CLEVERNESS SIEGT

Sonntag 21.10.2018・ Uhr
Lausitzer Füchse - Bietigheim Steelers
0:3
0:1, 0:1, 0:1

SHUTOUT FÜR EINEN GEBÜRTIGEN BAD MUSKAUER

DER BERICHT

Scheinbar geht es nun doch nur noch rückwärts: Nach zunächst acht Siegen in Serie, was sensationell anmutete und für Aufsehen sorgte, setzte es heute die inzwischen fünfte Niederlage am Stück. Ja, der Gegner beim 0:3 war kein geringerer als der amtierende Zweitligachampion aus Bietigheim. Ja, die Steelers waren besser, vor allem cleverer. Aber was ist passiert zwischen jenem Spiel im Ellental, das wir 5:2 gewannen, und dem heutigen, in dem uns nicht einmal ein eigener Treffer gelang? Zwei „Problemzonen“ drücken die Blau-Gelben: Wir kriegen hinten viel zu leicht viel zu viele Gegentore. Und wir schießen vorne inzwischen zu wenig eigene Treffer. Doch warum ist das so? Allein der Verweis auf das Fehlen der drei Berliner Förderlizenzspieler Maximilian Adam, Vincent Hessler und Charlie Jahnke erscheint zu knapp. Denn daheim gegen Bad Tölz und in Heilbronn hätte man die jeweils in der Overtime verlorenen Matches dennoch gewinnen müssen. Gegen Spitzenteams wie Ravensburg und/oder Bietigheim kann man sicher immer verlieren. Eventuell hätten hier die „drei Kinder“, wie unser Coach Corey Neilson die abkommandierten Förderlizenzspieler bezeichnete, für annehmbarere Resultate sorgen können. Aber eben nur: vielleicht…

Das Wochenend-Torverhältnis von 2:12 scheint eine klare Sprache zu sprechen. Dagegen steht eine Torschussstatistik von 43:37 gegen Ravensburg und 34:25 gegen Bietigheim – jeweils pro EHC. Aufwand und Nutzen stehen also in keinem Verhältnis, wobei die Zahl der Torschüsse allein nichts über deren Qualität verrät. Da liegt der Hase einerseits im Pfeffer, wobei sich die Unsrigen zumindest bei den Towerstars zahlreiche „Glasklare“ erspielten, aber nicht nutzten. Die Steelers dagegen checkten zuweilen mit drei Mann vor, unterbanden damit fast immer einen schnellen Spielaufbau, schützten hier Heiligtum geschickt und ließen häufig nur Schüsse von außen zu. Und wenn die Oberlausitzer doch einmal im Slot zum Zuge kamen, dann war entweder noch ein Schläger der Grün-Weißen dazwischen oder Florian Proske in seinem ersten Match für die Schwaben zur Stelle. Der gebürtige Bad Muskauer machte einen unaufgeregten Job, ohne zur „Wand“ zu werden. Zumindest ließ Proske diverse Scheiben springen. Aber nur der erste Schuss ist „Pflicht“ für die Keeper, der Rest Abwehrarbeit. Auch da lag heute ein kleiner Unterschied. Gerne kann auch „hätte, wenn und aber“ bemüht werden. Hätte zum Beispiel Feodor Boiarchinov nach fünf Minuten nicht nur den Innenpfosten sondern ins Tor getroffen, wer weiß, wie das Match dann gelaufen wäre. So aber kamen die Gäste mit dem zweiten „richtigen“ Angriff zur glücklichen Führung: Nach einem Scheibenverlust an der gegnerischen Blauen Linie bekam Yannick Wenzel das Spielgerät serviert, fuhr den Konter und nahm den Schrägschuss, der vom Innenpfosten ins Netz sprang. „Ja, das war ein richtig guter Schuss. Aber an sich muss ich den haben“, gab sich Maximilian Franzreb, der dem heute geehrten DEL2-Spieler des Monats September, Olafr Schmidt, eine weitere Regenerationspause verschaffte, selbstkritisch. Später war „Franzi“ bei den wenigen, dann aber zumeist hochkarätigen Einschussmöglichkeiten der Steelers bravourös zur Stelle. Auch vor dem 0:2 hatte der gebürtige Bad Tölzer den (im Powerplay abgegebenen) ersten Schuss. Doch anders als die Boisvert-Schützlinge konnten unsere Cracks den Nachschuss nicht verhindern. Nach 25 Minuten mit zwei Treffern vorn, mutierten die Gäste nun endgültig zu Teams wie Freiburg, Bayreuth oder Bad Tölz, die in erster Linie das Spiel der Lausitzer zu zerstören trachteten. Und da schlug „Problem zwei“ zu: Spätestens jetzt fehlten die Adam, Jahnke und Hessler wirklich, die für ein permanent hohes Tempo hätten sorgen und die zweitweise nur mit zweieinhalb Reihen agierenden Steelers in Verlegenheit bringen können. So aber plätscherte die Begegnung hin und her, wobei die Referees mit ihrer Strafenverteilung – beiderseits – für die meiste Aufregung sorgten. Muss denn wirklich jede Aktion mit dem Schläger inzwischen mit zwei Strafminuten bedacht werden? Auf alle Fälle kämpften die Hausherren zum Ende der zweiten Periode sogar eine lange doppelte Unterzahl (1:26 min.) schadlos nieder.

Mit Vehemenz starten die Füchse dann in den Schlussabschnitt. Bei den besten Gelegenheiten fanden Steve Saviano (43.) und Jeff Hayes (53.) in Florian Proske ihren Meister. Als Benjamin Zientek nach 56 Minuten auf die Strafbank musste, riskierten die Füchse alles. Der sechste Feldspieler kam für Maxi Franzreb. Aber das Tor trafen nur die Bietigheimer. Matt McKnight sorgte mit dem Empty-Net-Goal für den Endstand. Was schon auffiel war, dass unsere Leistungsträger um eben Jeff Hayes, Anders Eriksson oder Chris Owens etwas müder wirkten. Das aber verwundert kaum. Schließlich standen die Genannten bei Über- und Unterzahl und auch vollen Kapellen auf dem Eis. Irgendwie fehlt für die Leader bei uns die dringend nötige Entlastung.

Wenn Eishockey einfach wäre, hieße es ja Fußball. Nimmt man den zum „Vorbild“, dann könnte man unseren Füchsen das Mehr an Ballbesitz zubilligen. Was Coach Corey Neilson aber dazu brachte, den durchaus aufopferungsvollen Kampf gegen die Steelers als „eines der schlechtesten Saisonspiele bisher“ abzustempeln, erschließt sich vermutlich eher nur den echten Experten.

Die Trainerstimmen:

Corey Neilson: „Es ist nicht schön, daheim 0:3 zu verlieren. Aber wir waren gegen eines der besten Teams der Liga unterlegen. Die verteidigen stark, sind schnell, groß gewachsen und gut gecoacht. Wir müssen schnell ein paar Dinge verändern, um wieder Erfolg zu haben. Einer wie Maximilian Adam fehlt uns sehr. Der hat die Energie für 30 Minuten Eiszeit. Ist er weg, müssen wir viel umstellen. Unser Spiel ist auf vier Reihen und hohes Tempo ausgelegt. Da müssen wir wieder hinkommen.“

Hugo Boisvert: „Nach der Niederlage am Freitag bin ich mit dem Ergebnis heute sehr zufrieden. Nach der langen Busfahrt waren die Jungs sofort bereit, sind gut aus der Kabine gekommen und haben das erste und zweite Drittel stark gespielt. Gerade in der Überzahl im Mittelabschnitt hätten wir auch mehr Tore schießen können.“

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