PUNKT VERSCHENKT...

Sonntag 12.01.2020・17:00 Uhr
Lausitzer Füchse - Heilbronner Falken
4:3 n.V.
1:0, 1:2,1:1 - 1:0

...ABER HOCHVERDIENT GEWONNEN

DER BERICHT

Halten wir es mit Xavier Naidoo: „Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer…“ Gemeint ist der Weg zurück in die Tabellenregionen, die den vorzeitigen Klassenerhalt bedeuten. Nimmt man allerdings die Leistungen, die unsere Füchse an diesem Wochenende darboten, dann sollte dieser Weg, mag er auch lang, steinig und schwer sein, begehbar bleiben. Mit einem wirklich starken Auftritt besiegten die Blau-Gelben heuer den Tabellenzweiten aus Heilbronn vor 2.620 Zuschauern mit 4:3 nach Verlängerung, der jede Menge Glück und einen alles überragenden Torhüter Matthias Nemec benötigte, um überhaupt in Punkte-Schlagdistanz zu bleiben. Vor allem im Auftaktdrittel machten die Neilson-Schützlinge viel zu wenig aus ihrer Überlegenheit. Spielaufbau, Defensivverhalten, Einsatzbereitschaft und Disziplin stimmten aber über die komplette Spielzeit. Zwar sind die Ostsachsen nach wie vor Elfter. Doch das Playdown-Mitkontrahenten-Feld ist wieder enger zusammengerückt.

Spielverlauf

Das Match begann de facto ohne Abtastphase. Und nach 131 Sekunden durfte der Fuchsbau erstmals jubeln. Gerade noch hatte Brad Ross die Blaue Linie im Angriffsdrittel abgesichert, da schlich sich unser Neuzugang vor das Falken-Gehäuse, bekam die von Matthias Nemec nach Kania-Schuss wegspringende Scheibe und schob ein. Wenig später rückte Mac Carruth in den Blickpunkt. Joel Keussen wurde hinter unserem Tor in einen Zweikampf mit zwei Heilbronnern verwickelt, die nötige Hilfe kam zu spät und Bryce Gervais frei vor unserem Schlussmann an das Spielgerät. Der aber kaufte dem Franko-Kanadier den Schneid ab (4.). Dann folgte der erste von diesmal vielen außergewöhnlich schönen Angriffszügen. Tomas Andres bediente Mike Hammond, der an der Schonerspitze von Nemec nicht vorbei kam (6.). Anschließend war es Andres selbst, der aus zu spitzem Winkel die Klasse des Falken-Hüters akzeptieren musste (8.). Wenn man vorne nicht trifft… Aber zunächst ging der Kelch an uns vorbei. Dylan Wruck durfte bei Unterzahl der Angereisten marschieren und knallte das Hartgummiteil an den Pfosten (11.). Danach gab es für die Unsrigen Chance auf Chance. Feodor Boiarchinov stand zu nah vor Nemec, um ihn noch zu überwinden (12.). Tomas Andres traf frei mit der Rückhand nur die Maske des Heilbronner Goalies und einen schönen Schrägschuss von Clarke Breitkreuz fischte der 29-Jährige exzellent weg (beides 14.). Nach dieser Periode nur ein Tor Vorsprung: das war zu wenig!

