DAS KREUZVERHÖR

VERANTWORTLICHE DES ESW UND DES EHC BEANTWORTEN FRAGEN ZUM PROJEKT U23

Der Nachwuchs im Lausitzer Pucksportmekka Weißwasser hat ein neues Zugpferd. Während die U20, im letzten Jahr Dritter in der Division III Nord, vom Spielbetrieb abgemeldet wurde, geht in der Saison 2020/21 eine U23 des ES Weißwasser in der Regionalliga Ost an den Start.

Das Homepageteam nahm alle Protagonisten des U23-Projekts ins Kreuzverhör: Dirk Rohrbach, den Geschäftsführer der Lausitzer Füchse, den ESW-Vereinsvorsitzenden Bernard Stefan, Füchse-Co-Trainer Chris Straube und den Coach der U23, Marco Ludwig.

Warum hat man sich im Fuchsbau gegen eine U20-Mannschaft und für eine U23 entschieden?

Bernard Stefan: “Der Hauptgrund ist ganz einfach der, dass wir nicht genügend Spieler für eine stabil besetzte U20 hatten und haben. Dazu kommen Schwierigkeiten, junge, talentierte Cracks zu uns nach Weißwasser zu holen. Dann meine ich, dass die Division III in der ältesten Nachwuchsklasse nicht der Anspruch des ESW sein kann. Damit wird es nämlich schwierig bis unmöglich, Spieler für den Profikader zu entwickeln, zumal wir regelmäßig Jungs mit gutem Niveau früh verloren haben. Jetzt können wir den Akteuren eine Zukunft bei uns – auch z.B. kombiniert mit einer Ausbildung – bieten. Die talentierten Spieler aus dem Endjahrgang der U17 haben so auch eine sportliche Bleibe und können sich für den Männerbereich anbieten. Schlussendlich will ich nicht verhehlen, dass wir nun auch nicht mehr so weite, kostenintensive Fahrten zu Auswärtsspielen haben, die uns sportlich wenig brachten.”

Dirk Rohrbach: “Natürlich waren die Lausitzer Füchse in den Entscheidungsprozess mit einbezogen. Wir haben abgewogen, welche Vorteile eine U23 auch für uns haben könnte. Prima ist, dass die Spieler aus der U17 so eine Perspektive nach oben haben. Die jungen Akteure aus der Profi-Mannschaft können viel mehr Spielpraxis sammeln. Wenn sie in der U23 auflaufen, werden sie auch in den Special Teams zum Einsatz kommen und müssen sich generell gegen Senioren beweisen. Und dann hat natürlich die Regionalliga ein deutlich höheres Niveau im Vergleich zur U20.”

Wie soll die neue U23-Mannschaft in Bezug auf unser Profi-Team eingebunden werden?

Dirk Rohrbach: “Stand jetzt sollen sieben Spieler der Lausitzer Füchse auch für die U23 spielberechtigt sein. Damit ist ein ständiger Austausch möglich und die Jungs sind richtig gefordert. Wir beabsichtigen auch, die talentiertesten unserer ESW-Spieler aus der U23 nach oben zu ziehen und sie zum Beispiel über gemeinsames Training an das Niveau der DEL2 heranzuführen. Der große Vorteil der U23 besteht darin, dass die ihre Spiele samstags bestreitet. Damit können die Jungs am Wochenende praktisch drei Wettkämpfe bestreiten: Freitag und Sonntag für die Profis, Samstag für die U23. Wir gehen davon aus, dass wir immer etwa drei Spieler nach Rostock zum Oberliga-Kooperationspartner abstellen. Wer aber hier ist, soll auch für die U23 auflaufen. Und es ist ein regelmäßiger Wechsel über drei Ligen möglich.”

Hat die Abmeldung der U20 Auswirkungen auf das "Sterne-Programm" des DEB?

