ABSCHLUSS DER SOMMERINTERVIEW-REIHE

STEFAN WOHLSCHLAGER - "FUSSBALL IST MIR ZU LANGWEILIG - UND REICHLICH SCHAUSPIELEREI"

Zum Abschluss unserer Sommerinterview-Serie hatten wir uns mit einem der EHC-Schattenmänner verabredet. Und mitten im Gespräch kam dann auch schon DPD und lieferte Material. Für Stefan Wohlschlager gehört das zum Tagwerk. Wie überhaupt die Füchse-Mannschaft ohne den gebürtigen Berchtesgadener kaum noch denkbar ist. Das „Mädchen für alles“ hält Spielern wie Staff den Rücken frei und organisiert die tausend kleinen Dinge. Gehört es zu den besonders gut gehüteten Geheimnissen, dass dereinst bei Auswärtsfahrten der Füchse auch schon mal die Schläger vergessen und dann eiligst per PKW nachgeliefert werden mussten, so scheinen beim Perfektionisten Wohlschlager derartige Fauxpas nicht denkbar. Schon die Vita des 48-Jährigen hat es in sich, der über die Stationen Salzburg, Landshut, Ingolstadt, Ambri-Piotta und Fribourg in den Fuchsbau wechselte, wobei er vor seinem Engagement bei uns auch noch für Team Schweiz bei den Weltmeisterschaften 2016 in Russland aktiv war. Ein Spieler mit diesen Meriten würde unter die Rubrik „Top-Transfer“ fallen.

Stefan, Du bist inzwischen in Dein viertes Jahr beim EHC gestartet. Was hält Dich in Weißwasser?

Stefan Wohlschlager: „Es ist einerseits die Arbeit, die mir sehr viel Spaß macht. Andererseits fühle ich mich in der Gegend sehr wohl, habe mich hier prima eingelebt und mit Theresa meine Partnerin und mein Glück gefunden.“

Man hört, dass zu Deinem Haushalt noch mehr Bewohner zählen, als nur Stefan und Theresa...

Stefan Wohlschlager: „Stimmt. Da leben auch noch zwei Katzen und zwei Nymphensittiche.“

Das klingt etwas nach „Unruhe“. Wo kannst Du denn dann besser entspannen – daheim oder auf Arbeit?

Stefan Wohlschlager: „Das gelingt mir in der Wohnung, wo ich herrlich abschalten kann. Aber auch in der Eishalle komme ich zur Ruhe, wenn ich dort alleine bin und vor mich hinwurschteln kann.“

Die Stadt Weißwasser hatte die Eishalle im Sommer doch komplett zugesperrt. Durftest Du da etwa trotzdem hinein?

Stefan Wohlschlager: „Ach so – darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Ich konnte kommen und gehen, wann ich wollte. Aber es stimmt, man konnte sich vorkommen wie auf einer einsamen Insel. Ab und zu habe ich mal einen Spieler gesehen. Sonst war da nur höchst selten jemand.“

Wann geht denn für Dich eigentlich die neue Saison los?

Stefan Wohlschlager: „Regulär ist der erste Arbeitstag irgendwann im Juli. Aber erste Vorbereitungen starten schon, wenn die alte Spielzeit noch läuft. Wenn ich weiß, dass Spieler bleiben, dann kann man das Material für sie ja schon ordern. Alles, was nicht zur Standardausrüstung gehört, sollte spätestens Ende April/ Anfang Mai bestellt sein. Ist klar, dass neue Spieler kommen, dann setze ich mich mit ihnen in Verbindung um zu klären, was für sie benötigt wird. An sich ist es von Jahr zu Jahr ein fließender Übergang.“

Das heißt doch, dass Du schon sehr früh weißt, welche Neuzugänge kommen. Bist Du als Geheimnisträger verpflichtet?

Stefan Wohlschlager: (lacht)„Ja, ich weiß da schon etwas. Aber ich darf nichts sagen. Es lohnt auch nicht, bei mir nachzufragen. Ich behalte alles nur für mich.“

Du bist Handwerker, Hausfrau, Logistiker und Kraftfahrer in einem. Wo und wie lernt man das?

Stefan Wohlschlager: „Ich bin jedenfalls kein Naturtalent. Das berühmte ‚learning by doing‘ aber macht vieles möglich. Dazu ergibt sich einiges aus dem generellen Interesse an der Arbeit. Und im Laufe der Jahre habe ich jede Menge Erfahrungen gesammelt. So sind meine wichtigsten Assistenten die Schlittschuhschleifmaschine und eine Sattler-Nähmaschine.“

Stichwort „Schleifmaschine“ – was ist das Geheimnis eines guten Schliffs?

Stefan Wohlschlager: „Du brauchst eine gute Schleifmaschine und musst wissen, was du den Spielern anbieten kannst. Eine große Rolle spielt der Faktor Zeit. Mehr Zeit bedeutet immer auch gleich einen besseren Schliff. Jeder Spieler bevorzugt seinen individuellen Schliff, den er von mir auch bekommt. Wenn ich die Jungs auf dem Eis beobachte, dann erkenne ich inzwischen, ob der Schliff zu scharf oder zu stumpf ist. In Absprache mit den Spielern wird dann der Schliff auch schon mal angepasst.“

Wie viel siehst Du denn von einem Eishockeyspiel? Du wirst doch sicher ständig irgendwo benötigt...

