PHILIP KUSCHEL IM HOMEPAGE-SOMMERINTERVIEW

"DER VORLETZTE VON HIER"

Was waren das für Zeiten, als sich in einer Weißwasseraner Eishockey-Profi-Mannschaft noch die einheimischen Spieler förmlich tummelten… Eine schwindende Einwohnerzahl im Oberlausitzer Puckmekka, das Fehlen infrastruktureller Bedingungen wie das einer Sportschule oder einer zweiten Eisfläche, das stetigfrühere Abwerben der noch immer vom ESW herausgebrachten Talente, das unzweifelhaft gestiegene sportliche Niveau in der DEL2 – all das hat mit dafür gesorgt, dass mit Philip Kuschel und Luis Rentsch auch im Team 2020/21 nur noch zwei Lokalmatadoren am Start sein werden. Wie hoch der DEB das Engagement in Bezug auf die Nachwuchsausbildung bei den Jungfüchsen schätzt, wird soeben einmal mehr als deutlich. Da hatte die U17 unter Cheftrainer Sebastian Wolsch die Division II Nord recht deutlich gewonnen. Während im Süden sowohl der Erst- (EHC 80 Nürnberg) und Zweitplatzierte (SC Bietigheim-Bissingen) der Division II direkt aufsteigen, sollen unsere Eis-Eleven ein Qualifikationsturnier mit den Letztplatzierten der Division I (Crimmitschau, Wolfsburg) um zwei freie Plätze in der höchsten Spielklasse bestreiten. Angeblich seien die Nord-Clubs nicht leistungsstark genug… Eckdaten für die Relegation fehlen – coronabedingt – bisher komplett. Angesagt aber ist, das Weißwasser zweitklassig bleiben soll, wenn das Turnier abgesagt wird. Gegen diese massive Ungleichbehandlung wehrt sich der ESW. Es wurde vor dem DEB-Spielgericht auf Aufnahme in die Division I geklagt und ein Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz gerügt. Verhandelt werden soll demnächst im Juli. Das macht weder die Planungen einfach, noch kann man wechselwilligen Cracks die erforderliche sportliche Perspektive bieten.

Philip, Du bist einer von hier und Du bleibst auch hier. Wie siehst Du die Entwicklung bei uns im Nachwuchs?

Philip Kuschel: „Zunächst muss ich sagen, dass es eine feine Sache ist, dass es mit Luis wieder einer von hier in die Männermannschaft geschafft hat. Ansonsten ist es aber auch keine Überraschung, dass ganz oben kaum noch jemand ankommt. Es ist auch kein plötzliches Problem. Jeder hat beobachten können, dass da in der Vergangenheit eine Menge weggebrochen ist. Die Zeiten, in denen wir früher als Mannschaft recht erfolgreich waren, sind einfach vorbei. Insofern überraschen auch die vielen Abgänge im Nachwuchs nicht. Mal ganz nebenbei bin ich ja auch den Weg über die Eisbären gegangen, für die ich DNL gespielt habe.“

Wie ist denn für Dich dieser ganz besondere Sommer gelaufen? Konntest Du trainieren wie immer?

Philip Kuschel: „Da ich auf dem Lande wohne und hier Haus und Hof habe, war es für mich eigentlich wie immer. Die größte Einschränkung war vielleicht, dass man nicht Essen gehen konnte… (lacht). Ansonsten bin ich nach Draußen gegangen, wann ich wollte. Auf dem Dorf trifft man sich halt. Es gab auf dem Grundstück ein paar Projekte zu erledigen, denen ich mich widmen konnte. Und zum Trainieren habe ich auch ja auch Gewichte daheim. Insofern war das für mich alles recht erträglich. Zudem habe ich auch in den vergangenen Jahren überwiegend alleine trainiert. Und nun sind ja die Fitnessstudios auch wieder offen.“

Welche Erfahrungen hast Du aus der vergangenen Saison mitgenommen, als es ja alles andere als wie erwartet lief?

Philip Kuschel: „Unser Coach hatte mich ja im Vorjahr zum Verteidiger umgeschult. Und da hinten habe ich mich auch ganz wohl gefühlt. In der abgelaufenen Spielzeit war ich sowohl als Stürmer als auch in der Abwehr eingesetzt. Daraus ergab es sich, dass mir irgendwie einfach die letzte Konstanz fehlte. In der Saison davor stand ich ja auch noch unter ‚Welpenschutz‘ und das Teamgefüge hatte da für mich optimal gepasst, mich immer mitgenommen.“

Apropos Teamgefüge: Was hat den Unterschied zwischen dem erfolgreichen Jahr 2018/19 und dem nur auf einem Playdown-Platz endenden 2019/20 ausgemacht, als man mit einer vermeintlich besser besetzten Mannschaft am Start war?

