EIN "ANDRES" SOMMERINTERVIEW

"...ES WAR DEFINTIV VIEL MEHR MÖGLICH FÜR UNS"

Vor einem Jahr war er das wohl am längsten gehandelte Gerücht. Schon kurz nach dem Ende der Spielzeit 2018/19 sickerte – warum auch immer – durch, dass da ein Tscheche aus der ersten französischen Liga in den Fuchsbau wechseln würde, der gute Aussichten auf einen deutschen Pass habe. Die Bestätigung des Gerüchtes ließ noch auf sich warten. Pünktlich zum Saisonstart lag dann auch das nötige Dokument für den gebürtigen Aussiger vor, der somit das Ausländerkontingent nicht belastete. Und weil Tomas Andres gleich für zwei Jahre beim EHC unterschrieben hatte, wird der 24-Jährige in der kommenden Spielzeit weiter für unseren Club stürmen.

Hallo Tomas! Die erste Frage gilt inzwischen immer der Gesundheit…

Tomas Andres: „Danke, mir geht es gut und meiner Familie auch. Das ist ja wichtig!“

Wie sieht denn Dein Alltag momentan aus?

Tomas Andres: „Mein Leben läuft einigermaßen normal. Ich habe die Menschen aus meiner Familie und auch viele Freunde besucht. Gerade mache ich eine Art Kurzurlaub und reise zu Kumpels aus dem Süden und Osten der Tschechischen Republik. Dann will ich so schnell als möglich zurück nach Deutschland kommen, um in Weißwasser mit den Teamgefährten zu trainieren. Eigentlich wollte ich schon Anfang Mai da sein. Aber ich muss noch warten. Ich werde Kontakt mit Dirk Rohrbach aufnehmen und dann erfahren, wenn es losgehen kann.“

Welche Möglichkeiten hast Du denn gegenwärtig in Tschechien, um dort zu trainieren?

Tomas Andres: „Es ist ja noch fast alles geschlossen… Hauptsächlich gehe ich laufen oder spiele Tennis. Ja, ich spiele viel Tennis, fast täglich, und das auf einem wirklich guten Niveau mit Ex-Profis oder richtig starken Amateuren. Dann mache ich zu Hause Übungen mit dem eigenen Körpergewicht. Da orientiere ich mich an den Sommertrainingsplänen vom Vorjahr. Zudem mache ich mit meiner Freundin Yoga. Und wenn die Fitnessstudios hier wieder aufmachen, dann kann ich auch die vorgegebenen Trainingspläne abarbeiten, die uns Co-Trainer Chris Straube erstellt hat.“

Du warst jetzt ein Jahr bei den Füchsen. Wie fällt Deine Bilanz aus?

Tomas Andres: „Mir hat es in Weißwasser wirklich gut gefallen. Aber ich hatte von mir selbst schon ein wenig mehr erwartet. Vor allem war meine Punktausbeute nicht optimal. Natürlich ist es immer nicht ganz ohne, sich in eine neue Mannschaft hineinzufinden und gleich eine überragende Saison zu spielen. Daher würde ich für mich meinen, es war so 50:50 – aber auch eine gute Erfahrung. Ich habe schon einige Zeit benötigt, bis ich in Fahrt gekommen bin. Dann jedoch fühlte ich mich zunehmend besser. Und so, wie ich dann am Ende der Saison gespielt habe, so stelle ich mir es vor, die nächste Spielzeit komplett zu absolvieren.“

Denkst Du, dass die kommende Saison normal starten wird?

Andres: „Dazu will ich vorab sagen, dass es aktuell schon eine unglaubliche Zeit ist. Alle Ehre und die Gedanken müssen jetzt auch den vielen Verstorbenen gelten. Ich finde, dass Deutschland in der Krise gute Arbeit geleistet hat. Meine Achtung gilt allen Menschen, die zu Hause geblieben sind oder andere Menschen beschützt haben. Und dann habe ich Hochachtung vor denen, die in der ersten Reihe stehen, wie Krankenschwestern, Ärzte oder die Verkäuferinnen in den Geschäften. Da ist unser Sport dann schon eher eine Nebensache. Dennoch hoffe ich sehr, dass es für uns wieder regulär losgeht. Und wenn es schon nicht pünktlich starten kann, dann möge die Verschiebung nur kurz sein.“

Du bist aus der Ligue Magnus zu den Füchsen gekommen. Diese Liga kennt ja hierzulande kaum jemand. Was ist der Unterschied zwischen der höchsten französischen Spielklasse und der DEL2?

Tomas Andres: „Ich glaube, dass es in Frankreich momentan drei Teams gibt, die sich wahrscheinlich auch in der DEL behaupten könnten. Die Mannschaften dahinter fallen dann aber – zum Teil auch deutlich – ab. Vom Spieltempo her ist die Liga mit der DEL2 durchaus vergleichbar. Der gravierendste Unterschied liegt darin, dass die deutschen Spieler in der DEL2 viel stärker sind als die Franzosen dort in der ersten Liga. Dafür dürfen in Frankreich aber auch neun Ausländer pro Team spielen. Das ist für das Level da schon ein Faktor.“

In Weißwasser war die Erwartungshaltung vor der Saison groß. Dann hat es nicht einmal mehr für die Playoffs gereicht. Was denkst Du war dafür ausschlaggebend?

Tomas Andres: „Meiner Meinung nach haben wir viel zu viele Großchancen ausgelassen. Da nehme ich mich gar nicht aus. Gefehlt hat uns auch die Effektivität. Dann haben wir sowohl auswärts als auch in nicht wenigen Endphasen der Spiele völlig unnötig noch wichtige Punkte liegengelassen. Es war definitiv viel mehr möglich für uns.“

Hast Du denn auch das virtuelle Spiel der Füchse gegen Team Corona auf der EHC-Homepage gesehen?

Tomas Andres: „Ja klar, das habe ich gesehen. Und deshalb weiß ich auch, das ‚Kuba‘ Kania in der Verlängerung das Siegtor geschossen hat. Es war eine tolle Sache und ich möchte den Füchse-Fans ganz, ganz sehr für ihre großartige Unterstützung danken.“

Was sagen Sie zu den Veränderungen in der Füchse-Mannschaft?

Andres: „Natürlich verlassen mit Joel Keussen, Clarke Breitkreuz oder Jordan George richtig gute Spieler das Team. Einige von ihnen sind für mich sehr gute Freunde geworden. Aber ich bin mir sicher, dass die Verantwortlichen der Füchse großartige Arbeit leisten werden, um neue, starke Teamkollegen für die nächste Saison zu finden und wir dann erfolgreich spielen können.“

Wenn Du einen Wunsch frei hättest: Welcher Spieler sollte unbedingt zu den Füchsen kommen?

Tomas Andres: „Ich habe da keinen speziellen Wunsch. Ich war sehr glücklich und froh mit meinen letzten Reihenspezies, mit Kale Kerbashian und Darcy Murphy. Aber am Ende entscheidet es der Trainer. Wen auch immer er als Mitspieler für meine Reihe auswählen wird – ich gebe mein Bestes und werde ohne Probleme mit ihnen spielen.“

Vielen Dank, Tomas! Das Leben beginnt sich ja hier wie auch in Tschechien wieder zu normalisieren. Hoffen wir also das Beste für unseren Lieblingssport. Bleib gesund, komme gut und verletzungsfrei durch den Sommer und dann wirst Du ja bald wieder hier im Fuchsbau aufschlagen.

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