NUR NOCH ZWÖLFTER!

Sonntag 23.02.2020・18:30 Uhr
Heilbronner Falken - Lausitzer Füchse
4:3
0:0, 2:3, 2:0

AUSWÄRTSMISERE RÜCKT DIE FÜCHSE AN DEN ABGRUND

DER BERICHT

Da hilft dann nicht einmal mehr Galgenhumor… Halten wir es zunächst mit ein paar Zahlen: Die letzten sechs Matches der Füchse auf fremdem Eis gingen samt und sonders verloren. Oder auch nicht ganz unbeeindruckend: Nur drei der letzten 18 Partien (!) in der Fremde konnten gewonnen werden. Sind das die Zahlen eines Playoff-Teams? Unser Förderlizenzspieler Sebastian Streu war heute übrigens nicht am Start. Damit steht er bei nun 17 Matches für die Oberlausitzer. Eine Spielberechtigung in den Playdowns (oder Playoffs) erwirbt man sich mit 20 Einsätzen. Noch zwei Hauptrundenspiele stehen an. Noch sechs Punkte sind zu vergeben. Jetzt wieder vier Zähler Rückstand haben die Weißwasseraner auf das rettende Ufer „Platz zehn“. Sogar Bayreuth ist mit dem Auswärtssieg heute in Landshut inzwischen an den Blau-Gelben vorbeigezogen. Die hatten es in Heilbronn in der Hand, mit einem eigenen Erfolg die Hoffnungen auf ein versöhnliches Hauptrundenende am angenehmen Leben zu halten. Aber ab etwa 20.50 Uhr ging schief, was schief gehen konnte! Denn während die Falken mit dem Mute der Verzweifelung das Spiel noch holten, fuhren die Unsrigen nicht nur erneut geschlagen nach Hause. Dresden machte in Ravensburg aus einem 0:4 nach dem ersten Drittel noch ein 5:4 und ließ so unsere Hoffnungen auf die Pre-Playoffs auf ein Minimum schwinden. Ja, Wunder gibt es immer wieder! Ein solches ereignete sich auch 2007 und sollte spätestens ab sofort allenthalben wieder präsent sein. Denn damals hielt sich eine Mannschaft auch bis zum Hauptrundenende für ein Playoff-Team und für „unabsteigbar“. Was kam, weiß im Oberlausitzer Puckmekka jeder…

