INTERVIEW MIT DIRK ROHRBACH ZUM HYGIENEKONZEPT DES EHC

"WIR HABEN VERSUCHT, AN MÖGLICHST JEDE KLEINIGKEIT ZU DENKEN"

Am 11. Oktober testen die Lausitzer Füchse nicht nur im Traditionsduell gegen unseren Kooperationspartner Eisbären Berlin den sportlichen Leistungshorizont, sondern zudem das für die weeEisArena ausgearbeitete Hygienekonzept. Bis zu 1.250 Zuschauer sollen dem um 16 Uhr beginnenden Match beiwohnen können. Und weil "Corona" noch immer allgegenwärtig ist, bedeutet ein Stadionbesuch in dieser Saison jede Menge Neuigkeiten, auf die sich die Besucher einstellen müssen. Was alles zu beachten ist, weiß natürlich unser Geschäftsführer Dirk Rohrbach.

Dirk, kannst Du das Wort "Hygienekonzept" überhaupt noch hören?

„Ich denke, das wird das ‚Unwort des Jahres‘. Tatsächlich nimmt man es gefühlt täglich über 20mal in den Mund. Aber was willst du machen in Pandemiezeiten? Schließlich benötigen wir es, um überhaupt handlungsfähig zu sein. Also mussten wir uns dieser notwendigen Hausaufgabe stellen. An sich klingt es so einfach – Hygienekonzept… Aber es ist doch so komplex und mit jeder Menge Details verbunden."

Nun aber hat der Landkreis Görlitz das Hygienekonzept der Lausitzer Füchse für die weeEisArena genehmigt. Was ist denn alles passiert, bis es so weit war?

„Unser Hygienekonzept basiert auf den Empfehlungen der Taskforce des DEB. Es wurde mit den Vertretern von TeamSport Sachsen abgestimmt und auf unsere ganz speziellen Bedingungen in unserer Eishalle adaptiert. Nachdem wir das erste Konzept geschrieben hatten, gab es zwei Gespräche mit der Rechtsaufsicht des Landkreises und dem Gesundheitsamt. Natürlich war die Stadtverwaltung stets beteiligt, da die Stadt ja Hallenbetreiber ist. Danach gab es noch eine Reihe Anpassungen. Um auch das zu sagen: Wir wurden stets sehr vernünftig und verständig behandelt. Die Gespräche fanden immer auf Augenhöhe statt. Ein herzlicher Dank gilt dem Ordnungs-, Gesundheitsamt und der Kommunalaufsicht des Landkreises Görlitz sowie der Stadtverwaltung Weißwasser/O.L.

Denn das Konzept ist für uns lebenswichtig. Uns ging und geht es darum, so viel Besucher wie möglich zu den Spielen in die Arena einlassen zu dürfen. Schließlich rekrutieren wir etwa ein Drittel unseres Etats aus Zuschauereinnahmen. Zudem war es unsere Intention, die Halle ringsum zu füllen. Jetzt sind wir an der Stelle angekommen, ab der wir mit unseren Partnern den Weg mit dem Hygienekonzept beschreiten und Erfahrungen sammeln können und natürlich hoffen und wünschen wir, dass sich alle Vorsichtsmaßnahmen bewähren.“

Was konkret wird für die Zuschauer denn nun anders werden?

„Es besteht die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Abdeckung. Das ist aber logisch, weil der Mindestabstand in der Halle natürlich nicht zu gewährleisten ist. Dann wird unsere Arena in vier Sektoren geteilt, um ein nicht nachprüfbares Vermischen der Besucher zu verhindern. Für jeden Sektor gibt es farblich unterschiedliche Armbändchen. In welchen Sektor man sich begeben muss, ergibt sich aus der Eintrittskarte. Alle Plätze im Stadion, auch die Stehplätze, auf denen natürlich ein gewisser Abstand einzuhalten ist, sind nummeriert. Es werden Notausgänge zu Ein- bzw. Ausgängen umfunktioniert. Dazu ist an der Halle schon eine entsprechende Beschriftung erfolgt. Für jeden Sektor gibt es eigene Toilettenbereiche und Catering-Stände. Um Warteschlangen an den Versorgungspunkten zu vermeiden, sollen Speisen und Getränke bis direkt an den Platz geliefert werden, auch wenn das Spiel läuft. Zudem wurde durch die DEL2 entschieden, die Pausenzeit um zwei Minuten zu verlängern, um auch dadurch zu ‚entzerren‘. Auf der Rückseite der Eishalle werden Toilettencontainer aufgebaut. Dort liegen aber keine Medien an. Das macht es zusätzlich schwierig. Die Sektoren sind mit Bauzäunen abgetrennt. Es besteht die Pflicht, sich nur im zugewiesenen Sektor aufzuhalten. In Block N wird von Steh- auf Sitzplätze umgerüstet. Und bei der Einlaufshow wird der große Fuchs nicht mehr aufgebaut, damit es keine Vermischung von Personal und den Akteuren der Mannschaft gibt."

Wird es den Versorgungspunkt im Kellergeschoss weiter geben?

„Wichtige Frage! Nein, die gesamt ‚Ebene 0‘ ist für die Gastmannschaft vorgesehen. Dort sollen Besucher so gut als möglich ferngehalten werden. Nur unsere VIP-Gäste dürfen die Toiletten da unten nutzen, müssen daher aber zunächst aus der Halle heraus- und dann über den ganz rechten Eingang wieder hineingehen. Es wird auch keine Pressekonferenzen in der bisherigen Form geben, sondern nur eine über den Livestream. Daher müssen die interessierenden Fragen bereits vor der Pressekonferenz eingereicht werden. Alles ist dem einen Ziel untergeordnet, nämlich Publikumsvermischungen zu verhindern. Übrigens: Wir empfehlen dringend die Nutzung der Corona-Warn-APP.“

Stichwort „Dauer- bzw. Eintrittskarten“ und deren Übertragbarkeit!

