DRESDEN ERZWINGT DAS GLÜCK

Mittwoch 30.10.2019・19:30 Uhr
Lausitzer Füchse - Dresdner Eislöwen
5:6
2:0, 2:3, 1:3

DREIMALIGE EHC-FÜHRUNG REICHT AM ENDE NICHT

DER BERICHT

Es gibt sicher eine Menge Dinge im Leben, die schlimmer sind, als ein Eishockeyspiel gegen Dresden zu verlieren. Ganz so viele sind es dann aber doch nicht… Genau 19 Tage nach dem 6:4 unserer Jungs in Elbflorenz, das man nach recht ausgeglichenem Spielverlauf auch als „glücklichen Sieg“ bilanzieren konnte, muss sich der Eishockeygott gedacht haben, diesmal den anderen hold zu sein. Und so holten sich die Angereisten nach einem wirklich gutklassigen, spannenden, unterhaltsamen und ausgeglichenen Match vor 2.744 Besuchern mit 6:5 die drei Punkte – und das mit Sicherheit auch nicht unverdient. Es gibt da die Trainerphrase, wonach die erfolgreiche Mannschaft den Spielgewinn etwas mehr wollte. Irgendwie könnte das heuer auch so gewesen sein

Spielverlauf

Die Gäste wirkten von Anfang an entschlossen. Etwa vier Minuten lang kamen die Füchse nur schwer aus dem eigenen Drittel. Allerdings standen sie hinten auch ohne Joel Keussen ziemlich gut und ließen kaum Klares zu. Nach sechs Minuten war mal Jordan George mit der Rückhand vor Florian Proske gefährlich. Der Schlussmann der Gäste – mit Weißwasseraner Wurzeln – konnte parieren. Anschließend stand eher Mac Carruth im Fokus. Der klärte gleichfalls nach sechs Minuten erstmals gegen Top-Scorer Dale Mitchell. Dann machten die Unparteiischen auf sich aufmerksam. Binnen 44 Sekunden mussten Daniel Schwamberger und Clarke Breitkreuz auf die Strafbank. Damit hieß es 76 Sekunden doppelter Unterzahl für die Blau-Gelben. Die verteidigten leidenschaftlich und clever, mussten zwar den einen oder anderen Distanzschuss zulassen, aber nur eine Mitchell-Top-Chance. Da war wieder Mac Carruth da (10.). Mario Lamoureux verfehlte mit zwei Schrägschüssen aus spitzem Winkel unseren Kasten (11.). Bei wieder ausgeglichenen Besetzungen versuchte sich Timo Walther frei im Slot. Doch unser Schlussmann ließ nichts anbrennen (13.). Dann schienen die Heimischen zu erwachen. Scheiterte Tomas Andres noch frei an Florian Proske (16.), so nutzten seine Kumpels ihr erstes Überzahlspiel. Ein Distanzschuss von Ondrej Pozivil wurde zum Billard-Puck. Die Scheibe zischte links am Tor vorbei und über die Bande zum rechts lauernden Robert Farmer, der das 1:0 einschob. Dresden bemühte nun etwas mehr die Fäuste. Bei vier gegen vier hatte Mychal Monteith plötzlich ganz viel Platz, tanzte noch Keeper Proske aus und stellte auf 2:0. Damit ging es in die erste Pause. Die Ostsachsen hatten aus an sich nicht so viel eine Menge gemacht.