Stefan Wohlschlager: „An sich sehe ich 60 Minuten – aber unter einem anderen Aspekt. Ja, ich weiß, wie es steht. Mein Augenmerk gilt aber den Ausrüstungen der Spieler. Kommen die zum Wechsel und da ist irgendwo ein Riemen ab oder sonst ein Schaden sichtbar, dann muss ich ran und schnellstens helfen.“

Da Du ja schon lange im Metier bist: Wie hat sich das Material in den letzten Jahren verändert?

Stefan Wohlschlager: „Auffällig ist, dass namhafte Marken weg sind vom Markt und andere neu dazu kommen. Fast in jedem Jahr gibt es Neuerungen bei den Schlägern und Schlittschuhen. Insgesamt ist die Ausrüstung extrem leichter geworden bei gleichem, teils besserem Schutz.“

Wie gehst Du die Auswärtsspiele an um zu verhindern, dass zum Beispiel die Schläger vergessen werden?

Stefan Wohlschlager: „Da helfen mir meine virtuellen Pläne und die Erfahrung. Dann packe ich die Kisten für die Auswärtsspiele stets gleich, in der Regel am Abend vor der Abfahrt. Anschließend gehe ich das alles nochmals durch – auch, was wir speziell an dem Ort benötigen, wo wir hin müssen.“

Magst Du denn eher die Heim- oder die Auswärtsspiele?

Stefan Wohlschlager: „Da kommt es auch bissel darauf an, wo wir spielen. In Bayreuth gefällt es mir beispielsweise nicht so. Dort laufen die Fans in den Drittelpausen direkt vor unserer Kabine vorbei. Für mich sind schon die Heimspiele einfacher. Da muss ich nichts packen und kann auch nichts vergessen. Außerdem haben wir daheim mehr Platz als fast überall auswärts. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann einen anderen Spielrhythmus; vielleicht immer drei/vier Heimspiele am Stück und dann zwei auswärts.“ (schmunzelt)

Hast Du eigentlich alle Spieler gleich lieb?

Stefan Wohlschlager: „Es gehört doch wohl zum Leben, dass die Chemie zwischen dem einen und dem anderen besser passt, als zu einem bestimmten Dritten. Auch der Umgang der Spieler untereinander ist ja nicht sozusagen einheitlich. Wichtig für mich ist – und das gehört zu meinem Job – ich behandele alle Spieler gleich.“

Du bist doch auch zuständig für die Getränke der Cracks. Darfst Du uns verraten, was da am besten geht?

Stefan Wohlschlager: „Die Jungs können wählen zwischen Wasser und zwei Sorten Elektrolytgetränken. Und wenn sich einer mal nicht so gut fühlt oder die Kälte zu groß ist, dann koche ich auch mal Tee.“

Warum bist Du immer beim Eishockey geblieben? Werden gute Betreuer nicht auch in anderen Sportarten geschätzt?

Stefan Wohlschlager: „Also Fußball ist mir ja schon mal zu langweilig und verbunden mit zu viel Schauspielerei. Da interessiert mich eher American Football. Mein Herz hängt beim Eishockey. Da möchte ich bleiben und bin auch gar nicht wechselwillig. Ich glaube auch nicht, dass es sportartenübergreifend von Interesse ist, wie gut irgendwo der Zeugwart arbeitet.“

Betreuer, Zeugwart – was bzw. wer bist Du denn genau?

Stefan Wohlschlager: „Man könnte auch noch Materialwart sagen. Neudeutsch heißt das aber jetzt Equipment-Manager...“

Hast Du selbst mal Eishockey gespielt?

Stefan Wohlschlager: „Nein, ich kann nur etwas über das Eis rutschen, ohne gleich hinzufallen. (grinst) Erst mit etwa 19 Jahren habe ich in Bad Reichenhall mein erstes Eishockeyspiel gesehen. Das hat mich nicht sonderlich vom Hocker gerissen. Aber als mein Bruder dann mit dem Eishockeysport begann, da hat es bei mir ‚Klick‘ gemacht.“

Schlussfrage: Wann ist ein Arbeitstag für Dich ein erfolgreicher?

Stefan Wohlschlager: „Das ist der Fall wenn wir gewonnen haben, die Cracks heimgehenund keiner über das Material schimpft. Denn dann war alles gut. Daraus ziehe ich auch meine Motivation.“

Stefan – vielen Dank für den interessanten Blick hinter die Kulissen. Vielleicht wären wir ja etwas schneller fertig gewesen, wenn Dein bayrischer Dialekt nicht immer noch so ausgeprägt wäreAb sofort wirst Du noch mehr im Fokus der Zuschauer in der Halle und bei SpradeTV stehen - und Dein „Schattenmanndasein“ ein schnelles Ende finden. Insofern und im wahrsten Sinne des Wortes: Mach’s gut und vergiss bloß nichts...

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