Spielverlauf

Die erste Möglichkeit im Spiel hatten die Gäste durch Kapitän Clarke Breitkreuz, aber sein Schuss ging am Gehäuse vorbei. Im Gegenzug gleich die Falken, die aber an Mac Carruth und der eigenen Ungenauigkeit scheiterten. In der dritten Minute erkämpfte sich Keussen die Scheibe im Angriffsdrittel, passte in den Slot, wo aber Rentsch die Scheibe nicht traf und der auf der linken Seite heranstürmende Hammond das durchrutschende Hartgummi am Tor vorbei semmelte. Immer wieder war es in der Anfangsphase Kevin Maginot, der mit guten Aktionen seine Falken nach vorn trieb. So zwang er Mac Carruth in Minute vier zu einem Ausflug, der aber "ohne Folgen" blieb. Dann bekam Kale Kerbashian in der Mittelzone die Scheibe und setzte die kleine Schwarze mit der Rückhand an die Querlatte (5.). Zunächst entschied der Hauptschiedsrichter auf Tor. Die endgültige Entscheidung, ob oder ob kein Tor, fiel aber erst nach dem Videobeweis. Und da die Scheibe nicht hinter der Torlinie war, blieb es weiterhin torlos. Die Füchse waren jetzt gut unterwegs mit ordentlich Druck auf das Heilbronner Tor. Ein Keussen-Schuss in der achten Minute konnte Pantkowski nur prallen lassen. Aber Breitkreuz im Slot kam nicht schnell genug zur Scheibe. In der 10. Minute dann der Stock von Davis Koch im Gesicht von Joel Keussen. Doch das Foul wurde - warum auch immer - nicht geahndet, und unser Verteidiger musste erst einmal vom Eis, konnte dann aber glücklicherweise weiter spielen. Nach 12 Minuten musste unser Goalie nach einem Blueliner von Bronson Maschmeyer, der noch abgefälscht war, schnell den Schoner ausfahren, um die Null zu halten. Eine Minute später war es Derek Damon, der etwas zu dicht vor unserem Tor die Scheibe am langen Eck vorbeilegte, wo zwar Derek Damon stand, aber sein Abschluss nur im Aussennetz unseres Tores landete. Gleich darauf zog Tomas Andres die erste Strafe wegen Behinderung. Jetzt gab es die erste Chance für das beste Überzahlspiel der Liga. Und Heilbronn setzte sich auch gleich im Drittel der Füchse fest. So war es Ian Brady, der Carruth prüfte. Aber die Unterzahl überstanden die Füchse souverän und ohne Gegentreffer. Dann starteten auch die Unsrigen wieder einen verheißungsvollen Angriff über Murphy, der Kerbashian bediente, aber dessen Schuss aus fünf Metern kam zu zentral auf den Falken-Hüter. Anschließend musste Darcy Murphy wegen eines fragwürdigen Beinstellens auf die Strafbank und die Falken durften zum zweiten Powerplay antreten. Aber die Füchse waren hellwach in dieser Unterzahl. Im Gegenteil, mit einem Konter über Feo Boiarchinov und Daniel Schwamberger sorgten sie für Torgefahr. Aber auch die Falken drückten. Dylan Wruck prüfte Mac Carruth - erfolglos. Es folgte die erste Strafe für die Falken gegen Stefan Della Rovere wegen übertriebener Härte. So ging es noch 35 Sekunden 4 gegen 4 und dann mit 1:20 min. Powerplay für die Füchse weiter. Und die spielten das sehr gut, wobei Darcy Murphy nach schöner Kombination aber seinen Meister in Pantkowski fand. Da auch die Unsrigen nichts aus der numerischen Überlegenheit bis zur ersten Drittelsirene machen konnten, blieb es beim 0:0 zur ersten Pause.

Die ersten Körperkontakte gab es schon vor Beginn des Mittelabschnitts. Insbesondere Stefan Della Rovere und Clarke Breitkreuz waren gleich auf „vorbetrieblichen“ Temperaturen. Den ersten Treffer des Tages landeten die Falken – unter gütiger Mithilfe des Oberschenkels von Pierre Preto. Der war im Rücken von Mike Hammond entwischt und bekam die Hereingabe von Tim Miller an das Unterteil der Hose. Dann folgten viele, viele Strafen – und gutes Überzahlspiel der Füchse! Denn oft wussten sich die Gastgeber nur etwas unsauber der anrennenden Blau-Gelben zu erwehren. Und tatsächlich ahndeten die Referees derartige Vergehen nun auch.Jedenfalls saß Bryce Gervais zwei Minuten wegen Spielverzögerung ab, als Kale Kerbashian zunächst Corey Mapes abschoss. Danach lief die Scheibe über George zu Mike Hammond, der das Powerplay von der Blauen Linie dirigierte und einfach mal abzog. Drin das Teil – Ausgleich! Und es kam noch besser. Marcus Götz, der heute im Mittelabschnitt zweimal eliminiert wurde, hatte Darcy Murphys Schläger regelwidrig gehalten. Der Puck lief toll, Kerbashian nahm den Onetimer und Murphy im Slot gab den Abstauber. Führung! Spiel gedreht! Momentum bei den Unsrigen! Denkste… Anstatt es hinten weiter eng und konsequent zu halten, ließ man den Heilbronnern den Platz zum schnellen 2:2. Bronson Maschmeyer war am langen Pfosten vergessen worden und sagte artig danke – ganze 25 Sekunden nach dem 2:1. Wie dusselig… Beim folgenden EHC-Powerplay traf George mit Direktschuss nur den Außenpfosten, ehe Derek Damon raus musste und einmal mehr Kale Kerbashian unwiderstehlich antrat, zwar an Pantkowski scheiterte. Doch der Abstauber war erneut zur Stelle und „murphyte“ uns zum 3:2. Und noch vor dem zweiten Pausentee ließen Hammond und George (beide 40.) zwei dicke Dinger für eine klarere Führung aus.