Auch die zweite Periode bot tollen Sport. Die nennenswerteren Gelegenheiten hatten zunächst die Blau-Weißen. Dale Mitchell verzog um Zentimeter (21.), Lamoureux fand in Mac Carruth seinen Meister (24.), der auch gegen Walther (26.) stark hielt. Dann kam Jake Ustorf von der Strafbank und zum Alleingang, blieb aber an der Matratze von Proske hängen (27.). Und das sollte sich rächen. Irgendwie hielt Neuzugang Petr Pohl seinen Schläger in einen Fernschuss von Alexander Dotzler, der so für Carruth unerreichbar an den Innenpfosten und ins Tor klatschte. Die Antwort der Oberlausitzer ließ nicht lange auf sich warten. Ein einmal mehr starkes Zuspiel von Mike Hammond erreichte Jordan George, der Florian Proske ausspielte und einklinkte. Fast hätten Feodor Boiarchinov und Robert Farmer nach 31 Minuten erhöht. Aber da war Dresdens Hüter zur Stelle. Und wiederum nur wenige Augenblicke danach wurde Oliver Granz zum Pausieren geschickt. Die Überzahl nutzte Timo Walther, der aus dem Slot einschoss. Kaum war der Torjubel verhallt, da vergaß unsere Defensive den Eislöwen-Rothelm, der freie Bahn bekam und sich nicht zweimal bitten ließ. Binnen 28 Sekunden war aus dem 3:1 ein 3:3 geworden. Nicht sonderlich beeindruckt spielte Weißwasser weiter nach vorn. George traf nur den Außenpfosten (35.), ehe 16 Sekunden vor dem zweiten Pausentee – Dresden hatte gerade eine Unterzahl überstanden – das kongeniale Duo Hammond auf George erneut zuschlug. So ging es mit einem 4:3 in den letzten Spielabschnitt.

Den bestimmten direkt die Füchse. Als George mal auf Hammond spielte, verzog der britische Nationalspieler unten links um zirka 350 Millimeter (44.). Und für den freistehenden Robert Farmer war das Tor auch etwas zu schmal (48.). Der erste strukturierte Angriff der Schützlinge von Rico Rossi im Schlussdrittel brachte gleich den Ausgleich. Arne Uplegger, im Fuchsbau garantiert kein Unbekannter, bekam das Spielgerät so an die Kelle, dass es hinter Mac Carruth verschwand. Und weil das scheinbar so einfach ging, gönnte sich Elvijs Biezais genau 62 Sekunden danach einen Schräghochschuss, der ins lange Eck zischte. Zu dieser Zeit kam die Führung der Eislöwen dann doch leicht überraschend. Aber unsere Jungs machten Ballett, drückten auf den Ausgleich. Die dann beste Tormöglichkeit hatte aber Dale Mitchell. Mac Carruth verhinderte die Vorentscheidung (55.). Nach 56:32 min. holte sich Kevin Lavallee eine kleine Strafe ab. Aber jetzt! Das Powerplay lief ordentlich, es gab mehrere gute Schusschancen, aber kein Tor. Dann kam Lavallee von der Strafbank und chipte auf Petr Pohl. Der hatte ganz unverhofft das leere Tor vor sich und nun aber gar keine Mühe, einzuschießen. Unsere Mannschaft spielte ohne Goalie und mit zusätzlichem Feldspieler weiter. Zu mehr als dem 5:6 reichte es trotz durchaus verheißungsvoller Möglichkeiten aber nicht mehr. So konnten sich die Gäste für die Niederlage vor zweieinhalb Wochen revanchieren. Für die Heimischen heißt es nun, diese Lehrstunde derart gewinnbringend zu nutzen, dass man im Januar 2020 beim Hockey Open Air hinten etwas cleverer und vorne zwingender agiert. Denn zunehmend zeichnet sich ab, dass die Last des Toreschießens auf zu wenigen Schultern verteilt ist.

Schlüsselszene

Der zweite Doppelschlag der Elbestädter in der 49./50. Minute brachte die Gäste auf die Siegerstraße, von der sie sich nicht mehr abdrängen ließen.

Aufreger

Kurz vor dem 2:0 lag der Puck frei vor Florian Proske. Nicolas Strodel setzte nach und bekam von Kevin Lavallee Kloppe. Warum die Referees beide Kontrahenten für je zwei Minuten eliminierten und den „Anfänger“ nicht entsprechend mehr ahndeten, bleibt fraglich.

