FÜCHSE BESIEGEN SICH SELBST

Freitag 17.01.2020・19:30 Uhr
EHC Freiburg - Lausitzer Füchse
3:2
0:0, 0:1. 3:1

ABSTAND ZU RANG ZEHN WÄCHST WIEDER AUF FÜNF PUNKTE

DER BERICHT

Unser Trainer Corey Neilson hat ja jetzt nicht die Masse Haare auf dem Kopf. Mithin besteht für ihn auch nicht die Möglichkeit, sich diese zu raufen. Dann war die 2:3-Niederlage in Freiburg eben zum Mäusemelken… Hoffentlich sind die „alten Leiden“ nicht wieder zurück. Denn komplett ohne Not machte sich unsere Mannschaft einen sehr lange Zeit richtig guten und couragierten Auswärtsauftritt doch noch kaputt. Das bittere an diesem Abend war, dass neben den verschenkten Punkten die Konkurrenz im Ringen um Platz zehn samt und sonders Zählbares holte. Bietigheim siegte gleich 7:0 gegen Bad Nauheim. Kaufbeuren schlug Ravensburg 3:2. Und derweil man geneigt ist, immer noch nur nach oben zu rechnen, sollte man auch noch in den Rückspiegel blicken. Denn nach dem 4:3 nach Verlängerung gegen Dresden hat sich Landshut bis auf einen Zähler an unsere Oberlausitzer herangearbeitet. Ja, der Druck wächst. Allerdings ist Mitleid nicht geboten: Selber schuld!

Spielverlauf

Nach 22 Sekunden riss der Jubilar Chris Billich (500. Spiel für Freiburg) Oliver Granz um und musste für zwei Minuten zuschauen. Das Powerplay der Füchse lief gut, die auch drei vielversprechende Abschlüsse schafften. Bei der besten Gelegenheit stand Jordan George aber zu nah vor Ben Meisner (2.). Den Heimischen wurden bis zur sechsten Minute nur drei „Schüsschen“ gestattet, die sich als gute Erwärmung für Marvin Cüpper erwiesen. Denn fortan war unser Hüter stark beschäftigt. So stoppte der 25-Jährige einen Versuch von Scott Allen frei aus vier Metern, als diesem das Spielgerät vor die Kelle fiel (6.). Eine Kracher von Nikolas Linsenmaier aus drei Metern hielt Cüpper mit dem rechten Schoner (7.) und einen hochgefährlichen Drehschuss von Luke Pither kratzte er auch noch weg (8.). Zwischenzeitlich hätte Darcy Murphy ein Solo laufen können, stolperte aber bei der Scheibenannahme und bekam so nicht genügend Druck auf den Schläger (7.).Die erste Strafe, ausgesprochen gegen Brad Ross, überstanden die Blau-Gelben wirklich souverän, allerdings entwickelte sich nun ein Match mit offenem Visier, bei dem die Unsrigen in der eigenen Zone nicht nur viel, sondern zu viel riskierten.Das führte zu den schon häufiger beklagten Scheibenverlusten und viel Verkehr vor Marvin Cüpper. War aus WSW-EHC-Sicht nur noch ein verdeckter Murphy-Schuss erwähnenswert,dem Ben Meisner den Einschlag verwehrte (14.), so hatte der Wölfe-EHC zwei echte Riesen: Bei zwei gegen eins bediente Linsenmaier Tobias Kunz, der den Direktschuss nahm (14.). Und Top-Scorer Cam Spiro durfte sich völlig vergessen aus zweieinhalb Metern im Slot die Ecke aussuchen – aber Marvin Cüpper war jeweils der stärkere.So ging es – durchaus gerecht – ausgeglichen und torlos in die erste Pause.