Bernard Stefan: “Das hat nur bedingte bis gar keine Auswirkungen. Weil wir zu wenig Spieler in den Kern-Jahrgängen haben und auch die strukturellen Voraussetzungen – wie eine Sportschule mit den dann möglichen Trainingszeiten – fehlen, haben wir den fünften Stern ohnehin nicht bekommen. Wir werden ein paar weniger finanzielle Zuwendungen vom DEB bekommen. Das aber ist nicht dramatisch.”

Welche Lizenzierungsmöglichkeiten wird es für die Spieler der U23 geben?

Dirk Rohrbach: “Weil der Pass der Spieler beim Eissport Weißwasser liegt, sind sie problemlos auch für die Lausitzer Füchse zu lizenzieren. Denn im Passwesen gelten der ESW als Stammverein der Lausitzer Füchse und das Profiteam als eine Organisation. Insofern können die Cracks dann noch eine Förderlizenz für die Rostock Piranhas bekommen und sich so auf drei Wegen weiterentwickeln.”

Welche sportlichen Erwartungen gibt es an die U23 mit Blick auf das eher unbekannte Terrain Regionalliga Ost?

Marco Ludwig: “Ganz unbekannt ist diese Liga für mich nicht, da ich bereits zwei Jahre mit den Bombers Bad Muskau in dieser Liga gespielt habe. Das Niveau der Top-Teams ist sehr hoch. Für uns wird es primär darum gehen, unsere jungen Spieler an das Senioren-Eishockey heranzuführen und den Spielern der Lausitzer Füchse noch mehr Wettkampfpraxis zu ermöglichen. Im ersten Jahr lässt sich die Erwartung noch nicht an einer Platzierung festmachen.”

Was dürfen die Fans beider Lager von den Derbys gegen die Tornados aus Niesky erwarten?

Marco Ludwig: “Ich denke, dass es für beide Fanlager eine tolle Sache wird, die es in jüngster Vergangenheit nicht gab. Denn es ist Ewigkeiten – fast 20 Jahre – her, dass ein Team aus Niesky und eins aus Weißwasser in einer Liga gespielt haben. Niesky hat ebenfalls einige Spieler aus dem Nachwuchs des ESW im Kader. Die Jungs kennen sich, also wird kein Spieler als Verlierer vom Eis gehen wollen. Es wird insofern ein Wiedersehen mit alten Bekannten geben… Ich wünsche mir spannende, packende Spiele vor vollem Haus. Und wir hoffen dabei natürlich auch auf die Unterstützung der Lausitzer-Füchse-Fans.”

Hat der Einstieg in die Regionalliga Ost Auswirkungen auf Art und Intensität des Trainingsbetriebs der Spieler?

Chris Straube: “Das kann Marco Ludwig sicher besser beantworten; aber ich bin der Meinung: ja. Der Vorteil von einer Mannschaft, die in der Regionalliga spielt, ist, dass man auch mit Ü23-Akteuren spielen und trainieren kann. In den letzten Jahren war es zunehmend schwieriger, eine optimale Anzahl von Spielern für die U20 zu bekommen, egal ob Spiele oder Trainingseinheiten. Jetzt, da man auch über 20 Jahre alte Spieler aus der Region mit größerer Erfahrung beim Wettkampf und im Training in die Mannschaft einbauen kann, wird die optimale Anzahl vom Spielern einfacher zu erreichen sein und führt auch zu einem besseren, intensiveren Trainingsbetrieb unter der Woche.“

Marco Ludwig: “Der Trainingsumfang bleibt wie in der U20. Es gibt vier Eiseinheiten und zwei Off-Ice Einheiten pro Woche. Wir werden aber die Intensität der Einheiten steigern (müssen), denn nun spielen nicht mehr Jungs gegen Jungs, sondern Jungs gegen Männer.”

Welche Spieler der U23 sieht man jetzt schon "auf dem Sprung" für höhere Aufgaben?

