DRESDEN VERSINKT IM ˝ABWASSER˝

Freitag 11.10.2019・19:30 Uhr
Dresdner Eislöwen - Lausitzer Füchse
4:6
1:2, 2:1, 1:3

FÜCHSE MACHEN ES BEIM 6:4 ERFOLG UNNÖTIG SPANNEND

DER BERICHT

Die Lausitzer Füchse gewinnen das erste Duell der sächsischen Erzrivalen in der Landeshauptstadt mit 6:4. Über weite Strecken machten unsere Jungs ein richtig starkes Auswärtsspiel, zu dem sie übrigens mit ihren Privat-PKWs angereist waren. Der Mannschaftsbus war nicht pünktlich am Fuchsbau eingetroffen... Der Spielaufbau der Neilson-Schützlinge wirkte gefällig. Allerdings wurde in so mancher Situation das Risiko wieder bis zur Schmerzgrenze ausgelotet, was Fehler produzierte und den Elbestädtern das Toreschießen zuweilen zu leicht machte. Aber fast immer dann, wenn der EHC die Scheibe gut laufen ließ und schnell angriff, dann ging die Ordnung bei den Eislöwen temporär verloren und unsere Jungs kamen recht einfach zu tollen Torchancen. Ansonsten fiel noch auf, dass die Gastgeber unter Trainer Rossi deutlich gesprächiger und gestenreicher agieren.

Das Spiel begann etwas verhalten. Dennoch zeigten die Lausitzer, dass sie gewillt waren, die volle Punktzahl aus der Landeshauptstadt mitzunehmen und gaben gleich vom Anfangsbully weg die Richtung vor. Nach 74 Sekunden gab es allerdings den ersten Torschuss auf das Gehäuse von Mac Carruth durch Nick Huard. Die Eislöwen machten in den Anfangsminuten zwar Druck, aber Torchancen blieben Mangelware. Erneut war es Nick Huard, der in der vierten Minute Carruth prüfte. Kurz darauf folgte die erste hochkarätige Chance für die Füchse, die Jordan George mit dem 0:1 krönte. Er selbst verfehlte noch im ersten Versuch das von Florian Proske gehütete Hausherren-Gehäuse. Der Abpraller von der Bande sprang zu Mike Hammond auf der anderen Torseite und der bediente mustergültig den wieder am langen Pfosten in Position gelaufenen Goerge. Unsere 28 hatte dann keine Mühe einzuschieben. Kurz darauf setzte es die erste Strafe für die Eislöwen (6.). Niklas Jentsch musste wegen Haken zwei Minuten zuschauen. In Überzahl lief jedoch (noch) nicht viel zusammen bei den Füchsen. Dresden machte klug die Räume zu und hinderte die Gäste schon erfolgreich beim Aufbau. Nach Ablauf der Strafe nahm die Partie dann so langsam Fahrt auf. Jetzt häuften sich die Chancen auf beiden Seiten. Vier Minuten nach dem Führungstreffer der Füchse zappelte die Scheibe dann aber im Tor von Carruth. Jordan Knackstedt nutzte einen Stockfehler von Oliver Granz vor dem Carruth-Gehäuse und schnappte sich die kleine Schwarze. Doch statt selbst zu schießen passte er auf den völlig frei im Slot stehenden Nick Huard, der bei Zwei-gegen-Null unserem Schlussmann keine Chance ließ. Und der Sekundenzähler der Stadionuhr hatte genau 27 Sekunden weitergezählt, da war die kleine Hartgummischeibe schon wieder im Tornetz. Diesmal aber musste Florian Proske erneut hinter sich greifen. Darcy Murphy veredelte einen Pass von Joel Keussen zum 1:2. Danach gab es zwar weniger Torchancen, aber mehr Action auf dem Eis und man erkannte jetzt schon eine gewisse Handschrift von Rico Rossi, die ein wenig an die Kasseler Spielweise während seiner Trainerära dort erinnerte. Das spürte neben Robert Farmer auch Daniel Schwamberger, der sich in der 19. Minute eine handfeste Auseinandersetzung mit Sebastian Zauner lieferte. Irgendwann beendeten die Schiedsrichter den Kampf und schickten beide für 2+2+10 Minuten zum Abkühlen. Mit einer 2:1-Führung der Füchse ging es dann auch zur ersten Pause.