Der Mittelabschnitt sollte wesentlich ausgeglichener mit noch mehr Action auf nun beiden Seiten verlaufen. Zudem sorgten die Unparteiischen für ab und an etwas Erstaunen. So schlug Tim Miller nach 22 Minuten unbestraft auf die Fanghand von Mac Carruth. Marcus Götz und Clarke Breitkreuz, die die Szene hautnah besprachen, wurden dafür eliminiert. Als Jordan George frei vor Nemec auftauchte, packte der den Mega-Fanghand-Save aus (25.). Dann drückten die Gäste. Yannik Valenti forderte Mac Carruth, der Augenblicke später gegen Gervais und Davis Koch noch besser hielt (26.). Gegenüber patzten die vom Neckar. Mike Hammond hatte viel Platz und Zeit, aber Matthias Nemec etwas gegen einen weiteren Gegentreffer (28.). Dann reklamierte Tim Miller jede Menge Gesprächsbedarf. Der Falken-Stürmer war nach einem Zweikampf zu Boden gegangen und konnte sich nicht mehr beruhigen. Den Versuch, diverse Verabredungen zu treffen, stoppten die Schiris und verhängten zwei „Schweigeminuten“. In dem folgenden Powerplay kombinierten sich die Blau-Gelben hervorragend durch die Angriffszone, bis Hammond Darcy Murphy erspähte, der eiskalt und hoch vollstreckte. Die Gelegenheit zum dritten EHC-Tor hatte Robert Farmer. Seinen freistehend abgegebenen Schuss klärte Nemec per Spagat (33.). Dann wollten die Gestreiften einen Stockschlag von Keussen erkannt haben. Im Powerplay brachte Ian Brady den Puck Richtung Füchse-Tor, Stefan Della Rovere hielt die Kelle dazwischen und lenkte ein. Der Videobeweis zeigte, dass der Ex-Dresdner den Schläger nicht zu hoch gehalten hatte. Und fast wäre Weißwasser direkt wieder zu einer Zwei-Tore-Führung gekommen. Darcy Murphy stand nämlich alsbald wieder blank vor Nemec, schloss wirklich gut ab und durfte trotzdem nicht jubeln. Der HEC-Keeper war eine wahre Wand (35.). Es kam, was kommen musste: Ein wahrer Genie-Streich von Bryce Gervais brachte den Käthchenstädtern das 2:2. Sollten sich die vergebenen Möglichkeiten aus Drittel eins doch rächen?

Die letzte Periode war gerade 27 Sekunden alt, da kämpfte Clarke Breitkreuz den Puck stark zu Darcy Murphy, der ihn an Nemec vorbei in die Maschen hämmerte. Keine Frage: Diese Führung war verdient. Daniel Schwamberger hätte sie ausbauen können. Sein Tip-in-Versuch zischte ganz knapp am Tor der Falken vorbei (46.). Danach wechselten sich ungläubige Gesichter ob der einen oder anderen Entscheidung und hochkarätige Torchancen der Füchse ab. Ein Check gegen Breitkreuz vor dem Nemec-Tor blieb ohne Strafe, löste aber lockere Fäuste aus. Robert Farmer und Corey Mapes mussten auf das Sünderbänkchen – für je zwei Minuten (47.). Einen hohen Stock gegen Jordan George übersahen die Schiedsrichter (48.), was einen neuen Brandherd auslöste. Wieder gab es (nur) je zwei Minuten – diesmal gegen Tomas Andres und Bryce Gervais. Dann traf Feodor Boiarchinov nur den Außenpfosten. Nicolas Strodel scheiterte mit dem Nachschuss an Nemec (53.). Und auch Robert Farmer kam nicht an der Nummer drei im Tor der Gäste vorbei (54.). Nach einem Distanzschuss bekam Oliver Granz eine kleine Strafe (57.), derweil der Schlag von Gervais auf Carruths Fanghand offenbar dem Reglement entsprach (59.). Da hatten die Mellitzer-Schützlinge schon ihre Auszeit genommen und waren mit zusätzlichem Feldspieler auf Ausgleichsjagd. Und tatsächlich fiel das 3:3 noch. Aus dem Gewühl sprang die Scheibe zu Derek Damon, der uns 35 Sekunden vor Ultimo den Dreier klaute. So musste die Verlängerung über den Sieger entscheiden. Darcy Murphy hätte den Sack zubinden können, doch Nemec hatte etwas dagegen (61.). Und dann riss „Käpt’n Clarke“ das Ruder herum. Unsere 71 startete ein unwiderstehliches Solo und arbeitete das 4:3 ins Heilbronner Heiligtum. Es war mehr als gerecht, dass der zweite Punkt im Fuchsbau blieb. Und es reifte die Erkenntnis: Allein gut zu spielen, reicht momentan nicht. Für Zählbares müssen die Weißwasseraner sehr gut spielen!

Schlüsselszene

Das zu diesem Zeitpunkt nicht ganz unverdiente 1:2 gab den Gästen den Glauben zurück, dass in der Lausitz doch noch etwas gehen könnte. Es ging noch etwas, sodass erst der Overtime-Treffer von Breitkreuz den Sieger bestimmte.