Pechvogel

Nach 36 Minuten fuhr Feo Boiarchinov einen Check gegen Alexander Dotzler sauber zu Ende. Mit Verzögerung ging der Ex-DEL-Crack zu Boden. Was zunächst nach einer „Sterbeszene aus der Semperoper“ aussah, hatte nachhaltigere Folgen. Dotzler konnte die Partie nicht beenden.

Ausfälle

Ausfälle werden in der DEL2 inzwischen ja recht eigenartig kommuniziert. So fehlte bei den Eislöwen Nick Huard wegen einer „Unterkörperverletzung“. Bei unserem Team musste Joel Keussen kurzfristig passen. Trainer Corey Neilson: „Joey war nicht verfügbar!“ Aha…

Echte Liebe

Trotz des 5:6 feierten die Weißwasseraner Fans ihre Lieblinge lautstark. Die nämlich lieferten trotz allem gute und ehrliche Arbeit ab. Zudem wurde so auch respektiert, dass Gäste-Trainer Rico Rossi die Landeshauptstädter inzwischen auf Vordermann gebracht hat.

Der Top-Spieler: Petr Pohl

Dresden bot eine starke Mannschaftsleistung, aus der der Top-Scorer und eben Neuzugang Pohl herausragten. Letztgenannter machte zwei Tore und legte einmal auf. Zudem gab sich der 33-Jährige als stets wichtiger Stratege.

Die Trainerstimmen

Rico Rossi: „Was für ein interessantes Spiel. Das späte Tor im ersten Drittel, dann waren wir 2:0 hinten und das war nicht optimal für uns. Wir hatten das nicht verdient zurückzuliegen. Wir sind zurück gekommen zum 3:3 und haben wieder das späte Tor zum 3:4 bekommen. Im letzten Drittel hat sich gezeigt, dass die Jungs viel Selbstvertrauen hatten, auch durch das letzte Wochenende. Ich muss auch sagen, das Fitnessniveau der Jungs fängt an, langsam zu greifen.Ich sehe jetzt die Früchte der Arbeit der letzten zwei, drei Wochen. Es freut mich wirklich sehr für die Jungs.“

Corey Neilson: „Ich konnte nicht alles verstehen, was Rico gesagt hat, habe aber das Wort Fitness herausgehört. Das war heute ein Schlüssel zum Sieg. Dresden war schneller unterwegs und normalerweise hätten wir sie überrollt, aber sie haben es eben doch geschafft, aufgrund der Fitness im letzten Drittel zurückzukommen. Sie haben große Spieler, die aber trotzdem sehr schnell sind. Wir konnten nicht viele Bullys gewinnen. Die zwei einfachen Tore, die wir kurz hintereinander gefressen haben und die vielen Chancen, die wir uns erarbeitet haben, die aber nicht rein gegangen sind, waren ausschlaggebend für den Dresdener Sieg. Ich bin heute ‚ausgecoacht‘ worden.“

Die Statistik

1:0 (17.) Robert Farmer ( Ondrej Pozivil , Feodor Boiarchino - PP1 ), 2:0 (20.) Mychal Monteith ( Eric Mik , Mike Hammond ), 2:1 (28.)
Petr Pohl ( Alexander Dotzler , Jordan Knackstedt ), 3:1 (29.) Jordan George ( Mike Hammond , Clarke Breitkreuz ), 3:2 (33.) Timo Walther ( Jordan Knackstedt - PP1), 3:3 (33.) Dale Mitchell ( Elvijs Biezais , Kevin Lavallée ), 4:3 (40.) Jordan George ( Mike Hammond , Tomas Andres ), 4:4 (49.) Arne Uplegger ( Elvijs Biezais , Petr Pohl ), 4:5 (30.) Elvijs Biezais ( Lucas Flade , Mario Lamoureux ), 4:6 (59.) Petr Pohl ( Kevin Lavallée EN EQ), 5:6 (60.) Darcy Murphy ( Feodor Boiarchinov , Oliver Granz EA-EQ)

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