Mit dem Start in den Mittelabschnitt ging es plötzlich ganz schnell. Erst ließ man Clarke Breitkreuz ziehen, der sich vor Meisner mogelte, aber am Wölfe-Schlussmann nicht vorbei kam. Und den nächsten richtig schönen Angriff über Brad Ross und Jordan George schloss Mike Hammond mit Schuss ins lange Eck überlegt ab. Füchse-Führung nach nur 39 Sekunden! Dieses Tor traf die Gastgeber mächtig ins Mark. Unsere Jungs dominierten das Spiel nach Belieben. Tomas Reichel im Slot und Mychal Monteith mit dem Nachschuss (23.), Darcy Murphy bei drei gegen zwei nach feinem Keussen-Pass (26.), wieder Murphy schräg frei (28.) und dann gleich nochmals mit Abstauber von Feodor Boiarchinov (30.) – die zweite oder dritte Bude hätte längst fallen müssen. So beendeten zwei Strafen in kurzem Abstand gegen Luke Pither und dann Joel Keussen die drückende Lausitzer Überlegenheit. Freiburg kämpfte sich zurück und hatte während der Keussen-Strafe einen vehementen Spiro-Schrägschuss vom linken Bullypunkt. Marvin Cüpper suchte den Puck verzweifelt, hatte ihn aber doch gehalten (33.). Bei einem Tip-in-Versuch von Hammond reagierte auch Ben Meisner grandios (35.), ehe es wieder Strafen gab. Brad Ross musste umstritten wegen Bandenchecks raus. Und nur fünf Sekunden später erbettelte sich Luke Nogard mit einem blöden Stockcheck auch noch eine Herausstellung. So durften die Breisgauer 1:55 min. mit zwei Mann mehr angreifen. Dass da nicht alles zu verteidigen war, ist logisch. Aber wenn etwas durch kam, dann war Marvin Cüpper da. Der ließ erst Nick Pageau zweimal staunen (36.), dann Linsenmaier, der es von ganz nah und sogleich aus der Ferne probierte (37.). Direkt von der Strafbank kommend hatte Nogard einen Abschluss. Doch Thomas Reichel semmelte den Rebound knapp vorbei (37.). Kurz vor der zweiten Sirene bekam Hammond vor unserem Tor noch eine durchgereicht. Das aber blieb ungeahndet. Mit dem knappsten aller Vorsprünge ging es in die zweite Pause.

Die erste Gelegenheit in der letzten Periode hatte Mike Hammond, der nach Scheibengewinn von Ross mit schönem Handgelenksschuss knapp über die Torlatte zielte (42.). Auf der Gegenseite scheiterte Luke Pither mit einem „Altdeutschen“ an Marvin Cüpper (45.). Augenblicke später musste Patrick Kurz nach einem Stockschlag, den auch nicht jeder sah, für zwei Minuten auf die Strafbank. Das hätte die Chance für Weißwasser sein können. Aber es brannte vor Cüpper! Der stoppte Pither und sah, wie Scott Allen – bestens freigespielt – verzog (beide 45.). Als Robert Farmer einen Distanzschuss am Tor vorbei setzte, die Scheibe über die Rundung zu Allen sprang, der ein Solo starten durfte, schien der Ausgleich fällig. Doch die Wölfe-Nr. 90 knallte wieder drüber (46.). Einzige bessere Gelegenheit der Unsrigen war ein Granz-Schuss, der knapp unten rechts vorbeizischte (47.). Knappe zwei Zeigerumdrehungen später passierte dann das, was nie passieren durfte. Ein langer Pass von Allen erreichte Chris Billich, der Platz hatte und zum Tor stiefelte, kurz vor Cüpper quer spielte und so Luke Pither eine ganz leichte Aufgabe stellte. Doch auch daraus zog unsere Mannschaft nicht die richtigen Schlüsse. Bei angezeigter Strafe wurde Nick Pageau vergessen, der eine Pither-Vorlage mit trockenem Fernschuss veredelte. Die über weite Strecken bessere Mannschaft lag nach 53 Minuten hinten. Aber sie rappelte sich. Julius Karrer erspähte Tomas Andres, schoss nicht sondern schlenzte zum Deutsch-Tschechen und der tippte ins Netz. Remis – noch fünf Minuten. Schon beim nächsten Angriff der Freiburger stimmte die Zuordnung wieder nicht. Luke Pither sah Peter Spornberger, der garantiert nicht unter die Kategorie „Scharfschützen“ fällt, aber tatsächlich das Siegtor machte. Denn auch die Herausnahme von Marvin Cüpper für den sechsten Feldspieler reichlich 80 Sekunden vor dem Ende brachte nichts mehr. Was für eine dusselige, völlig vermeidbare Niederlage…

