HAYES WAR HEUTE DER BESSERE RANTA

Freitag 15.02.2019・19:30 Uhr
Lausitzer Füchse - Heilbronner Falken
3:2
1:1, 0:0, 2:1

FÜCHSE RINGEN FALKEN NIEDER

DER BERICHT

Als die Stadionuhr das letzte Sekündlein heruntergezählt hatte, da glich der Fuchsbau einem Tollhaus. Monumentalen Wechselgesang und standing ovations gab es schon vor der Schlusssirene, wobei ein mäßig bis starkes Zittern der Knie nicht zu verbergen war. Nachdem der Dreier dann aber unter Dach und Fach war, da kannte der Jubel keine Grenzen. Eishockey-Weißwasser im Februar 2019 ist einfach der Wahnsinn: Da kann die Eisarena an einem Freitagabend bei einem Gastspiel der Heilbronner Falken ausverkauft vermelden. Da steht plötzlich ein 17(!)-Jähriger im Tor der Oberlausitzer und macht gleich das erste Spiel seines Lebens. Da trotzen die Blau-Gelben einem zweimaligen Rückstand, zelebrieren einen Treffer vom Reißbrett, erweisen sich in einem Abnutzungskampf mit Playoff-Flair als das Team mit dem längeren Atem und überstehen schlussendlich auch noch 93 Sekunden praktisch doppelter Unterzahl. Wer von den 2.979 Besuchern gelangweilt den Heimweg angetreten haben sollte, der müsste schleunigst den Arzt wechseln. Denn auch dank unserer Gäste war das Duell des Dritten gegen den Achten beste Werbung für DEL2-Eishockey.

Die Botschaft davon, dass Tobias Ancicka kurzfristig für unsere Füchse lizenziert worden war, dürfte die EHC-Anhänger spätestens auf dem Weg in die Eishalle erreicht haben. Dass der Youngster dann aber auch noch in der starting-six auftauchte, das kam fast schon einer kleinen Sensation gleich. Nach der Partie war einmal mehr klar, dass unser Trainer Corey Neilson bei seinen Entscheidungen ein ganz feines Näschen haben muss. Denn der DNL-Schlussmann der Eisbären Berlin avancierte gleich zum Matchwinner und stand seinem stark haltenden Gegenüber Mirko Pantkowski in nichts nach. Dabei bot das Spiel dem jungen Mann gar keine Gelegenheit, langsam auf Touren zu kommen. Bereits nach 19 Sekunden wurde Feodor Boiarchinov wegen Stockschlags auf die Strafbank geschickt. Und die Falken, die fünf ihrer letzten sechs Tore im Powerplay erzielten, machten da weiter, wo sie beim 3:4 nach Penaltyschießen gegen Ravensburg aufgehört hatten – mit einem Überzahltor. Brock Maschmeyer traf das Spielgerät minutiös und kanonierte es hoch ins lange Kreuzeck. Nach 125 Sekunden musste der chancenlose Tobias Ancicka erstmals hinter sich greifen. Nach fünf Minuten hatten die Gastgeber ihre erste große Möglichkeit. Doch Jeff Hayes und Steve Saviano brachten den Puck nicht an Mirko Pantkowski vorbei. Die Partie – verbissen und in hohem Tempo geführt – wogte auf und ab. Roope Ranta scheiterte schräg frei an Ancicka (7.), einen verdeckten Schuss von Oliver Granz parierte der Falken-Hüter großartig (9.), ehe wieder unser Goalie Heilbronns Marcus Götz stoppte, der, gar nicht gentlemanlike, nachschlug (14.). In Minute 16 folgten die nächsten Highlights. Erst fuhr Jeff Hayes zu nahe an Torwart Pantkowski heran. Dann schob Derek Damon den Puck im Fallen in unser Tor. Zum Glück hatte der Hauptschiedsrichter ein wenig zu früh kräftig ausgeatmet, sodass sein Pfiff die Partie unterbrochen hatte, ehe der kleine Schwarze über die Linie gerutscht war. Puuhhh… Und als die erste Pause nur noch 45 Sekunden entfernt war, da sorgten unsere Jungs noch einmal für Ballyhoo vor dem Gehäuse der Unterländer. Deren Schlussmann bekam die Scheibe nicht unter Kontrolle und das allgemeine Gestochere endete mit Puck im Netz. Die Referees bemühten lange, sehr lange den Videobeweis, zeigten dann aber auf den Anstoßpunkt. Ein Tor durch Jeff Hayes, doppelter Jubel, Ausgleich!

Den besseren Start in die zweite Periode erwischten unsere Gäste. Erst nahm Tobias Ancicka einen Justin-Kirsch-Schuss nach Puckverlust von Cederic Schiemenz weg (25.), ehe er dem direkt vor ihm einschussbereit stehenden Greg Gibson das Spielgerät von der Kelle schob (26.). Den checkte wenig später Vincent Hessler recht hart um, nach Meinung der Zebras aber auch fair. Es folgte das erste und einzige Überzahlspiel der Ostsachsen, das einmal mehr gefällig aussah, aber ertraglos blieb, weil Jordan George aus zentraler Position genau auf den Brustpanzer von Pantkowski zielte und Marius Schmidt um Zentimeter am linken Pfosten vorbeilenkte (beide 28.). Weißwasser hatte jetzt scheinbar die Spielkontrolle, aber die Gäste blieben stets gefährlich. Einen Konter von Derek Damon verteidigte Oliver Granz großartig (29.). Alex Lambacher verzog kurz darauf freistehend nur knapp (32.). Auf der anderen Seite behielt Mirko Pantkowski erst die Oberhand gegen den schräg frei vor ihm auftauchenden Jeff Hayes (33.), dann auch gegen Jordan George, der sich am langen Pfosten mit der Rückhand versuchte (34.). Das Match bot nun Kurzweil pur. Denn auch Tobias Ancicka rückte wieder in den Mittelpunkt. Erst hielt er einen Schrägschuss des Freien Justin Kirsch prima (35.), dann rettete er in spektakulärer Manier gegen Ranta, Ross und – nein, nicht Reiter, sondern – Gibson (36). Eine Minute vor der zweiten Sirene hatten die Heimischen die Generalprobe für das spätere 3:2 anberaumt. Nach tollem Drei-Stationen-Spielzug über George und Eriksson war Mychal Monteith frei, knallte den Hartgummi aber über das Falken-Tor. Es schien und war am Ende auch so, dass es diesmal kein Torefestival werden sollte. Dafür sorgten je zwei gute Abwehrverbände und reaktionsstarke Goalkeeper.