Philip Kuschel: „Darüber habe ich auch schon lange gegrübelt. Vermutlich sind viele kleinere Faktoren zusammengekommen, viele Nuancen, die man gar nicht sehen kann. Und man darf nicht vergessen, dass das Team vor zwei Jahren überwiegend das war, mit dem wir vor drei Jahren auch nur in den Playdowns landeten. Wir hatten also eine nur wenig veränderte Mannschaft. Diesmal gab es mehr Wechsel. Es mussten viel mehr Akteure unser Spielsystem erst erlernen. Davor hatten wir das, was angesagt war, viel besser aus der Kabine aufs Eis gebracht. Aber das ist Vergangenheit. Jetzt liegt der Fokus voll und ganz auf der neuen Saison, auf die ich mich schon sehr freue.“

Was denkst Du, wann es losgeht?

Philip Kuschel: „So etwas, wie diese Krise, gab es ja noch nicht. Daher ist eben so viel noch offen… Ich hoffe auf einen Start spätestens Anfang Oktober mit einer allenfalls nur geringen Verschiebung. Unlängst aber las ich, dass die DEL vielleicht erst im Dezember loslegen will. Das wäre fatal. Damit käme es allenfalls zu einer Art Übergangssaison. Die Vorbereitung würde immens schwierig, das Saisonfeeling wäre weg. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass die zweite Liga vor der ersten beginnt.“

Gibt es denn schon kleinere Trainingsgruppen, in denen Ihr Euch vorbereitet?

Philip Kuschel: „Nein, momentan ist noch jeder auf sich alleine gestellt. Ich fahre beispielsweise nach Weißwasser ins Fitnessstudio, Luis Rentsch ist in Niesky. Der Kraftraum in der Eishalle ist nach wie vor geschlossen. Und so muss sich halt jeder allein zu helfen wissen. Es wäre schon schöner, wenn man mit zwei, drei Leuten zusammenarbeiten könnte.“

Bei den Füchsen soll der Spieleretat um ca. 25 Prozent reduziert werden. Welche sportlichen Auswirkungen befürchtest Du?

Philip Kuschel: „Wir sind immer noch ein kleiner Club. Weniger Geld bedeutet, dass es ganz einfach schwieriger werden wird, gute Spieler zu bekommen bzw. sie zu halten. Andererseits hat ja die letzte Saison gezeigt, dass Geld zwar Tore schießen mag. Der Erfolg allein ist damit aber auch nicht zu programmieren. Es muss das Ziel jedes Einzelnen bei uns werden, topfit zu sein, wenn es losgeht – und immer Vollgas zu geben. Als verschworener Haufen kann man immer etwas schaffen.“

Und wo siehst Du Dich in diesem Jahr eher – im Sturm oder in der Verteidigung?

Philip Kuschel: „Wie schon gesagt, fühle ich mich hinten inzwischen wohler. Ich bin kein Stürmer, den man einfach mal so vorne reinstellt – und dann läuft es. Wahrscheinlich sehen mich auch die Trainer inzwischen als wertvoller im Defensivverbund. Allerdings: Wenn man mich im Angriff aufstellt oder hinten für mich kein Platz ist, dann helfe ich dort aus, wo immer ich gebraucht werde. Sagen wir es doch so: Ich bin ein Allrounder und das gibt mir ein paar mehr Optionen.“ (schmunzelt)

Wie sieht es denn mit Urlaub aus in diesem ganz besonderen Sommer?

Philip Kuschel: „Inzwischen überhaupt nicht mehr gut. Gewöhnlich buche ich immer schon mit großem Vorlauf. Frühbucherrabatt halt… Es sollte nach Griechenland gehen. Bisher stand in Rede, dass sich die Anreise etwas verschieben könnte. Aber nun ist klar, dass es gar nicht funktioniert. Dann muss es eben diesmal ohne Urlaub gehen.“

Vielleicht noch ein Wort zur Hilfsbereitschaft der Fans rund um das virtuelle Spiel oder die Unterstützerpakete…

Philip Kuschel: „Bei den Fans kann man sich nur bedanken. Es war ein schönes Zeichen in verdammt schweren und ungewissen Zeiten – und garantiert nicht selbstverständlich. Vielleicht wäre sogar noch mehr gegangen, hätten wir Lausitzer Füchse besser abgeschnitten. So haben wir mit unserer Saisonleistung nicht den besten Beitrag geleistet, um alle euphorisch mitzunehmen. Umso höher ist zu würdigen, wie viele Dauerkarten bisher erneut geordert wurden.“

Okay – es ist Zeit, das Interview zu beenden. Irgendwie kommt bei Dir im Hintergrund etwas Unruhe auf.

Philip Kuschel: „Wir arbeiten gerade im Keller. Und da werde ich gebraucht…“

Dann wünscht Dir das Homepageteam einen angenehmen, verletzungsfreien Sommer. Möge der Urlaub planmäßig starten und auch sonst höchst erholsam sein. Leider müssen wir jetzt „Bis bald!“, sagen – ohne zu wissen, wann bald ist.

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