„Alle Tickets, Dauer- wie Tageskarten, werden personalisiert. Wer mit der Karte in die Arena kommt, muss einen Gesundheitsbogen ausfüllen und damit bestätigen, dass er frei von den einschlägigen Corona-Krankheitssymptomen ist. Die Tickets sind auch übertragbar. Erscheint nicht der reguläre Inhaber der Eintrittskarte am Einlass, dann muss er sich dort mit einem geeigneten Dokument identifizieren. Das gilt im Übrigen auch für alle anderen Besucher.

Um das noch einmal kurz zusammenzufassen: Jeder muss zu den Spielen neben seinem Ticket also auch seinen Personalausweis o.ä. und einen ausgefüllten Gesundheitsbogen dabei haben. Um unnötige Wartezeiten zu vermeiden, empfehle ich dringend, den Gesundheitsfragebogen, der in Kürze auch im Downloadbereich auf unserer Homepage bereitgestellt wird, bereits zu Hause auszufüllen."

Wie wird denn die Einhaltung der Regeln kontrolliert werden?

„Pro Spiel werden insgesamt 75 Volunteers und Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes im Einsatz sein, um für Ordnung und Regelkonformität zu sorgen. Der EHC und meine Person sind für die ordnungsgemäße Durchführung der Veranstaltung verantwortlich. Und ich sage es ganz klar: Wer die Regeln bricht, muss mit Konsequenzen rechnen! Zeigt sich nämlich, dass das Konzept nicht funktioniert, wird als erstes die Zuschauerkapazität reduziert. Dann fallen zum Beispiel die Stehplätze weg. Das wollen wir nicht. Und das können wir uns auch nicht leisten. Der finanzielle Zusatzaufwand pro Spiel beträgt ca. 7.000 Euro. Das ist eine Menge Geld. Wir gehen ein hohes Risiko, wollen aber auf keinen Fall das wirtschaftliche Fundament unseres Clubs und die Gesundheit von Spielern, Fans und allen anderen Akteuren riskieren. Deshalb gilt auch, dass Ange- und Betrunkene direkt der Halle verwiesen werden. Die Besucher müssen lernen, mit den neuen Bedingungen umzugehen. Der Sicherheitsdienst wird extra geschult für eine gute, harmonische Kommunikation.“

Also wird auch Alkohol ausgeschenkt?

„Ja, es wird auch alkoholische Getränke geben.“

Was ist denn mit dem Raucherbalkon?

„Wegen der Einteilung in die vier Sektoren wird es den Raucherbalkon nicht mehr geben. Über den Balkon geht es jetzt auch zu den Ein- und Ausgängen. Raucher müssen also im Außenbereich ihrer Sektoren ihrem Laster frönen. Es gibt auch nur noch zwei VIP-Blöcke, nämlich R und S."

Was ist denn mit unseren Spielern – werden die auch auf Corona getestet?

„Ja, sie werden regelmäßig getestet. Und was passiert, wenn einer Symptome zeigt, ist ohnehin klar."

Insofern wird es in dieser Saison eher keine Fan-Stammtische oder Autogrammstunden geben...

„Genau! Die Kontaktvermeidung hat oberste Priorität. Daher sind Aktivitäten mit Spielern und den Fans nicht möglich. Zum Glück haben wir aus der Kabine ja auch einen extra Ausgang, weshalb es keine Berührungen von Zuschauern mit den Spielern geben sollte."

Das bisher Gesagte zusammengefasst, klingt alles nach einer realen Chance, die aber keinesfalls auf festem Fundament steht – oder?

„Nochmals: Für uns ist es überlebensnotwendig, dass das genehmigte Konzept eingehalten wird und funktioniert. Deshalb appelliere ich unbedingt an die Vernunft und die Disziplin jedes einzelnen Besuchers. Es mag dramatisch klingen, ist aber so: Wir haben durch die Behörden einen Vertrauensvorschuss bekommen, dem wir uns würdig erweisen müssen. Jeder Besucher unserer Spiele hat es damit in der Hand, den Lausitzer Füchsen zu nutzen oder aber zu schaden – bis hin zu einem wirtschaftlichen Knockout, wenn die Zuschauerzahlen eingekürzt werden. Daher haben wir auch versucht, an möglichst jede Kleinigkeit zu denken. Bei jedem Spiel kann man vor der Arena einfache Mund-Nasen-Abdeckungen erwerben, falls man die vergessen hat. Im 'Hockeyfuchs' gibt es die speziellen Füchse-Schutzmasken oder -tücher. Es darf nichts schief gehen. Zum Essen oder Trinken darf der Mundschutz natürlich kurzzeitig unter das Kinn geschoben werden... Ach so: Die Zahl von 1.250 Zuschauern gilt nur für die Testspiele. Zu den Punktspielen sollen dann bis zu 2.000 Schlachtenbummler Einlass finden."

Letzte Fragen: Bis wann ist klar, ob das Testspiel gegen die Eisbären am Sonntag überhaupt stattfindet, und was wird mit dem in Dresden ausgefallenen Nord-Ost-Pokalspiel gegen die Eislöwen?

„Wir gehen davon aus, dass das Spiel am Sonntag um 16 Uhr gegen die Eisbären Berlin wie geplant stattfinden kann. Der Vorverkauf hat bereits begonnen. Ob es ein Spiel in Dresden gegen unsere Füchse im Rahmen des Nord-Ost-Pokals geben wird, ist aktuell noch in Prüfung.“

Foto: LFX

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