Aufreger

In Minute 36 wurde Eric Mik von hinten in die Bande genagelt. Strafe? Fehlanzeige! Unser Defender lag auf dem Eis, aber es wurde nicht abgepfiffen. Es schien so, als schleppte sich der 19-Jährige gerade so zur Wechselbank. Der „unrunde“ Bewegungsablauf hatte zum Glück einen anderen Grund: Miks Schlittschuhkufe war gebrochen.

Zaubertor

Hochachtung, wem Hochachtung gebührt! Das 2:2 durch Bryce Gervais war ein Treffer aus der Rubrik „Extraklasse“. Der Falken-Stürmer fälschte den Puck aus der Luft mit hinter dem Körper gehaltener Kelle hoch in unser Tor ab. Wenn das nicht das DEL2-Tor des Monats Januar wird, welcher Treffer dann?

Palaver

Heilbronns Cracks hatten offenbar viel Gesprächsbedarf. Selbst weit nach Spielschluss redete Marcus Götz noch auf die Unparteiischen ein. Aber warum? „Nicht zum ersten Mal haben meine Spieler zu viel Energie beim Einwirken auf die Schiedsrichter verloren. Ich fand deren Entscheidungen fast durchweg okay. Wir werden das in den nächsten Tagen auswerten“, erklärte Trainer Mellitzer.

Glücksgefühle

„Es war mein erster Wechsel auf dem Weißwasseraner Eis, ich habe mein erstes Tor für uns geschossen – und das noch gegen meinen Ex-Club aus Heilbronn. Perfekt!“, frohlockte Brad Ross.

Der Top-Spieler: Matthias Nemec

Zumeist wird der Spieler des Spiels aus den Reihen der Siegermannschaft rekrutiert. Ausgezeichnet auf Füchse-Seite wurde der Doppeltorschütze Darcy Murphy. Überragender Akteur heuer war allerdings der Schlussmann der Gäste. Es waren nicht etwa schlechte Abschlüsse unserer Blau-Gelben, die noch im Punktverlust gipfelten. Es waren diverse Hochklasse-Paraden von Matthias Nemec, die unserer Mannschaft einen klaren Sieg verbauten.

Die Trainerstimmen

Alexander Mellitzer: „Wir haben hier nicht zwei Punkte verloren. Ich muss neidlos anerkennen, dass wir einen Punkt gewonnen haben. Zwei Drittel lang waren wir sicher nicht die bessere Mannschaft. Wir sind zwar schon gestern hier angereist, aber dann nicht richtig in Fahrt gekommen, haben jede Menge technische Fehler produziert und viele schlechte Pässe gespielt. Mit viel Glück sind wir noch zum Remis gekommen. Die Lausitzer hatten das bessere Ende dann verdient für sich.“

Corey Neilson: „Ich bin sehr froh, dass wir am Wochenende zwei wirklich gute Spiele abgeliefert haben. In Dresden waren wir auch besser. Aber da hat das Resultat noch nicht gestimmt. Heute haben wir die Defensive von Heilbronn mächtig unter Druck gesetzt. Unsere Stürmer haben durchweg viel Tempo gemacht. Beide Torhüter haben stark gehalten. Brad Ross bringt eine neue Komponente in unser Spiel. Wenn er unsere Art, zu agieren, richtig verstanden hat, wird er uns noch viel mehr helfen.“

Die Statistik

1:0 (3.) Brad Ross ( Jakub Kania, Thomas Reichel ), 2:0 (32.) Darcy Murphy ( Mike Hammond, Joel Keussen PP1), 2:1 (34.) Stefan Della Rovere ( Ian Brady, Dylan Wruck PP1), 2:2 (39.) Bryce Gervais ( Dylan Wruck, Davis Koch ), 3:2 (41.) Darcy Murphy ( Clarke Breitkreuz, Oliver Granz ), 3:3 (60.) Derek Damon ( Dylan Wruck, Ian Brady EA-EQ), 4:3 (65.) Clarke Breitkreuz ( Ondrej Pozivil, Tomas Andres )

Strafminuten: 10-16

Schiedsrichter: Apel, Mischa | Fischer, Sven | Gerth, Wayne | Müller, Jan-Christian

Zuschauer: 2.620

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