Nach den letzten Eindrücken aus dem Mittelabschnitt hätte die Marschroute lauten können, zunächst weiter hinten sicher zu stehen und die doch etwas müder werdenden Gäste plattzulaufen. Doch alles kam anders. Nachdem David Kuchejda aus bester Schussposition an Mirko Pantkowski gescheitert war (42.), packte Brock Maschmeyer zum zweiten Mal den Hammer aus. Diesmal traf der 26-Jährige genau in die kleine Lücke zwischen Torgestänge, Schulter und Torwartmaske im kurzen Eck (44.). Die zweite Führung der Käthchenstädter währte zum Glück nur 86 Sekunden. Dann stiefelte Jeff Hayes in die Angriffszone, legte quer auf Steve Saviano, der seinerseits den langen Pass auf Fabian Dietz spielte. Und unsere 87 schloss eiskalt ab – eine Traumkombination! Die crunch time war eingeläutet. Und die Spannung stieg minütlich. So kaufte Tobias Ancicka dem nach einem zwei-gegen-eins Konter frei vor ihm auftauchenden Derek Damon mit Spagat den Schneid ab (48.). Gegenüber umkurvte Jordan George auch den Falken-Torwart und legte auf Anders Eriksson ab, dessen Schuss Marcus Götz von der Linie kratzte (50.). Eben jener Götz verzog nach 53 Minuten hauchdünn. Dann nahte die Entscheidung. Jimmy Sharrow verlor den Puck in der neutralen Zone an Jordan George, der im eins gegen eins auf Mirko Pantkowski zulief und durch das fünfte Loch staubtrocken einnetzte. Nun war die Party vollends im Gange, das Spiel aber noch längst nicht vorbei. Auch Greg Gibson musste die Beweglichkeit von Tobi Ancicka anerkennen, als er völlig frei vor ihm scheiterte (57.). Für zusätzlichen Nervenkitzel sorgte sodann Oliver Granz, der reichlich eineinhalb Minuten vor Schluss noch eine kleine Strafe bekam. Auszeit Heilbronn, Torhüter vom Eis – aber doch nicht Vorteil Heilbronn. Denn Torhüter Ancicka hechtete in Fußball-Schlussmannmanier einen Versuch von Roope Ranta weg und hatte unten alles dicht, als es Justin Kirsch und Greg Gibson im Slot versuchten. Derweil schoben Thomas Reichel und Anders Eriksson den Puck am leeren Gäste-Tor vorbei, was folgenlos blieb.

Mit einem Tor und zwei Assists war Jeff Hayes heute deutlich erfolgreicher als Roope Ranta, der einmal vorlegte. Sicher war der Sieg der Füchse auch etwas glücklich, ungeachtet dessen dennoch verdient. Tobias Ancicka fing alle Zweifel weg und wurde mit einem Fäßchen Freiberger als Spieler des Abends ausgezeichnet. Dabei soll es ein Gerücht sein, dass das Jugendamt inzwischen ein Bußgeldverfahren gegen den EHC eingeleitet hat wegen der Abgabe von Alkohol an Jugendliche…

Trainerstimmen

Alexander Mellitzer: „Ich kann meiner Mannschaft kaum einen Vorwurf machen. Die Jungs haben gekämpft wie die Löwen. Wir wussten, was uns erwartet. Denn Weißwasser ist eben ein läuferisch starkes Team. Das 1:1 kurz vor der ersten Pause hat uns etwas aus dem Tritt gebracht. Im zweiten Drittel haben die Füchse dann viel Druck gemacht, aber wir haben kompakt gestanden und gut verteidigt. Das 2:1 für uns war wichtig und gab uns einen Zusatzschub. Umso bitterer ist es, noch zwei Gegentreffer kassiert zu haben, wobei dem dritten Tor ein krasser, individueller Fehler vorausging. So fahren wir zwar ohne Punkte nach Hause, aber mit vielen guten Eindrücken.“

Corey Neilson: „Ich bin sehr froh über die drei Punkte. Anfangs sah das bei uns aus wie im Trainingscamp. Das erste Drittel war schlecht. Es schien, als müssten wir hinten und vorne erst ein System finden. Deshalb war ich in der ersten Pause auch richtig wütend. Ab dem Mittelabschnitt lief es dann sehr, sehr gut. Tobi hat richtig stark gehalten. Ich wollte, dass er sich zeigen kann. Durch die Tore haben wir dann das Momentum auf unsere Seite gebracht. Dass wir es uns leisten können, einen so jungen Spieler zu testen, das haben wir uns mit der super Saison bisher erarbeitet. Wir sind sicher unter den Top-sechs, müssen nicht um jeden Punkt zittern.“

Media-Center

HIGHLIGHTS / PK HIGHLIGHTS DEL2


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