DAS SOMMERINTERVIEW - MAXIMILIAN FRANZREB

"ICH HÄTTE MIR SCHON EINE ANDERE LÖSUNG GEWÜNSCHT!"

Die Verpflichtung eines ausländischen Torhüters kam für viele überraschend. Schließlich sah der EHC-Plan ursprünglich ein deutsches Keeper-Trio Franzreb/Kasdorf/Zoschke vor. Dass der am Ende nicht aufging, lag weniger am schlecht kalkulierbaren Abschluss des Einbürgerungsverfahrens von Jason Kasdorf. Entscheidend war vielmehr, dass mit dem kanadischen Schlussmann keine Einigung über die Vertragsmodalitäten erzielt werden konnte. Derweil der Torhütermarkt gutklassige und auch bezahlbare deutsche Alternativen nicht mehr hergab – übrigens werden auch die Bietigheim Steelers mit einem Ausländer, Stephon Williams, an den Start gehen – wurde die Suche nach einem Kontingentkeeper zwingend. Für Trainer Corey Neilson war der Amerikaner Mac Carruth erste Wahl. Denn eine Sicherheit, dass Maximilian Franzreb für das überwiegende Gros der Pflichtspiele zur Verfügung steht, gibt es nicht. Und ausgerechnet auf der so wichtigen Torhüter-Position ins Risiko zu gehen, stand nicht ernsthaft zur Debatte. Klar, dass viele Füchse-Anhänger nach der Nachricht von der vertraglichen Bindung des aus der EBEL in den Fuchsbau wechselnden 27-jährigen Schlussmanns sofort auch an Maximilian Franzreb und dessen Zukunft dachten. Grund genug für das Homepageteam, bei „Franzi“ direkt nachzufragen!

Servus, Maximilian! Warst Du über die Entwicklungen in Sachen Füchse-Torhüter informiert? Und wie hast Du die Nachricht von der Verpflichtung Mac Carruths aufgenommen?

Maximilan Franzreb: „Nein, ich habe erst als klar war, dass jetzt Mac Carruth kommt, von der Problematik erfahren. Was da passiert ist, ist doch aber völlig legitim. Die Füchse müssen sich doch für den Fall, dass ich hoch zu den Eisbären muss, absichern. Ich persönlich hätte mir natürlich schon eine andere Lösung gewünscht. Jetzt ist es, wie es ist. Er ist neu hier. Ich bin es nicht. Und wir müssen uns beide beweisen.“

Hast Du den Namen Mac Carruth überhaupt schon mal gehört?

Maximilan Franzreb: „Ich habe ihn sogar schon spielen sehen. Letztes Jahr waren wir mit den Eisbären in Dresden und haben dort gegen Litvinov getestet. Zu dieser Zeit war auch der Müllers-Fanshop-Cup. An dem nahm unter anderen Fehervar teil. Für die Ungarn hat Mac Carruth ja bisher gespielt.“

Letztes Jahr solltest Du Dich bei den Eisbären mit Marvin Cüpper um die Nummer eins duellieren. Du hast die Champions Hockey League bestritten und die Punktspielrunde im Tor unseres Kooperationspartners begonnen. Wegen der Verletzung von Marvin haben die Eisbären Kevin Poulin nachverpflichtet. Aber Du warst ganz dicht dran an der DEL. Jetzt planen die Eisbären zunächst mit den Torhütern Sebastian Dahm und Marvin Cüpper. In Weißwasser heißt Dein Kontrahent nun Mac Carruth. Es scheint so, als sei Deine Ausgangsposition diesmal schlechter als vor Jahresfrist...

Maximilan Franzreb: „Ja, das ist schon so. Nun, nach der Verpflichtung von Mac Carruth, habe ich bei beiden Clubs keine Sicherheit mehr, regelmäßig zu Spielen zu kommen. Das bedeutet eine noch höhere Belastung. Denn ich muss so permanent bei 120 % sein, um jede Einsatzchance bestmöglich nutzen zu können. Das mag nicht optimal für mich sein. Aber ich werde meinen Weg gehen. Ich kann ja ohnehin nur das machen, was ich auch beeinflussen kann.“

Es hieß bisher stets, Du seiest fest in Weißwasser geplant. Wie hast Du das interpretiert?

