FÜCHSE-SIEG ÜBER ERZFEIND CORONAVIRUS WACKELT

STAND BRAD ROSS STATT LUKE NOGARD AUF DEM SPIELBERICHTSBOGEN?

Der Bericht

Es mutete recht martialisch an, als der schier übermächtige Gegner „Team Erzfeind Corona Deutschland“ am Mittwoch das virtuelle Eis im mit 3867 Besuchern überausverkauften Fuchsbau betrat: 21 Männer in tiefem Schwarz gekleidet, auf der Brust ein strahlend weißes Totenkopf-Logo, die Rückennummern nicht im Ansatz zu erahnen, dafür verbissen dreinschauend und offenbar komplett auf Attacke eingestellt. Zudem sollten unsere Lausitzer Füchse ganz offenkundig in die Irre geführt werden. Denn das Trainergespann Kevin Pest undDoug Cholera schickte den Goalie mit roter Kopfbedeckung auf den kühlen Grund. Der Plan: Wie in der DEL2 üblich würden die Weißwasseraner den Top-Scorer unter dem purpurnen Helm vermuten und ihn besonders decken, derweil die „Virus-Bande“ in Überzahl zum Konter blasen könnte. Doch das Ansinnen ging schief.

Denn Mike Hammond fühlte sich für den Schwarzen mit oben Rot zuständig, musste so nicht weit nach hinten arbeiten und kam in allerbeste Schussposition, noch bevor der Sekundenzeiger die erste Umdrehung vollführt hatte. Das Abschlussglück hatte unser Top-Scorer aber weder da noch überhaupt im Laufe des Abends gepachtet. Bei Jordan George, unserem Top-Torschützen, sah das ganz anders aus. Gerade als die Coronaen glaubten, sie seien in der Partie angekommen, kombinierten sich unsere 28 und Hammond per Doppelpass durch die COVID-Defensive. Soeben war Minute vier angebrochen, da beantworte der „Fuchs der Saison“ die im Vorbericht intensiv diskutierte Frage, ob er denn seinen Torriecher vor der Wiedereinreise nach Germany noch gefunden habe, höchst eindrucksvoll. Und die frühe Führung tat den Heimischen ersichtlich gut! So wurde auch der zweite Versuch von Reporter Ronald Byron, den Zuschauern an den Bildschirmen den Kontrahenten als „zusammengewürfelten Haufen“ zu erklären, durch einen Treffer jäh gestoppt. Nur 46 Sekunden nach dem 1:0 bediente Mike Hammond mustergültig diesmal Darcy Murphy, der am langen Pfosten in Position gelaufen war und kompromisslos einkanonierte. Dieser Doppelschlag hatte den Pest- und Cholera-Schützlingen ersichtlich Fragezeichen in die fahlen Gesichter gezaubert. Derweil kochte die Stimmung im Bau und die „Let’s go Dynamo“-Plakate wurden geschwenkt. Den ganzen Frust der Infektions-Brigade bekam dann Darcy Murphy zu spüren, der mittels Schläger quer in die Bandenecke gecheckt wurde. Völlig unerfindlich aber blieben die Arme des Referee-Duos Hermann und Engeltrich, die überhaupt viel laufen ließen, unten. Warum angesichts der Spielleitung bis dahin dann Clarke Breitkreuz nach neun Minuten wegen eines angeblichen Hakens auf die Strafbank geschickt wurde, war noch viel unerfindlicher. Oder sollte das etwa ein Verstoß gegen das Kontaktverbot gewesen sein? Nicht auszuschließen ist allerdings, dass einer der Füchse-Fans den Gestreiften beim Warmmachen mitgeteilt hatte, dass der Käpt’n nach Kassel wechselt und ihm auf diese Art und Weise ein kleiner „Denkzettel“ verpasst werden sollte. Gerade in Corona-Zeiten hat das Denunziantentum ja doch einen neuen Stellenwert bekommen… Jedenfalls standen mit zwei Chinesen, einem Italiener sowie einem Amerikaner und nur einem Deutschen im folgenden Powerplay alle Kontingentspieler der Viralen auf dem Eis und machten so viel Druck, dass es unserem Quartett die typischen Krankheitssymptome in die Körper trieb. Lediglich Mac Carruth behielt bei unzähligen Distanzschüssen kühlen Kopf, war aber machtlos, als Jakub Kania heißgelaufen war und den Nachschuss der schwarzen 25 nicht mehr verhindern konnte (11.). Und plötzlich war das Match wieder eng und der Zwei-Meter… ähh: Tore-Abstand weg. Zwar spulte Joel Keussen ein tolles Pensum herunter, räumte hinten ab und trieb den Angriff an. Aber das Momentum war nun spürbar beim Erzfeind. Dass es mit dem knappen Vorsprung in die erste Pause ging, hatten die Gastgeber ihrem Hüter zu verdanken, der nach 16 Minuten einen sagenhaften Reflex mit dem Stockhandschuh hinlegte und so das sichere Remis verhinderte.