Den Mittelabschnitt eröffnete Nick Huard mit einem Schuss direkt aus dem Bullykreis, den Mac Carruth nicht festhalten konnte. Beim Nachsetzer von Dale Mitchell war unser Hüter aber zur Stelle (22.). Es folgte eine kleine Strafe gegen Joel Keussen wegen Spielverzögerung. Die Hausherren nutzten jede Gelegenheit zum Abschluss, waren permanent gefährlich und hatten einen echten Riesen durch Thomas Pielmeier, der am Füchse-Goalie nicht vorbei kam (22.). Weißwassers erste gute Chance vergab Tomas Andres, der zu nahe an Florian Proske herangefahren war (25.). Dann musste Mario Lamoureux auf das Sünderbänkchen. Zunächst schien es, als kämen die Füchse kaum aus dem eigenen Drittel. Vielleicht aber steckte ein Plan dahinter. Denn als man die Eislöwen praktisch eingeschläfert hatte, ging es ratz-fatz nach vorn, George passte auf Hammond und der klinkte zum 3:1 ein. Die Freude währte nicht lange. Nach einem Scheibenverlust in der gegnerischen Verteidigungszone war unsere Abwehr – wie so oft – zu weit aufgerückt, Dale Mitchell konterte und traf über der Schulter von Mac Carruth hoch ins kurze Eck. Wenig später musste Ondrej Pozivil – schon umstritten – wegen hohen Stocks pausieren. Da lief Mychal Monteith ein Unterzahlbreak und schmetterte das Spielgerät an den Querbalken (30.). De facto im Gegenzug fiel das 3:3. Nach einem Pass in die Mitte war Philip Kuschel einen Tick zu spät, Nick Huard zog direkt ab und der Puck zappelte im Netz. Wieder einmal verspielten die Unsrigen einen Vorsprung ohne Not. Jetzt wackelten auch die Referees. Einen Knackstedt-Check gegen den Kopf von Monteith unterband man nicht, dafür das folgende Haken von Darcy Murphy. Wieder gerieten die Angereisten in Unterzahl und hatten Dusel, dass Mitchell nur den Pfosten traf (34.). Nach 37 Minuten gab es mal wieder eine EHC-Gelegenheit. Doch Murphy fälschte den Puck zwar ab, aber am langen Pfosten vorbei (37.). Die letzte gute Möglichkeit der zweiten 20 Minuten hatten Knackstedt und Walther, die von unserem Debütanten Sebastian Streu die Scheibe vors Tor serviert bekamen, aber in Mac Carruth ihren Meister fanden.

In die letzte Periode gingen die Weißwasseraner wieder konzentrierter und vor allem defensiv organisierter. Damit wurde den Elbflorenzern der Schneid so ziemlich abgekauft. Allerdings blieb das EHC-Powerplay nach einem Kniecheck von Lamoureux gegen George recht ungefährlich. Das 4:3 lag in der Luft, als Monteith und Thomas Reichel vor dem fast leeren Gastgeber-Tor über die Scheibe wischten (46.) und George aus sechs Metern nur Florian Proske traf (48.). Das 4:3 fiel, nachdem die Eislöwen in der 49. Minute noch eine dicke Gelegenheit durch Lamoureux und zwei Nachschützen ausließen, Tomas Andres die Scheibe in den Slot schleppte und Robert Farmer mustergültig bediente. Ruhe zog aber nicht ein. Denn nach einer erneut fragwürdigen Strafe gegen Keussen war wieder das Penaltykilling der Oberlausitzer gefragt. Nur ein ganz gefährlicher Schrägschuss von Mitchell, der um Zentimeter am langen Pfosten vorbeistrich, wurde zugelassen. Und die Hausherren wirkten auch entweder angeknockt oder etwas ermüdet. Timo Walther bekam eine Strafe, die auch nicht jeder kriegen würde. Im Powerplay knallte Mike Hammond den Puck Richtung Proske, Darcy Murphy hielt den Schläger dazwischen und der Hartgummi schlug ein. Das 5:3 – das war es doch!? Dann packte Clarke Breitkreutz einen feinen Handgelenkschuss aus. Die Scheibe zischte Richtung langes Eck, flog ins Spielfeld zurück und die Gelbgewandeten jubelten. Im Gegenzug wurde Dale Mitchell vergessen, der wieder das kurze Eck anvisierte und traf. Die Unparteiischen bemühten den Videobeweis und sahen, dass unser Käptn’s-Geschoss nur an den Pfosten ging. Damit zählte das Tor der Blau-Weißen: 5:4 – verflixte Spannung! Direkt aus dem Torbully heraus kassierte Murphy zwei Minuten wegen hohen Stocks. Die Ostsachsen verteidigten geschickt und als dann – Rico Rossi hatte gerade seine Auszeit genommen – Jakub Kania das freie Tor sah, traf er aus unserer Bandenecke über das ganze, lange Spielfeld ins empty net. Damit war der Deckel drauf auf dem Sachsen-Duell; auch, wenn Mike Hammond noch eine kleine Strafe bekam und es mit vier gegen sechs zu Ende ging.

