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Große Ehre, Teil der Eishockey-Geschichte von Weißwasser zu sein

14.03.17 09:46 | Andreas Friebel
© Lausitzer Füchse

Füchse-Coach Hannu Järvenpää ist als DEL2-Trainer des Jahres ausgezeichnet worden. Es ist nicht die erste Trophäe, die der 53-Jährige im Laufe seiner Karriere gesammelt hat. Bei der WM 1992 gewann er mit Finnland die Silbermedaille. 2007 wurde er sogar in die finnische Hockey Hall of Fame aufgenommen. Vor dem Start der Playoffs haben sich die „Sächsische Zeitung“ und unsere Homepage mit dem weitgereisten Erfolgstrainer unterhalten.

Was bedeutet es für Sie, den Titel „Trainer des Jahres“ gewonnen zu haben?

Das ist schon eine große Sache, die mich sehr stolz macht. Ich sehe diese Auszeichnung aber eher als Ehre für die gesamte Mannschaft und für den ganzen Trainerstab. Wenn meine Spieler nicht meine Anweisungen umsetzen würden, dann hätten wir keinen Erfolg gehabt und ich wäre kein Trainer des Jahres geworden.

Können sie uns aber vielleicht ihr Erfolgsgeheimnis verraten? Ihre Arbeit hat ja schon einen gewissen Anteil am Playoff-Einzug der Füchse!

Wenn ich jetzt mein Erfolgsgeheimnis verrate, dann dürft ihr den Raum nicht mehr verlassen (lacht!). Aber so viel kann ich verraten. Die Jungs müssen hart arbeiten und an sich glauben. Zudem muss man als Trainer glaubwürdig und authentisch sein. Man darf sich nicht verstellen. Dann vertrauen dir die Spieler. Und mit etwas Humor geht im Leben vieles leichter.

Wenn Sie mal nicht in Weißwasser sind, wo findet man sie dann?

Also ich war schon in Berlin, Dresden, Cottbus und Görlitz. Aber die meiste Zeit verbringe ich in der Eisarena. Und wenn ich dann mal in meiner Wohnung bin, dann schaue ich Eishockey.

Wie kommt ihre Familie damit zurecht, dass sie kaum zuhause in Finnland sind?

Meine Frau Susanna hat mich in Weißwasser schon oft besucht. Ansonsten sind meine Kinder auch weit verstreut. Mein Sohn Jan arbeitet in Kopenhagen in Dänemark. Meine ältere Tochter Janica ist Psychologin in Helsinki. Und meine jüngere Tochter Jeanette lebt in Stockholm und studiert Kunst. Meine Frau und ich leben seit über 20 Jahren in Helsinki, zumindest im Sommer. Ich habe inzwischen in sieben Ländern kennengelernt, aber Finnland ist und bleibt meine Heimat.

Wie sind Sie denn zum Eishockey gekommen?

Ich stamme aus Oulu, das liegt etwa 650 Kilometer von Helsinki entfernt. Da leben etwa 180.000 Einwohner. Oulun Kärpät hat dort als Eishockeyteam eine lange Tradition. Und so habe ich angefangen, Eishockey zu spielen. Parallel war ich aber auch Zehnkämpfer und ein ziemlich guter Kugelstoßer. Als ich 15 war musste ich mich entscheiden. Zu der Zeit hatte ich die Chance in der Jugendnationalmannschaft zu spielen, deshalb bin ich diesen Weg gegangen. Und den habe ich nie bereut. 1992 zum Beispiel habe ich in einem WM-Finale gestanden. Leider haben wir es gegen Schweden verloren.

Und sie haben in der NHL gespielt!

Ja. Das war eine großartige Erfahrung, wie ein Traum. Ich konnte in der besten Liga der Welt gegen die besten Eishockeyspieler der Welt spielen. Ich durfte gegen Wayne Gretzky und Mario Lemieux angetreten. Allerdings verbinde ich mit der NHL auch einige negative Erinnerungen. Im ersten Jahr hatte ich mich schwer am Knie verletzt. Im zweiten Jahr hatten meine Eltern einen schweren Autounfall, bei dem mein Vater starb. Aus diesen Erfahrungen habe ich für mich mein Lebensmotto gefunden. Versuche heute glücklich zu sein, du weißt nicht was morgen passiert.

Welche schönen Erinnerungen haben sie noch an ihre Spielerlaufbahn?

Bei meinem ersten Profispiel in Finnland, habe ich bei meinem ersten Wechsel gleich ein Tor geschossen. Im ersten NHL-Spiel für Winnipeg traf ich auch gleich. 1985 bei der WM in Prag war ich der beste Torschütze. Mit neun Treffern war ich sogar besser, als der berühmte Sergei Makarow. 1986 bei der WM wurde ich als bester Spieler im Team Finnland geehrt. Und bei den Olympischen Spielen 1992 in Albertville spielte ich an der Seite von Teemu Selänne.

Und nun sind sie bei den Lausitzer Füchsen. Warum haben Sie sich im Sommer für Weißwasser entschieden?

Zunächst etwas Grundsätzliches. Ich war davor sieben Jahre in der EBEL Trainer. Ich kannte die Liga, die Teams, die Spieler. Ich wollte etwas Neues erleben. Székesfehérvár hat mir auch einen Vertrag für diese Saison angeboten, ich habe aber abgelehnt. Und ich habe es bis heute nicht bereut. Als ich jung war, habe ich auch auf das Eishockey in der DDR geschaut. Ich war fasziniert, wie nur zwei Mannschaften um eine Meisterschaft kämpfen. Dynamo Weißwasser hat für mich von je her eine große Tradition, mit großen Namen. Und ich sage das ganz ehrlich: Es ist eine große Ehre für mich, Teil der Eishockey-Geschichte von Weißwasser zu sein.

Könnten sie sich vorstellen, hier länger zu bleiben?

Selbstverständlich ist Weißwasser eine Option für mich. Aber im Moment denke ich nur über die Playoffs nach. Wir setzen uns mit Dirk Rohrbach zusammen, wenn es soweit ist.

Die Mannschaft wirkte nach dem Erreichen des Viertelfinales etwas müde. Täuscht der Eindruck?

Nein. Irgendwann ist halt mal das Benzin im Tank alle. Wir haben bislang eine tolle Saison gespielt. Jetzt konnte sich die Mannschaft etwas regenerieren und nun geht es los. Alle Teams in der Liga sind in einer guten Verfassung. Entscheidend wird sein, wer vom Kopf her wirklich bereit ist für die Playoffs.

Dann lassen Sie uns zum Abschluss auf den Viertelfinale-Gegner Kassel schauen. Was ist da aus Sicht der Füchse möglich?

Ich schaue zunächst nicht auf die ganze Serie. Ich schaue zunächst nur auf das erste Spiel. Das wollen wir gewinnen. Und wenn das erste Spiel vorbei ist, schauen wir auf die zweite Partie. Natürlich wissen wir alle, dass Kassel der amtierende Meister ist und eine wirklich starke Mannschaft zusammen hat. Aber wir haben in dieser Saison vier gute Spiele gegen die Huskies gemacht und davon die beiden letzten Spiele gewonnen!