SUDDEN DEATH FÜR DIE SAISON 2019/2020

EHC-GESCHÄFTSFÜHRER DIRK ROHRBACH BEANTWORTET DIE WICHTIGSTEN FRAGEN

Eine der besten Weisheiten, die es im Eishockey Jahr für Jahr zu hören gibt, besagt, dass es das Ziel sein müsse, das letzte Spiel der Saison zu gewinnen. Dann wäre das Maximum erreicht. Na klar: Als Sieger des letzten Spiels bist du entweder nicht abgestiegen – oder aber Meister! Und unsere Lausitzer Füchse haben das letzte Spiel der Saison gewonnen; mit 3:0 gegen den EV Landshut. Was sie da aber noch nicht wussten, war, dass es das letzte Saisonspiel sein würde. Nun hat Corona – vermutlich gar nur virtuell – die Eisstadien in Deutschland erreicht und den Spielbetrieb zum Erliegen gebracht. Ein Sieg im letzten Spiel ist damit wertlos, die falsche Penaltyentscheidung des Schiedsrichterduos Hertrich/ Engelmann nun aber auch gar keine Diskussion mehr wert und Weißwasser auch im folgenden Spieljahr Zweitligist. Dazu geht das durch nichts bestätigte Gerücht, dass unser Trainer Corey Neilson den Cracks das abrupte Ende der Saison so erklärte: „Ihr könnt jetzt aufhören zu SPIELEN…“

Klar ist, dass die Entscheidung der DEL- und DEL2-Geschäftsführung zum sofortigen Ende der Saison viele Fragen aufwirft. Das Homepageteam hat bei unserem Geschäftsführer Dirk Rohrbach nachgehakt:

Corona hier, Corona dort – und auch in Weißwasser vor Ort… Dirk Rohrbach, daher zunächst die Frage, wie es Ihnen geht!

„Danke, gut! Ich habe mich ja auch auf den Virus hin testen lassen. Das Resultat war ‚negativ‘ und damit für mich prima, denn nun kann ich mich weiter den Belangen unseres Clubs widmen – zunächst aber noch von zu Hause aus.“

Ab wann war absehbar, dass die Saison nicht zu Ende gespielt würde?

„An sich erst ab Dienstag gegen Mittag, als die Telefonkonferenz der Geschäftsleitung der DEL2 mit den Vereinen lief. Da gab es erstmals ein mehrheitliches Votum, die Saison abzubrechen. Auch mit nun ein paar Tagen Abstand muss man sagen, dass es mit Blick auf die immer im Vordergrund stehende Gesundheit die beste Entscheidung war und man keine echte Alternative hatte.“

Was waren die Hauptinhalte der letzten drei Tage?

„Ich habe unzählige Telefonate und Gespräche mit Behörden und Ämtern, Vertretern der DEL2, Geschäftsführern anderer Clubs, dem Steuerbüro, den Spielern unserer Mannschaft und den Mitarbeitern hier geführt. Und ich bin weiterhin auf der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten und Zuschüssen, um irgendwie zu einem wirtschaftlich positiven Saisonabschluss zu kommen.“

Ist schon absehbar, in welchen Größenordnungen finanzielle Verluste drohen?

„Da man ja nicht weiß, wie viele Spiele es für uns noch geworden wären, lässt sich das nicht so genau beziffern. Stand jetzt gehe ich von einem Defizit im Bereich zwischen 60.000 bis 100.000 Euro aus. Das ist schon sehr, sehr heftig!“

Gibt es bereits positive Signale von den Ämtern, dass sie zumindest teilweise, z.B. in Bezug auf die ausstehenden Gehaltszahlungen, einspringen?

„Ich bin da mit mehreren Behörden in Kontakt. Wir haben inzwischen auch schon Kurzarbeitergeld beantragt. Die Hoffnung ist da, dass wir wenigstens in einem kleineren Maße entlastet werden, ich rechne mit unbürokratischen Entscheidungen. Soweit mir bekannt ist, verfahren die anderen Clubs der DEL und DEL2 auch so.“

Es gibt eine tolle Resonanz unserer Fans auf die entstandene Situation, die zum Beispiel bereitwillig auf die Rückerstattung nun verfallener Tickets verzichten oder die Einrichtung eines Spendenkontos wünschen. Gibt es diesbezüglich schon Überlegungen der GmbH, diese Solidaritätsbekundungen aufzugreifen?