Maximilan Franzreb: „Ich rechne damit, dass ich in diesem Jahr fast durchweg in Weißwasser sein werde – was mich auch überhaupt nicht stört. Mir gefällt es bei den Füchsen. Für mich und meine Entwicklung ist es nur wichtig, eben auch so viel als möglich zu spielen.“

Du stehst nun praktisch das vierte Jahr sozusagen „auf dem Sprung“ in die DEL. Was macht diesen Sprung so schwer?

Maximilan Franzreb: „Na im letzten Jahr war ich ja tatsächlich sehr nahe dran, den Sprung zu schaffen. Vielleicht hätte ich ihn auch geschafft, wenn man mir etwas mehr Vertrauensvorschuss gegeben hätte. Dass ich mit den Eisbären Spiele gewinnen kann, habe ich gezeigt. Aber es muss eben immer auch alles passen. Im Team muss es stimmen, Erfolge müssen kommen. Dann gab es halt viele Verletzte in Berlin, Kevin war da, es fehlten regelmäßige Siege. Und am Ende geht es doch immer nur um eines – ums Gewinnen.“

In Berlin hast Du im Duell mit Kevin Poulin nicht so viele Spiele bekommen. Befürchtest Du einen ungleichen Konkurrenzkampf, wenn sich ein ausländischer und ein deutscher Keeper um den Platz im Tor streiten?

Maximilan Franzreb: „Ich habe zumindest keine guten Erfahrungen gemacht. Die Gelegenheit, mich mal ein paar Spiele am Stück zu zeigen, hatte ich nicht mehr so oft, nachdem Kevin da war. Es war für mich dann schon schwieriger in Berlin. Dabei denke ich, dass ich nicht so schlecht gespielt hatte. Das alles habe ich inzwischen hinter mir gelassen. Trainer Corey Neilson ist ein korrekter und fairer Mensch. Deshalb wird es so werden, wie es sein muss: Der Bessere wird spielen.“

Was sagst Du denen, die meinen, dass Dein letztes Jahr für die Füchse nicht Dein bestes gewesen sei?

Maximilan Franzreb: „Die haben nicht Unrecht. Ich weiß selbst, dass ich es besser kann, als ich es manchmal auf das Eis brachte. Aber letztes Jahr war auch kaum etwas planbar. Manchmal habe ich erst einen Tag vor einem Spiel erfahren, dass ich für die Füchse halten soll. Dann gab es Situationen, da habe ich in Weißwasser trainiert und wurde kurzfristig nach Berlin berufen. Es war richtig schwierig, die Konzentration hochzuhalten.“

Mit welchen Zielen gehst Du nun in die neue Saison?

Maximilan Franzreb: „Ich möchte in Weißwasser so viel spielen, als möglich. Ich will mich so weit nach oben kämpfen, wie möglich. Ich bin noch 22 Jahre alt und kann schon auf die Erfahrung von 130 Profispielen in den beiden oberen Ligen verweisen. Ganz klar, dass mein Ziel die DEL bleibt. Ich will ins Eisbären-Tor!“

Was denkst Du über die doch erheblich umformierte Füchse-Mannschaft?

Maximilan Franzreb: „Vom Papier her scheint mir die Mannschaft noch stärker, als letztes Jahr. Corey Neilson lässt schnell und dynamisch spielen, setzt dabei auch auf junge Leute. Ich sehe optimistisch einer wieder erfolgreichen Saison entgegen.“

...auf die Du dennoch mit Vorfreude blickst?

Maximilan Franzreb: „Ja, die Vorfreude ist immer da. Und ich sehne mich schon nach dem Tag, an dem das Eistraining endlich wieder losgeht.“ (schmunzelt)

Franzi, herzlichen Dank für die offenen, ehrlichen Worte. Komme gut durch die letzten Tage ohne Eis und dann bestmöglich in die neue Spielzeit. Mögest Du schon bald Dein 108. Pflichtspiel für die Füchse bestreiten!

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