Schlüsselszene

Das 4:3 der Weißwasseraner fiel genau zu jenem Zeitpunkt, als man das Match wieder unter Kontrolle gebracht hatte. Irgendwie traf dieses Tor ein wenig den Nerv der Hausherren, die trotzdem nie klein beigaben.

Fliegende Fäuste

Rückkehrer Sebastian Zauner und Daniel Schwamberger bekamen sich nach 19 Minuten in die Haare. Das Duell der fliegenden Fäuste endete Remis.

Aufreger

Wie viel Arbeit mit dem Stock ist eigentlich noch erlaubt??? Nimmt man die heutige Spielleitung zum Maßstab, dann scheint außer Dribbeln und Schießen kaum noch etwas zugelassen.

Jung gegen etwas älter

Wer heute genau hingeschaut hat, der konnte erkennen, dass die blau-gelben Youngster mit viel Laufbereitschaft, Tempo und Leidenschaft die Erfahrung der etwas gesetzteren Akteure in blau-weiß wettmachen konnten.

Stimmungstechnik

Vor 4.050 Zuschauern, also nicht ganz ausverkauftem Haus, lieferten sich die Fanlager einen ganz laustarken Schlagabtausch. Die zahlenmäßig unterlegenen Füchse-Fans hielten mindestens so gut dagegen, wie ihre Lieblinge auf dem Eis.

Der Top-Spieler: Mike Hammond

Unser Rothelm machte wie Darcy Murphy ein Vier-Punkte-Spiel, gab dabei aber auch noch stets die „ordnende Hand“.

Die Trainerstimmen

Rico Rossi: „Es waren heute viele Emotionen dabei. Das tat dem Spiel gut. Zeitweilig war es ein wildes und offenes Spiel. Mir hat besonders gut gefallen, dass meine Mannschaft nie aufgegeben hat und immer wieder zurückgekommen ist, nach dem 0:1, dem 1:3 und auch dem 3:5. Der Kampfgeist und der Siegeswille haben gestimmt. Ein paar taktische Dinge müssen wir noch verbessern.“

Corey Neilson: „Es war eine große Atmosphäre und ein tolles Spiel. Die Fans auf beiden Seiten haben ihre Mannschaften gepusht. Es gab Chancen hüben wie drüben. Das Match war wirklich sehr unterhaltsam. Wir haben gewonnen, weil wir unsere Chancen besser genutzt haben.“

Die Statistik

0:1 (5.) Jordan George ( Mike Hammond – Darcy Murphy), 1:1 (9.) Nick Huard (Jordan Knackstedt), 1:2 (9.) Darcy Murphy ( Joel Keussen – Mike Hammond), 1:3 (27.) Mike Hammond ( Jordan George – Darcy Murphy – PP1), 2:3 (28.) Dale Mitchel ( Nick Huard – Jordan Knackstedt), 3:3 (30.) Nick Huard ( Steve Hanusch – Jordan Knackstedt – PP1), 3:4 (49.) Robert Farmer (Tomas Andres – Clarke Breitkreuz), 3:5 (56.) Darcy Murphy (Mike Hammond – Jakub Kania – PP1), 4:5 (57.) Dale Mitchel ( Nick Huard – Jordan Knackstedt), 4:6 (59.) Jakub Kania (Ondrej Pozivil – EN SH1)

Den Spielbericht von Sprade TV gibt es im Media Center auf der Homepage


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