald-Goalie Jimmy Hertel die Sichtverhältnisse beschränkte. Der Puck zischte in die Maschen und – nein: Noch flogen keine Kuscheltiere! So blieb es weiter ereignisarm. Mit Christian Neuert scheiterte ein weiterer Ex-Fuchs frei aus sechs Metern an Olafr Schmidt (12.), der fünf Minuten später ganz alt aussah. Marc Wittfoth versuchte sich mit einem Torabschluss, traf die Scheibe aber gar nicht richtig. Die trudelte in Zeitlupe ins kurze Eck, weil Schmidt die Fanghand bereits wieder im Heben begriffen war. So eine Gurke… Besser wurde das Spiel aber auch nach dem 1:1 nicht. Als die Stadionuhr im Begriff war, die letzten 90 Sekunden anzuzeigen, da passierte folgendes: Jakub Kania passte die Scheibe Richtung Tor. Jordan George hielt in einer Art „verkappte Rückhand“ seinen Schläger dazwischen, und das Spielgerät sprang hoch ins kurze Eck. Das sah spektakulär aus. Das bedeutete die zweite Führung der Füchse. Aber die Wahrscheinlichkeit, einen derartigen Treffer in gleicher Art noch einmal zu erzielen, wird wohl ganz gering sein. Das aber konnte den Protagonisten in Blau-Gelb komplett egal sein.

Mit viel mehr Tempo und Entschlossenheit starteten unsere Jungs ins Mitteldrittel. Nach 22 Minuten brach Joel Keussen bei einem Schlagschussversuch die Kelle. Das überraschte aber gar nicht. Denn mit welcher Vehemenz die Freiburger die Schläger der Scheibenführenden bearbeiteten, musste einfach Materialopfer fordern. Wenn etwas überraschend war, dann die Langmut der Unparteiischen, die – was ja sehr lobenswert war – das Spiel laufen ließen. Wäre die neue Stockschlagregel heuer konsequent angewandt worden, dann wäre ein Kampf fünf gegen fünf die Ausnahme gewesen. Nach 26 Minuten lag dann David Kuchejda im Gäste-Tor, der Puck aber nicht. Die Schützlinge von Leos Sulak hielten unsere Spieler geschickt aus der Gefahrenzone und eher außen, weshalb es kaum Abschlüsse aus zentraler Position gab. Fabian Dietz nach Pass von Charlie Jahnke hatte so eine, lenkte das Hartgummiteil aber an die Latte (29.). Und Philip Kuschel, schön freigespielt, kam nicht an Jimmy Hertel vorbei (34.). Kurz danach entschieden die Zebras dann doch einmal auf Strafe. Es traf Cederic Schiemenz, der Niko Linsenmaier gefoult haben sollte. Wenn sich unsere Nummer 48 ungerecht behandelt fühlte, dann ist das nachvollziehbar. Denn der Goldhelm der Schwarzwälder, der noch von sich Hören lassen sollte, wurde eher vom Schläger eines seiner Mitspieler getroffen. Kaum hatte Schiemenz auf dem Sünderbänkchen Platz genommen, da missglückte Mychal Monteith ein Befreiungsversuch. Der Puck zischte in Block S und traf dort eine Zuschauerin am Oberschenkel. Die nächste Strafe aber gab es nicht wegen roher Gewalt gegen Frauen, sondern wegen Spielverzögerung. Und plötzlich mussten die Füchse 1:42 min. mit drei gegen fünf agieren. Jetzt kam richtig Leben in die Bude. Olafr Schmidt klärte großartig gegen Christian Neuert (35.). Ein Geschoss von Josef Mikyska krachte an die Querlatte. Und dann hatten Tobias Kunz und Niko Linsenmaier die ganz dicke Doppelchance zum 2:2. Doch unser Goalkeeper parierte zweimal weltklasseverdächtig (37.). Auch nach überstandener Füchse-Unterzahl drückten die Gäste. Jedoch fanden Enrico Saccomani und Jan Bednar (38.) sowie Sergej Stas (40.) in Olafr Schmidt ihren Meister. Kurz vor der Pause missglückte David Kuchejda noch der Versuch, Jimmy Hertel zu tunneln. So blieb es beim knappen 2:1 der Neilson-Schützlinge.