„Wir wollen euch kämpfen sehen!“ So hatte der selten stimmgewaltige und bestimmt stattliche 1.500der1.660 Besucher umfassende Anhang der Falken die Heimischen in die Kabine geschickt. Und beim Stand von 2:3 natürlich völlig überraschend wollten die Käthchenstädter den Ausgleich. Unsere Jungs dagegen waren plötzlich ziemlich passiv. Nach einem schlechten Wechsel hatte Dylan Wruck so schräg freie Schussbahn (43.). Der Top-Scorer fand aber ebenso wie kurz darauf Alex Nikiforuk (44.) in Mac Carruth seinen Meister. Unser Hüter stand nun viel öfter im Blickpunkt, als den Angereisten lieb sein konnte. Nach Strafe an Keussen fischte der Amerikaner einen Wruck-Onetimer super weg (47.) und hatte dann bei einem Gestocher im Slot Glück, dass das Spielgerät nicht richtig scharf wurde. Es schloss sich die Phase an, da unser Team die Vorentscheidung hätte erzwingen können. Erst kam Hammond frei aus fünf Metern nicht an Pantkowski vorbei (50.). Und auch Jordan George scheiterte mit einem Alleingang (52.) am Hüter des Falken-Horstes. Julius Karrers hoher Stock war dann nicht zu übersehen. Und nun nahm das Schicksal gegen die Füchse seinen Lauf. Zwar ging ein Blueliner am Carruth-Tor vorbei. Doch der Puck sprang genau auf den Schläger von Della Rovere, der am kurzen Pfosten ohne Mühe einschlenzen konnte. Dahin war er, der schöne Vorsprung. Und zweieinhalb Minuten später wurde es ganz finster. Ohne dass blau-gelbe Scheibenkontrolle bestanden hätte, liefen die Stürmer des ersten Blocks nach vorn. Das Spielgerät verließ unsere Verteidigungszone aber nicht. Ein Pass in die Tiefe reichte für Chaos vor dem Tor. Und Derek Damon reagierte am schnellsten und schoss hoch ein. Erst drei Punkte weg, nun auch noch der eine letzte… Der Umstand, dass dann wütend die Schläger flogen, ist ja fast noch als „gutes Zeichen“ zu sehen. Die „schlechten Zeichen“ gab es dann beim Versuch, ohne Torwart noch das 4:4 zu erzwingen. Wie schon immer wieder wurde gespielt, und gepasst, und gespielt und gepasst… Ein Foul an Joel Keussen blieb sechs Sekunden vor Schluss ungeahndet. Und dann war das Ding aus – es aber noch nicht endgültig vorbei. Denn noch bevor man das Frustbier aus dem Kühlschrank holen konnte, schoss Dresden in Ravensburg das 5:4 und unsere Mannschaft damit ganz, ganz nahe an das „Tal der Tränen“.

Schlüsselszene

Hätte, hätte… usw. Aber Jordan George musste in Minute 52 seinen Alleingang besser nutzen. Dann wäre der Deckel drauf gewesen. So blieb Heilbronn in Schlag(ende-Distanz.

Sträfliches?