Marco Ludwig: “Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich das nicht beantworten, aber wir werden in den nächsten Wochen sehen, wer die Profis eventuell beim Training bzw.

in der Saisonvorbereitung begleiten wird. Dazu stehe ich mit Corey Neilson und Chris Straube im ständigen Austausch.”

Chris Straube: “Diese Saison hoffen wir, dass Luis Rentsch der Sprung zu uns schafft. Bei den jungen Spielern kommt Schule immer an der ersten Stelle. Jetzt, da Luis mit der Schule fertig ist, kann er auch vormittags mit der Profi-Mannschaft trainieren und sich so einen Platz beim EHC erkämpfen.“

Wie wird sich der Heimspielbetrieb der U23 mit Bezug auf erforderliche Hygienekonzepte oder auch Eintrittspreise gestalten?

Bernard Stefan: “Es gibt ein bereits weit entwickeltes Hygienekonzept, das ständigfortgeschrieben wird. Erst diese Woche hatten wir ein sehr konstruktives Gespräch mit der Stadt. Wir streben an, bis zu 999 Zuschauern zu den Spielen der U23 zuzulassen. Die ersten Schritte dahin sind getan. Natürlich werden wir die Spiele der U23 vermarkten und Eintritt nehmen, um die Kosten zumindest zum Teil zu refinanzieren. Dabei orientieren wir uns an den anderen Regionalligisten, bei denen sich der Preis etwa im Bereich von 7,50 Euro bewegt. Da wir mit der Regionalliga wahrscheinlich vor der DEL2 starten werden, erhoffen wir uns einen guten Zuschauerzuspruch. Nach der langen Pause sind bestimmt viele Schlachtenbummler auf ‘Entzug’, die wir vielleicht für uns gewinnen können. Und die Derbys gegen Niesky haben sicher eine besondere Zugkraft.”

Wie gut wird es den noch in Ausbildung befindlichen Spielern möglich sein, diese mit dem Sport zu verbinden?

Marco Ludwig: “Das Training findet primär abends statt, sodass es hier keine Kollisionen gibt. Wir befinden uns aber in Gesprächen mit Partnern wie der BTU in Cottbus, die über ein Studienprogramm speziell für Sportler verfügt. Somit wäre auch eine Teilnahme am Vormittagstraining der Füchse möglich. Ebenso stehen wir in Verhandlungen mit der Autobahn GmbH des Bundes über eine Kooperation. Dazu kommen lokale Firmen, die Azubis oder Mitarbeiter suchen, wo wir gern unsere Talente unterbringen würden. Wir gehen bewusst diesen Weg, denn wir wollen den Spielern neben der sportlichen Perspektive auch eine berufliche Zukunft in unserer Region bieten. Wir stehen da noch am Anfang und da geht sicher noch deutlich mehr. Vielleicht findet sich auf diesem Wege noch jemand, der uns unterstützen möchte!?”

Es geht das Gerücht, dass Jörg Wartenberg mit 39 Jahren sein Comeback in der U23 geben soll...

Marco Ludwig: “Ja, ich kann dieses Gerücht bestätigen. Außerdem haben wir in den sozialen Netzwerken dazu schon ein Statement veröffentlicht. Seine Erfahrung wird den jungen Spielern helfen. Er ist ein ehemaliger Fuchs und Leader. Wir wollen damit auch ausgewählten Spielern über 23 Jahren die Tür öffnen, wenn diese dazu beitragen wollen und können, unsere Nachwuchsspieler besser zu machen. Seine Zusage sollte Signalwirkung haben…”

Das klingt alles verdammt spannend und interessant. Läuft alles nach Plan, dann sollte man tatsächlich einen Teil der Neuzugänge unseres Profi-Teams schon bald in der Regionalliga erleben können, wenn die vor der DEL2 startet. Das Homepageteam dankt den vier Interview-Partnern ganz herzlich und wünscht dem Projekt U23 einen reibungslosen und erfolgreichen Verlauf!

Foto: Lausitzer Rundschau online

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