In den Schlussabschnitt startete Weißwasser mit einem Mann mehr. Mark Mancari hatte kurz vor dem zweiten Pausentee noch gegen die guten Eishockeysitten verstoßen. Nach 42 Minuten war das 3:1 fällig. Im Powerplay wurden die Breisgauer so auseinandergewirbelt, dass Anders Eriksson frei am langen Pfosten vor dem leeren Tor stand. Aber unser Käpt’n verfehlte die Scheibe. Wenig später schickten die Spielleiter Nikolas Linsenmaier auf die Strafbank. „Bitte ein Schiedsrichter zum Kampfgericht!“, forderte der Stadionsprecher – und deutete Richtung büßenden Goldhelm. Der hatte offenbar seine gute Kinderstube, sofern er überhaupt eine hatte, komplett vergessen. Jedenfalls soll der Freiburger Sturmführer – vornehm formuliert – dem Strafbankbetreuer die auch im Jahr 28 nach der Wende deutlichen Gehaltsunterschiede zwischen einem von da und einem von hier erklärt und Kloppe mit dem Arbeitsgerät angedroht haben. Das Kuriose: Linsenmaier wurde erst 1993 geboren und dürfte damit von der Zeit vor der und um die Wende nicht so viel eigenes Erleben erinnern können… Auf dem Eis passierte weiter wenig, wie die nur 16:15 Torschüsse im gesamten Match belegen. Freiburg war etwas gefährlicher, aber die Hausherren hatten Olafr Schmidt. Der bewahrte auch gegen Ryon Moser und Jannik Herm sowie nur Sekunden später gegen Radek Havel den Überblick (51.). In Minute 52 wurde Josef Mikyska für zwei Minuten eliminiert. Die Suche unserer Jungs mit einer Passstafette nach der anderen, um in die perfekte Schusssituation zu kommen, unterbrach Chris Owens. Der nämlich zimmerte die Scheibe einmal mehr vorbei an Freund und Feind in Hertels Heiligtum. Mit nun zwei Toren Vorsprung ließ es sich etwas ruhiger an – aber gar nicht lange. Dann nämlich schoss „Bösewicht“ Linsenmaier frei drüber (53.) und Alexander Brückmann an den Außenpfosten (56.). Einmal mehr schnellte der Arm des Hauptschiedsrichters nach oben. David Kuchejda bekam zwei Strafminuten wegen Stockschlags. Freiburg nahm die Auszeit und 4:30 min. vor Ende den Keeper zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis. Der Druck der Gäste war enorm. Brückmann scheiterte erneut an Schmidt (57.). Distanzschüsse pfiffen rechts und links am Füchse-Tor vorbei. Kaum komplett, sorgten die Referees für weiterhin viel Spannung. Denn nun musste Charlie Jahnke – durchaus umstritten – auf die Strafbank. Wieder verließ Jimmy Hertel sein Tor, wieder kämpften die Schwarzwälder um den Anschluss. Die Oberlausitzer verteidigten aufopferungsvoll und hatten Glück, als Linsenmaier wieder verzog (60.). Dann kam der Puck zu Jeff Hayes, der acht Sekunden vor der Schlusssirene ins verwaiste Gehäuse einschob. Der Sieg!!!

Wie man nach einem derart blöden Tor, wie dem zum 1:1, die Ruhe bewahren und dann eine solch starke Leistung abrufen kann, wie Olafr Schmidt es vermochte, kommentierte der augenzwinkernd so: „Dazu kann ich relativ wenig sagen. Denn da hilft mir mein schlechtes Erinnerungsvermögen. So etwas ist praktisch sofort wieder raus aus meinem Gedächtnis…“

Und dann war sie endlich da, die Aufforderung, die Kuscheltiere zu werfen. Binnen weniger Sekunden verwandelte sich die Spielfläche in eine bunte Plüschlandschaft. Immerhin sechs große Müllcontainer wurden mit Teddybär und Co. gefüllt. Irgendwo dazwischen lagen zudem die drei Punkte, die unsere Jungs zwar auf Platz vier verharren ließen. Aber der Vorsprung auf den Fünften, Bietigheim, beträgt inzwischen unglaubliche zehn Zähler. Freiburg, als Elfter, liegt gar 21 Punkte hinter Blau-Gelb!

Die Trainerstimmen:

Leos Sulak: „In der ersten Spielhälfte hatte Weißwasser Vorteile. Wir wussten, wie gut die Füchse läuferisch und körperlich auftreten. Das 2:1 ging da in Ordnung. In der 2. Hälfte waren wir besser. Schade, dass uns bei Fünf gegen Drei oder Sechs gegen Vier kein Treffer gelungen ist. Chancen genug waren da. Der Pfosten hat auch für die Gastgeber gerettet. Am Ende war der Torhüter der Füchse überragend und hat die Punkte festgehalten.“

Corey Neilson: „Freiburg hat gut organisiert begonnen und die Mittelzone dicht gemacht, was uns Schwierigkeiten bereitete. Das war ein 50-zu-50-Drittel. Im Mittelabschnitt waren wir besser und haben 15 Minuten dominiert, ohne ein Tor zu schießen. Da haben wir die Gäste aber etwas müde gespielt. Im dritten Drittel hat uns unser Keeper mit phantastischen Saves die Siegchance erhalten. Wir haben die drei Punkte, das ist das wichtigste.“

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