Den besseren Start ins Mitteldrittel erwischten die „finsteren Gestalten“, die merkbar auf den Ausgleich drängten. Allerdings versuchten sie es zu oft durch die Mitte, was unserer Abwehr stets noch eine Chance zum Eingreifen ließ, während die Füchse das Spiel schön breit machten und an sich die besseren Torgelegenheiten hatten. Aber weder Darcy Murphy (25.) noch – ja, wer wohl nun (27.) – kamen am Rothelm-Hüter vorbei. Zwei riesige Probleme ereilten die Unsrigen: Erstmals stand unsere Nummer 18 im Rampenlicht. Aber wer steckte in diesem Dress? Und im direkten Gegenzug war Ondrej Pozivil allein gegen zwei Infizierte machtlos, sodass die schwarze 31 auf 2:2 stellen konnte (28.). Die Schlacht gegen die Krise begann von Neuem. Das Spielgerät lief in den Reihen des Erzfeindes nun wie am Schnürchen. Klar, der EHC wirkte auch irgendwie zu passiv und bekam ganz schnell die Quittung dafür. Ein Distanzschuss sollte geblockt werden, die Scheibe aber sprang dem Center der zweiten Virus-Reihe (Center of Virusline two; kurz: CoV-2) direkt vor die Kelle und die schwarze 74 klinkte ein (31.). Spiel gedreht, Übermacht dokumentiert? Das schnelle 2:0 der Füchse sei „ein zerbrechlicher Zwischenerfolg“ gewesen, ließ sich Bundeskanzlerin Angela Merkel später zitieren. Nun waren jedenfalls ganze und gesunde Kerle gefragt, die sich allen Beschränkungen zum Trotz dahin begeben würden, wo es weh tun könnte. Das versuchten die Oberlausitzer, aber die 19 Feldspieler der COVID-Gang hielten stark dagegen. Die beste Füchse-Gelegenheit hatte Daniel Schwamberger, der an der Schulter des Corona-Hüters scheiterte (31.), derweil Mac Carruth auf der Gegenseite in Minute 37 und 38 Kopf und Gesichtsmaske riskieren musste und auch im Pfosten einen Verbündeten hatte. Zur Chronistenpflicht gehört noch ein nicht wirklich astreiner Check von Robert Farmer ganz kurz vor der zweiten Sirene, den Hermann/Engeltrich geflissentlich übersahen.

Ob man sie an Beatmungsgeräte gehängt hatte, ist nicht überliefert worden. Aber die Weißwasseraner kamen mit ganz viel Power aus der Kabine und drückten auf das 3:3. Zweimal George (43./ 44.) vergab aus guten Positionen, dann auch Clarke Breitkreuz, der knapp am linken Pfosten vorbeizielte (47.). Wenige Augenblicke später machte es der „Cruiser“ dann aber perfekt. Der Puck lief über Pozivil und Keussen zu unserem Kapitän, der hoch ins kurze Eck abschloss (48.). Immerhin 44 Minuten mussten die treuen blau-gelben Anhänger warten, bis „ihre“ Tormelodie endlich wieder erklang! Das 3:3 ging zu diesem Zeitpunkt durchaus in Ordnung. Es folgte eine Szene mit Symbolcharakter: An unserer blauen Linie checkte Joel Keussen einen Verseuchten derart heftig, dass dieser direkt ins Krankenhaus musste (50.). Dieser Wille, diese Einstellung, diese Leidenschaft und Leidensfähigkeit – das sollte doch zum Sieg über das Virus reichen! Na gut: Oliver Granz, der auch offensiv viele Akzente setzen konnte, hatte sehr viel Dusel, als sein Kniecheck gegen einen Dunklen ungeahndet blieb (55.). Nicht viel später brachte ein Frustfoul Team Corona in Unterzahl. Darcy Murphy war von der schwarzen 2 im Slot behindert worden. Und diesmal folgte der gerechte Ausschluss (59.). Leider, leider waren unsere Jungs noch immer nicht immun genug gegen das Schöngespiele. Die Scheibe wurde von rechts nach links und zurück transportiert, dann von hinten nach vorn und wieder nach rechts. Ja, es kamen auch Schüsschen von Breitkreuz, Hammond und der ominösen 18 (60.). Ein einziger Kracher von Kale Kerbashian ließ das Arbeitsgerät eines der Infizierten zerbersten. 24:13 Torschüsse pro Blau-Gelb hatten die Statisten bis dahin gezählt. Die Sirene aber war schneller als unser viertes Tor. So ging der Kampf gegen den Erzfeind in die Verlängerung.

