Die Braukünstler von Freiberger und der Energiekonzern Vattenfall verzichten auf ihren Namenszug an der neuen Eishalle in Weißwasser. Wer dort werben will, muss Bares auf den Tisch legen.
Die Farben Blau und Gelb flattern wild im Fahrtwind, als Ervin Masek ungebremst dem Tor entgegenschießt. Hinten unterbricht eine 20 und der Schriftzug Vattenfall den Farbfluss auf dem Trikot des Füchse-Stürmers, vorn steht „Freiberger“. Der weltweit agierende Energiekonzern und das Brauhaus aus dem Erzgebirge – es gehört seit 2006 zur Radeberger Gruppe und damit zum Oetker-Konzern– ist nicht der einzige „Premium Partner“, sprich: Hauptsponsor, des Clubs. Etwas kleiner heben sich weitere Namen und Logos vom blauen beziehungsweise gelben Untergrund ab. Insgesamt decken 130 Sponsoren zwei Drittel des Etats der Profimannschaft ab. Wie hoch der ist, will Füchse-Geschäftsführer Matthias Kliemann nicht verraten, weil damit in der Vergangenheit immer wieder in falsche Richtungen spekuliert worden sei, sagt er. 2009 zumindest belief sich der Füchse-Etat noch auf eine Million Euro.
Ohne Sponsoring ginge bei den Füchsen nicht viel. Das gegenseitige Geben und Nehmen von Sport und Wirtschaft spielt auch bei der Namensfindung für die neue Eishalle eine Rolle, und zwar keine geringe. Als Bauherrin und künftige Eigentümerin will die Stadt die Namensrechte so teuer wie möglich an den Mann bringen. An wen, ist noch völlig offen. Oberbürgermeister Torsten Pötzsch führt dazu seit vergangenem Jahr Gespräche. Wenn er wählen könnte, wäre ihm ein regionaler Bezug des künftigen Sponsors lieber als ein großer nationaler oder gar internationaler Name. Vattenfall böte von beidem etwas. In Hamburg etwa betreibt der Konzern mit Sportsponsoring bei den Vattenfall Cyclassics, einer Radsportveranstaltung, Imagepflege. In dieser Saison engagiert man sich auch im WM-Alpinski-Zirkus. Aber die Vattenfaller haben abgewunken. Gestern Abend wurde am Rande des Spiels gegen Schwenningen zwar ein neuer Zweijahresvertrag unterzeichnet – aber von der Fassade der neuen Eishalle soll der Schriftzug Vattenfall nicht leuchten. Ade, Vattenfall-Arena! Auch der Freiberger Geschäftsführer Steffen Hofmann hat schon mehr als einmal Nein gesagt, obwohl das Brauhaus 2010 seinen Namen von der Heimstatt der Dresdner Eislöwen abgenommen hat.
Ganz allein wird die Stadt den Namen nicht verkaufen können. Bernard Stefan vom ESW-Vorstand ist überzeugt, dass allein der Schriftzug auf der Fassade keinem Sponsor wirklich nützt. Wer bei der Halle investiert, wird auch sonst mit den Füchsen werben wollen. „Der Verein, die Spielbetriebs GmbH und die Stadt müssen zusammenarbeiten“, ist auch OB Pötzsch überzeugt. Herausspringen soll eine mindestens fünfstellige Summe. Sie soll die Betreibungskosten von voraussichtlich 630000 Euro senken. Stemmen muss die Summe der Eissport Weißwasser ESW, der jetzt den alten Fuchsbau und dann die neue Halle betreibt. Die Stadt beteiligt sich im Jahr Eins der neuen Halle mit 300000 Euro daran, im zweiten mit 250000 Euro. Je mehr beim Verkauf der Namensrechte herausspringt, desto weniger muss die Stadt aus dem eigenen Budget bezahlen. Mit einem Erlös von 25000 bis 50000 Euro wird hinter den Kulissen kalkuliert. Eine wohl reelle Einschätzung. Schwenningen kassiert für seine Helios-Arena laut dem Branchenmagazin Stadionwelt 34000 Euro jährlich. Wie die Eishalle künftig heißt, ist damit noch immer nicht geklärt. Den Fans dürfte das sowieso weitgehend egal sein. Für sie zählt nur, dass Masek trifft, solange er die gelb-blauen Farben trägt. |