Schiri-Schelte nach einer Niederlage entwickelt immer einen faden Beigeschmack. Aber was ist denn bitte beim Eishockey noch erlaubt und regelkonform und was strafenwürdig? Drei Beispiele aus dem ersten Drittel: Da wird Joel Keussen mit dem Schläger von hinten ins Gesicht gehakt – und es geht weiter (12.). Kurz darauf lehnt sich Tomas Andres, weil er den Schläger verloren hat, mal so an Derek Damon. Das mag ja im Basketball verboten sein. Aber waren wir nicht beim Pucksport? Zwei Minuten wegen Behinderung gab es! Und noch verrückter: In Minute 17 lief Bryce Gervais in Darcy Murphy hinein und stürzt. Unglaublich: Unsere 15 musste raus… Um der Wahrheit zu genügen: Im zweiten Drittel durften sich die Falken über einzelne Herausstellungen zumindest wundern.

Feigling

Wenn ein Torhüter dereinst eine „seichte Scheibe“ nicht gleich weiterspielte, wurde er als „Feigling“ tituliert. Unser Keeper mutierte in Minute 37 zum „Feigling“ – mit Bedacht! Vermutlich aus der Erfahrung nach dem 25-Sekunden-2:2 stoppte Mac Carruth so das nach dem 3:2 gleich wieder drohende Durcheinander.

Aufstellung

Statt des am Freitag „erfolgreichen“ Robert Farmer rückte Mike Hammond heuer zurück ins Line-up. Unser Top-Scorer lief im dritten Sturm mit Julius Karrer und Luis Rentsch auf – zudem natürlich im Powerplay. Dort traf die 90 zum zwischenzeitlichen 1:1, ging aber mit einer Plus-/Minus-Bilanz von minus eins aus dem Match.

Starker Support

Wäre es nach den stimmgewaltigen Fans gegangen, hätten die Ostsachsen siegen müssen. Der Dauersupport war unüberhörbar und trug das Team lange, lange Zeit.

Der Top-Spieler: Derek Damon

Der Falken-Kapitän war ständiger Antreiber, gab das „Mentalitätsmonster“ und schoss den Gamewinner.

Die Trainerstimmen

Alexander Mellitzer: „Es war ein hartes Stück Arbeit für uns und ich bin richtig stolz auf die Mannschaft. Es war ein sehr gutes Eishockeyspiel mit viel Kampf und geblockten Schüssen auf beiden Seiten. Die Jungs hatten heute den Charakter, um den Sieg noch zu holen. Es ist mein Job, stets die besten Spieler auf’s Eis zu schicken. Und da ist für die Akteure nicht jeder Tag gleich. Deshalb hatte ich mich im letzten Drittel entschieden, Marcus Götz draußen zu lassen.“

Corey Neilson: „Es war ein gutes Spiel von beiden Seiten, wobei wir es in Überzahl richtig stark gemacht haben. Uns haben ein paar Spieler gefehlt. Nach dem kraftraubenden Match am Freitag wirkte das Team am Ende etwas müde. Dennoch hatten wir auch im dritten Drittel genügend Chancen, uns den Sieg zu holen. Ich möchte jetzt nicht generell die Referees kritisieren. Aber ein paar Entscheidungen waren schon merkwürdig. So hätte es nach dem Foul an Joel Keussen auch eine Spieldauerdisziplinarstrafe geben können.“

Die Statistik

1:0 (22.) Pierre Preto ( Tim Miller , Yannik Valenti ), 1:1 (30.) Mike Hammond ( Jordan George , Kale Kerbashian PP 1 ), 1:2 (33.) Darcy Murphy ( Clarke Breitkreuz , Kale Kerbashian PP 1), 2:2 (33.) Bronson Maschmeyer ( Davis Koch , Dylan Wruck ), 2:3 (37.) Darcy Murphy ( Kale Kerbashian , Joel Keussen PP 1), 3:3 (55.) Stefan Della Rovere ( Ian Brady , Yannik Valenti PP 1), 4:3 (57.) Derek Damon ( Stefan Della Rovere , Ian Brady )

Strafminuten: 14 - 12

Zuschauer: 1660

Schiedsrichter: Tony Engelmann, Sascha Westrich

Foto: PMFDesign/DEL2

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