Die begann mit noch 13 Sekunden Überzahl der Neilson-Schützlinge, aber ohne Torchance. Die Entscheidung nahte, als Kerbashian den Puck in der eigenen Zone eroberte, nach rechts auf Mike Hammond gab, der so clever verzögerte, dass mit Ondrej Pozivil und Jakub Kania frische Kräfte einwechseln konnten. Dann tippte „Kuba“ die kleine Schwarze zurück zu Pozivil, der den direkt wieder einlaufenden Kania bediente. Und unsere 22 drosch das Spielgerät am da völlig konsternierten Virus-Hüter vorbei zum plötzlichen Tod von Corona (62.). Die Freude über den Sieg über den schier übermächtigen Gegner hielt keinen mehr an seinem Platz. Mac Carruth rannte über die komplette Eisfläche direkt in die Jubeltraube, in die sich als Letzter auch noch Marvin Cüpper hineinwarf. Trotz dieser Ansammlung drückten siegestrunken auch die zahlreichen Ordnungshüter auf den Rängen ein Auge zu und verzichteten auf Bußgeldanzeigen wegen der Verstöße gegen die Corona-Schutz-Verordnung. Heimlich still und leise – Handshake war ja ohnehin untersagt – verzogen sich die geschlagenen schwarzen Viralen. Das kleine Weißwasser hatte dem großen Gegner erfolgreich getrotzt.

„Schlüssel“szene

Weil die Stadiongaststätte „Fuchsbau“ geschlossen bleiben musste, gab es zwischen den Spielabschnitten diesmal nur ganz kurze Pausen.

Pyrrhussieg?

Team Erzfeind Corona Deutschland hat Protest gegen die Wertung des Spiels vom vergangenen Mittwoch eingelegt. Es wird das unberechtigte Mitwirken von Luke Nogard (Nummer 18) reklamiert. Im Aufstellungsbogen war unter dieser Rückennummer Brad Ross gelistet. „Ich sollte nur das Hemd mit der 18 hinlegen. Mir wurde nicht gesagt, wer es anzieht“, rechtfertigte sich Equipment-Manager Stefan Wohlschlager. Geschäftsführer Dirk Rohrbach verweist auf die durch die Unparteiischen durchgeführten Passkontrollen: „Den Spielerpass von Brad Ross hatten wir gar nicht vorgelegt. Damit musste jedem klar sein, dass Nogard mit der 18 spielt.“ Dennoch wackelt das 4:3 nach Verlängerung bedenklich. Glaubt man nämlich „Rohre“, hätten mit Carruth, Hammond, Murphy, Nogard und Kerbashian fünf Ausländer gespielt…

Pressekonferenz

Wegen der Abstandsregeln durfte Trainer Corey Neilson nur allein in den Presseraum, um sein Statement abzugeben. Sinngemäß soll er sich wie folgt geäußert haben:

„Ich bewundere das Team Corona. Das sind alles bestens ausgebildete und körperlich groß gewachsene Spieler mit prima läuferischen Fähigkeiten. Zudem war die Mannschaft hervorragend gecoacht und hat sehr strukturiert agiert. Sie sind jetzt noch viel stärker als bei der letzten Pandemie. Trotzdem haben wir einen Weg zum Sieg gefunden. Beide Torhüter waren heute ein sicherer Rückhalt. Ich bin stolz auf meine Jungs und möchte mich bei den Fans bedanken, die uns zu dem Erfolggetragen haben.“

Der Top-Spieler

Kevin Riedel aus Leipzig. Der Experte für EA Sports NHL20 - mit eigenem YouTube Kanal (eishockeyfuchs) - und bekennender Füchse-Fan war der überragende Mann abseits der Bande. Er hatte das grandiose Spiel nämlich für uns produziert!!!

In dankbarer Verbundenheit

Danke, Hockeytown!!! Mit Euer aller Großzügigkeit und Hilfsbereitschaft habt Ihr einen wichtigen Anteil daran, dass es den DEL2-Standort Weißwasser weiter geben kann. Das Spiel gegen das Team Erzfeind Corona Deutschland war sicher ein ganz außergewöhnlicher Abschluss einer ganz außergewöhnlichen Saison. Aber es kommen auch wieder bessere Zeiten! Dann wird der Fuchsbau wieder gerockt und gemeinsam gefeiert! Bleibt alle gesund, genießt den Sommer und: Nochmals sehr herzlichen Dank!!!

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