NUR DURCHSCHNITT? „DAMIT KANN ICH MICH NICHT ANFREUNDEN!“

COACH COREY NEILSON IM SOMMERINTERVIEW

Als die Verpflichtung von Kale Kerbashian fix war, da meldete sich unser Coach Corey Neilson zu Wort und ließ sich – für seine Verhältnisse ungewohnt tief – in seine durch die vergangene Saison etwas geschundene Eishockeyseele blicken. Aber der „Oberfuchs“ sprach auch Klartext, als es um die Resultate seiner Analyse der alles andere als optimal verlaufenden letzten Spielzeit ging:

„Zunächst einmal bin ich sehr zufrieden mit der bisherigen Mannschaftszusammenstellung für die Saison 2020/21. Ich denke, wir haben eine schöne Mischung aus jungen, aufstrebenden Spielern, die in Bezug auf ihre Fertigkeiten und ihre läuferischen Fähigkeiten wirklich sehr talentiert sind. Dazu stehen auch einige sehr starke, ältere Spieler im Kader, die ganz bestimmt und in unterschiedlicher Art und Weise an beiden Enden der Eisfläche sowie als Führungsspieler ihren Beitrag leisten können. Letztes Jahr war für mich eine gute Gelegenheit um zu lernen, was in Weißwasser sehr gut und was aber auch sehr schwierig sein kann. Diese Erfahrung hat mir einige sehr wichtige Dinge gezeigt, die bedeutsam sind, um ein echt erfolgreiches Team in einer Stadt aufzubauen, die so reich an Eishockeytradition ist. Ich hatte das Gefühl, dass wir viele hervorragende Individualisten hatten. Aber als Führungsspieler, als die sie hätten fungieren sollen, hatten sie immer wieder Schwierigkeiten mit dem Beitrag, den wir uns von ihnen erhofft hatten – sowohl offensiv als auch defensiv. Zudem war der mannschaftliche Zusammenhalt als verschworene Gemeinschaft nicht stark genug. Unsere Spieler mochten es eher familiär. Wir hatten tolle Menschen und Charaktere in der Kabine. Aber für manche Dinge passten sie einfach nicht gut genug zusammen“, teilte unser Headcoach mit: „Unser Ziel muss es sein, ein durchweg engagiertes, wettbewerbsfähiges Team zu sein, das das Eishockeyspiel auf seine eigene, spezielle Art und auch erfolgreich spielt ... eben THE FOXES WAY! “

Grund genug, um Corey noch ein paar mehr Dinge rund um die alte und neue Saison zu entlocken. Per E-Mail erreichten wir ihn in Nottingham, wo er den Sommer mit seiner Familie verbringt, die neue Spielzeit aber auch intensiv vorbereitet.

Servus, Corey! Das mit dem „Füchse-Weg“ klingt schon mal interessant. Was ist „THE FOXES WAY“ im Detail?

„Ganz einfach: Schnell, sehr körperbetont und mit großem Erfolgshunger.“

Du hast gesagt, dass Du mit der Zusammenstellung der Mannschaft für die neue Saison sehr zufrieden seiest. War es in diesem Sommer eigentlich schwieriger, Cracks für die Füchse zu rekrutieren?

Es war schon viel Arbeit. Aber nein, es war nicht schwieriger. Bei dieser Menge Unsicherheiten wegen dem Virus musste ich nur geduldig sein. Zudem hatte ich diesmal noch mehr Verantwortung, weil ich auch die deutschen Spieler ausgesucht habe.“

Wenn wir richtig liegen, hast Du als Cheftrainer noch nie so viele Spiele in einer Saison verloren, wie 2019/20 mit unseren Füchsen. Was hat diese Erfahrung mit Dir gemacht?

„Diese Erfahrung war sehr schmerzhaft. Ich habe bis dahin wirklich überwiegendgewonnen. Es war äußerst frustrierend für mich, eine Mannschaft zu trainieren, die glücklich damit schien, ein durchschnittliches Eishockeyteam zu sein. Das ist etwas, mit dem ich mich sehr schwer tue und woran ich mich nicht gewöhnen kann.“

Du willst ja möglichst jedes Spiel gewinnen. Warum ist oder war es so schwierig, diese Siegermentalität auch den Spielern zu vermitteln?

„Die Spieler kennen meine Denkweise. Das ist – glaube ich - auch zu sehen. Sie wissen, wie sehr ich sie antreiben werde. Es ist ihre Entscheidung, zu folgen. Die meisten Jungs des letztjährigen Teams haben es auch getan. Wir hatten aber auch einen kleinen Prozentsatz, der nicht so dabei war.Und dann war da noch ein weiterer kleiner Prozentsatz, der eine überwiegend sehr schlechte Saison hatte.“

Vielleicht hatten wir im Vorjahr auch zu wenig „bessere“ deutsche Cracks. Täuscht der Eindruck oder haben wir in der kommenden Spielzeit zumindest mehr und talentiertere junge Spieler?

„Ich glaube das nicht. In meinem ersten Jahr hatten wir sicherlich mehr ‚Kids‘ aus Berlin. Aber am Ende des Tages sind alle Youngster hier, um zu lernen und sich zu verbessern. Ihr Ziel muss es sein, sich zu Stammspielern zu entwickeln, an denen ich gar nicht vorbeikomme. Und die älteren Spieler müssen als Führungsspieler die ihnen zugedachten Beiträge leisten.“

Die Mannschaft wird ihr Gesicht ja doch mächtig verändern. Wird das Team dann auch eine andere Art Eishockey spielen?

„Nein, es wird die gleiche Art Eishockey sein, wie in meinem ersten Jahr. Und es wird sich genauso gestalten, wie in der letzten Spielzeit. Ich trainierte und trainiere genauso. Wir brauchen nur die richtigen Spieler dafür. Und alle Spieler müssen bereit sein, die ihnen übertragene Arbeit zu erledigen.“

Okay, Corey! Dann vielen Dank für die Zeit, die Du Dir für uns genommen hast – und für die offenen Worte. Bleib gesund – und erfolgreich an der „Spielerfront“. So ganz komplett wird der Kader ja noch nicht sein. Herzliche Grüße nach Nottingham! Und bis demnächst… So etwa rund um Ende August!!!

Foto: Thomas Heide/DEL2

Share:

Offizielle Premium-partner Der Lausitzer Füchse

REINERT-LOGISTICS NADEBOR LEAG FREIBERGER SPARKASSE STADTWERKE-WSW-VEOLIA ZVON LAUSITZER-RUNDSCHAU KARTON-EU WGW WBG WEE