„Zunächst will ich sagen, dass ich diese Welle der Sympathiebekundungen sehr wohlwollend und froh wahrnehme. Da zeigt sich wieder, dass wir als ‚Hockeytown‘ eine verschworene Gemeinschaft sind. Mit einem Spendenkonto ist es für uns als GmbH ziemlich schwierig. Daher suchen wir neben der Problematik der nicht stornierten Tickets nach anderen Möglichkeiten und sind frohen Mutes, in absehbarer Zeit noch etwas Besonderes auf die Beine zu stellen.“

Möglicherweise können durch das abrupte Saisonende Sponsorenvereinbarungen nicht, wie vertraglich geregelt, eingehalten werden. Droht von dieser Seite aktuell auch Gefahr?

„Davon gehe ich nicht aus. Wir halten unsere vertraglichen Pflichten ein. Die Sponsorenverträge laufen grundsätzlich bis zum 30. April und bis dahin erbringen wir die von uns geschuldeten Leistungen. Es wäre ja auch möglich gewesen, dass wir nur noch zwei Pre-Playoff-Spiele bestritten hätten und die Saison dann jetzt auch vorbei wäre. Zudem halte ich zu unseren Unterstützern natürlich einen engen Kontakt.“

Wie geht es jetzt für und mit der Mannschaft weiter?

„Es gibt kein Eis mehr in der Arena und auch keine Trainingseinheiten. Die Spieler sind alle noch vor Ort. Es gab auch schon Gespräche der Jungs mit dem Trainerteam. Die Verträge der Akteure laufen zu unterschiedlichen Zeiten aus. Gerade unsere ausländischen Cracks wollen natürlich so schnell wie möglich in die Heimat zurück, weil sie befürchten, dass irgendwann hier gar nichts mehr geht. Auch da müssen wir schauen, wie wir uns einigen können.“

Ab wann ist mit ersten Entscheidungen bzw. Mitteilungen über Vertragsverlängerungen, Ab- oder Zugänge zu rechnen? Und bleibt der Trainer?

„Wenn klar ist, wie wir die aktuelle Saison geregelt beenden können, intensivieren wir die Arbeit mit den Agenten der Spieler, die ohnehin schon im Laufen ist. Wenn alles passt, können wir in der nächsten Woche vielleicht schon erste Fakten vermelden. Mit unserem Trainer gab und gibt es Gespräche. Einerseits werten wir mit ihm die Saison aus, andererseits formulieren wir klar unsere Erwartungshaltung. Wir als Lausitzer Füchse würden mit ihm weiter zusammenarbeiten wollen. Zudem gibt es ja auch eine Vertragslage. Die finalen Besprechungen hat es aber noch nicht gegeben. Von der Tendenz her denke ich, dass Corey unser Coach bleibt.“

Wird es noch eine Saisonabschlussfeier geben?

„Nein, das lässt die gegenwärtige Situation nicht zu. Aber wir werden ein größeres Event zur Eröffnung der neuen Saison veranstalten.“

Es gab und gibt Gerüchte über ein Ende der Kooperation mit den Eisbären…

„Ganz klar: Die Kooperation wird fortgesetzt. Es gab auch schon mehrere Absprachen zu Spielern, die für uns im nächsten Spieljahr als Akteure mit Förderlizenz oder auch mit normalem Vertrag in Betracht kommen. Da uns die Stadt Weißwasser entgegengekommen ist und es ab 5. August wieder Eis in unserer Arena gibt, werden wir auch wieder gegen die Eisbären spielen. Einen Termin zu finden, ist diesmal etwas schwieriger, da Berlin ja auch in der Champions-Hockey-League am Start ist. Aktuell könnte es vielleicht der 14. oder 15. August werden, an dem wir uns duellieren.“

Hand auf's Herz: Wie groß war die Angst vor einem Abstieg tatsächlich? Und sind Sie froh, den nervenaufreibenden Playdowns "dank Corona" entgangen zu sein?

„Eine Abstiegsrunde bedeutet immer Gefahr. Und die Anspannung war durchaus groß. Andererseits hatte die Mannschaft aber zuletzt einen guten Lauf und auch mit viel Selbstvertrauen agiert. Dennoch bin ich von einer engen Serie ausgegangen. Dazu bin ich mir sicher, dass die Playdowns garantiert nicht spurlos an mir vorübergegangen wären…“

Dirk, herzlichen Dank, dass Sie sich in bewegten Tagen die Zeit für dieses Interview genommen haben. Mögen die finanziellen Spuren der durch Corona vorzeitig beendeten Saison nicht zu tief und lange nachwirken!

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