Schlüsselszene

Klingt blöd, war aber so: Die Strafe gegen Freiburg nach 45 Minuten brachte irgendwie einen Bruch ins Spiel unserer Mannschaft. Nicht nur während der 120 Sekunden agierte unser Team viel zu sorglos und zu offen. Auch danach stimmte im Defensivverbund kaum noch etwas und die Gastgeber drehten das Match.

„Gretchenfrage“

Warum spielt man bei eigener Führung ohne Geduld und viel zu riskant?

Starkes Comeback

Marvin Cüpper hat die Partie in Freiburg unbeschadet überstanden. Der Schlussmann bot eine rundum überzeugende Leistung und war der beste Fuchs in einer sehr lange guten Mannschaft.

Laut gedacht

Nein, es waren nicht die Unparteiischen, die den Spielausgang entschieden. Angesichts der Strafenverteilung und vor allem der „Anlässe“, die zuletzt immer wieder und auch diesmal zu Ausschlüssen führten, äußerte unser Trainer durchaus nachvollziehbar. „Wir sind offenbar die am meisten und stärksten bestrafte Mannschaft der Liga – warum auch immer das so ist…“

Der Top-Spieler: Luke Pither

Mit einem Tor und zwei Vorlagen holte sich der Kanadier nicht nur den Top-Scorer-Helm von Cam Spiro zurück. Er war an allen drei Treffern beteiligt und auch sonst der Denker und Lenker im Spiel der Freiburger.

Die Trainerstimmen:

Peter Russell: „Weißwasser hat ein richtig gutes Spiel gemacht. Aber wir haben einen Weg gefunden, dieses Match zu gewinnen. Das macht mich stolz und sehr, sehr froh. Uns war klar, dass die Defensive die Partie entscheiden würde. Und so kam es ja auch. Aber wir mussten wirklich sehr hart arbeiten, um als Gewinner vom Eis zu gehen. Zum Glück haben wir auch in der hektischen Schlussphase keine Panik bekommen sondern die Ruhe bewahrt. Die Anweisung heute lautete, nicht schöne Tore zu schießen, sondern die Treffer sich hart zu erarbeiten. Es sollte sehr viel geschossen und viel Verkehr vor dem Füchse-Tor produziert werden. Die Mannschaft hat die Marschroute gut und erfolgreich umgesetzt.“

Corey Neilson:„Wir haben 50 Minuten ein sehr gutes Spiel abgeliefert. Danach haben sich einige Spieler sehr unprofessionell verhalten. So wurde ein möglicher Sieg, den wir nach der erfolgreich überstandenen doppelten Unterzahl schon in der Hand hatten, einfach so weggeworfen. Es sollte jeder wissen, dass man 60 Minuten gut spielen muss. Freiburg hat sich am Ende zerrissen, um den Sieg zu holen. Ich bin total frustriert, dass wir das Match so weggeschenkt haben.“

Die Statistik

0:1 (21.) Mike Hammond ( Jordan George , Brad Ross ), 1:1 (49.) Luke Pither ( Christian Billich , Scott Allen ), 2:1 (53.) Nick Pageau ( Luke Pither , Christian Billich ), 2:2 (55.) Tomas Andres ( Julius Karrer , Feodor Boiarchinov ), 3:2 (56.) Peter Spornberger ( Luke Pither , Christian Billich )

Strafminuten: 6 - 8

Schiedsrichter: Erich Singaitis, Sascha Westrich

Foto: Achim Keller/DEL2

Share:

Offizielle Premium-partner Der Lausitzer Füchse

REINERT-LOGISTICS NADEBOR LEAG FREIBERGER SPARKASSE STADTWERKE-WSW-VEOLIA ZVON LAUSITZER-RUNDSCHAU KARTON-EU WGW WBG WEE